Die europäische Paypal-Alternative Wero macht den nächsten Schritt und ist nun im Onlinehandel verfügbar. Das erfuhr die Süddeutsche Zeitung am Mittwochmorgen. Kundinnen und Kunden können demnach seit Dienstag erstmals bei einem Onlinehändler mit Wero bezahlen, und zwar beim deutschen Ticketanbieter Eventim. Kundinnen und Kunden, die am Mittwoch beispielsweise Tickets für die Zusatzshows von Helene Fischer, die Tour von Nina Chuba oder Shows von AnnenMayKantereit kaufen wollten, konnten diese nicht mehr nur per Kreditkarte, Überweisung oder Paypal, sondern eben auch über Wero bezahlen. Wer den europäischen Bezahldienst an der Kasse auswählt, bekommt einen QR-Code angezeigt, den er oder sie mit dem Smartphone scannen muss und der sofort zur eigenen Banking-App führt. Dort können die Verbraucherinnen und Verbraucher die Zahlung noch einmal überprüfen und bestätigen. So weit, so einfach.
Doch viele Nutzerinnen und Nutzer dürften an der Onlinekasse enttäuscht werden. Denn offenbar gilt das Angebot zunächst nur für einen beschränkten Kreis an Kunden. Freigeschaltet ist Wero für Bezahlungen unter Freunden schon bei großen Banken wie der ING, der Neobank Revolut oder auch der Postbank. Online bezahlen bei Eventim können aber offenbar erst einmal nur Kunden der Sparkassen und VR-Banken. Kundinnen und Kunden der anderen teilnehmenden Banken erhalten bei der Bankauswahl eine Fehlermeldung, die anzeigt, dass die eigene Bank die Bezahlung mit Wero noch nicht unterstützt. Wer trotzdem an die Tickets kommen will, muss auf die üblichen Alternativen ausweichen.
Ein früherer Start musste bereits verschoben werden
Wero ist ein Projekt und Produkt der European Payments Initiative (EPI). Hinter EPI stehen 16 europäische Banken und Zahlungsdienstleister aus Deutschland, Frankreich und Belgien. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, eine Alternative zu US-Bezahldiensten wie Paypal, Mastercard und Visa zu etablieren. Seit mehr als einem Jahr können sich Kunden der teilnehmenden Banken über Wero Geld zusenden, ohne dass sie dafür die IBAN brauchen. Stattdessen reicht eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Knapp 45 Millionen Kundinnen und Kunden haben sich bei Wero registriert, die meisten davon in Frankreich und Belgien. In Deutschland verzeichnete Wero zuletzt knapp zwei Millionen Nutzer, die meisten bei den Sparkassen, die das Projekt von Anfang an unterstützt haben. Im kommenden Jahr sollen Kunden der niederländischen Bezahlmethode iDeal dazukommen, den zehn Millionen Menschen nutzen.
Das sind an sich zwar gute Zahlen. Ob Wero aber ein nachhaltiger Erfolg werden kann, wird sich insbesondere an den Kassen im Netz und im Geschäft zeigen. Denn nur wer dort präsent ist, kann über Provisionen Geld verdienen und langfristig Teil des Kundenalltags werden. Entsprechen wichtig ist der E-Commerce-Start für Wero und die dahinterstehenden Banken. Bisher läuft dieser aber nicht wie geplant. Ursprünglich wollte die dahinterstehende Firma EPI die ersten Händler bereits im Sommer 2025 an das Bezahlsystem anschließen, um so auch das Momentum zu nutzen, das unter anderem Donald Trump erzeugt hat. Durch die teils erratischen Entscheidungen des US-Präsidenten war die Diskussion um die Unabhängigkeit europäischer Dienste wieder aufgeflammt und hatte auch Wero einen zusätzlichen Schub gegeben. Auch der Ausfall des Paypal-Sicherheitssystems im August hätte Wero eigentlich populärer machen können. Doch damals war noch kein einziger Händler live geschaltet.
Schlussendlich musste Wero die ambitionierten Pläne für den Sommer 2025 aufgeben und auf Ende des Jahres verschieben. Dass nun der erste Händler live ist, dürfte der Bezahldienst als Erfolg sehen. Auch wenn nur eine eingeschränkte Zahl an Kunden bisher dafür freigeschaltet ist. Interessant werden dürfte das Bezahlen mit Wero im Netz aber sowieso erst, wenn bald mehr Händler mitmachen. In gut zwei Wochen will Wero auf einer Pressekonferenz verkünden, welche das sein könnten. Als mögliche Partner gelten dem Vernehmen nach die Deutsche Bahn, der Versandhändler Otto und die Technikkette Mediamarkt-Saturn.
