BezahldienstING startet mit europäischem Zahlungsdienst Wero

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Bei Online-Zahlungen von Privatkunde zu Privatkunde ist Paypal in Deutschland der führende Anbieter. Wero wäre eine europäische Alternative.
Bei Online-Zahlungen von Privatkunde zu Privatkunde ist Paypal in Deutschland der führende Anbieter. Wero wäre eine europäische Alternative. (Foto: Jaspar Jacobs/Belga/Imago)
  • Der europäische Bezahldienst Wero hat laut Unternehmensangaben in Deutschland 1,8 Millionen aktive Nutzer. Im Vergleich zu November 2024 sind die Zahlen stark gestiegen.
  • Wero ermöglicht seit 2024 europaweite Geldtransfers ohne IBAN, nur mit E-Mail-Adresse oder Handynummer. Onlinezahlungen sollen noch in diesem Jahr, Zahlungen an der Ladenkasse 2026 folgen.
  • In Frankreich und Belgien ist Wero bereits deutlich verbreiteter als in Deutschland. Mit dem geplanten Start in den Niederlanden könnte der Kundenstamm auf fast 60 Millionen anwachsen.
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Wero soll eine europäische Alternative zu US-Konzernen wie Paypal und Mastercard werden. In Europa nutzen ihn bereits 43 Millionen Menschen, jetzt könnten weitere Kunden hinzukommen.

Von Nils Heck, Köln

Wer heute Geld sendet oder im Internet einkauft, der nutzt dafür häufig US-Dienste wie Mastercard, Visa oder Paypal. Viele Transaktionen in ganz Europa laufen über die Systeme der großen Payment-Firmen aus den USA. In zahlreichen EU-Ländern gibt es gar keine Alternative zu den großen Kreditkartenfirmen, und in Deutschland ist Paypal bei Online-Bezahlungen die beliebteste Bezahlmethode. Das hat in den vergangenen Jahren Abhängigkeiten geschaffen und dazu geführt, dass US-Firmen viel damit verdienen, wenn Europäer digital bezahlen.

Das aber könnte sich mittelfristig ändern. Denn mehr als ein Jahr nach dem Start der europäischen Paypal-Alternative „Wero“ nimmt diese offenbar Fahrt auf. Wie die Süddeutsche Zeitung aus dem Unternehmen erfuhr, haben sich in Deutschland bisher 1,8 Millionen Menschen für den Bezahldienst registriert. Hinter dem Projekt stehen 16 Banken und Finanzinstitute, die gemeinsam die European Payments Initiative, kurz EPI, ins Leben gerufen haben. Deren Chefin ist Martina Weimert.

Europaweit sind die Zahlen noch einmal größer. Weimert zufolge gibt es in Frankreich, Belgien und Deutschland zusammen schon jetzt etwa 43 Millionen aktive Nutzer von Wero. Das ist eine starke Steigerung im Vergleich zum November 2024: Damals waren es noch 14 Millionen registrierte Nutzer. Während in den vergangenen Jahren sämtliche Versuche der deutschen Banken und Sparkassen gescheitert sind, eine heimische Alternative zu Paypal aufzubauen, liefert das Gebaren der Trump-Regierung nun neue Argumente für eine europäische Lösung. Tatsächlich wollen sich Umfragen zufolge viele Verbraucher in Europa in diversen Bereichen aus der Abhängigkeit von US-Anbietern befreien, allen voran im Zahlungsverkehr, wo es auch um die Frage geht, wie sicher die eigenen Daten sind.

Geld in Sekunden schicken, das verspricht die neue Anwendung

Über Wero lassen sich seit 2024 Gelder durch ganz Europa schicken – ganz ohne IBAN, nur mit einer E-Mail-Adresse oder Handynummer. Die einzige Voraussetzung ist, dass die Banken des Senders und Empfängers beide bei Wero mitmachen und die Kunden ihr Konto aktivieren. Mit dabei sind in Deutschland beispielsweise die Sparkassen, die Postbank, die PSD Bank, die Sparda-Banken und die GLS Bank. Weitere sollen in den kommenden Monaten folgen. Noch in diesem Jahr sollen über Wero auch Zahlungen im Internet möglich werden, 2026 dann Zahlungen an der Ladenkasse.

In Deutschland sind bisher vornehmlich Kunden der Sparkassen (mehr als eine Million) und der Volksbanken (mehr als 600 000) dabei. Die Nutzerzahl könnte aber bald schon steigen. Seit dem 21. August stellt die ING ihren mehr als zehn Millionen Kunden in Deutschland den Bezahldienst Wero zur Verfügung. Die ING hat das Angebot wie auch die Sparkassen und Volksbanken in die eigene App integriert, eine zusätzliche App brauchen die ING-Kunden also nicht. Kunden der britischen Neobank Revolut können sich bereits seit Juli 2025 registrieren. Die Bank hat eigenen Angaben zufolge mehr als zwei Millionen Kunden in Deutschland. Und ein weiteres Flaggschiff könnte bald dazu kommen. Die Deutsche Bank hat den Start des Bezahldienstes für das dritte Quartal angekündigt.

Belgien und Frankreich haben viel mehr Wero-Nutzer

All das dürfte zu einer breiteren Akzeptanz führen. Vorbild sind Frankreich und Belgien, in beiden Ländern ist Wero heute schon deutlich größer als in Deutschland. Das liegt zu Teilen daran, dass dort bisherige Bezahldienste aufgekauft und die Kunden migriert wurden. So konnte Wero laut EPI-Chefin Martina Weimert beispielsweise 26 Millionen Kunden vom französischen Payment-Dienst Paylib und 4,1 Millionen Kunden von Payconiq in Belgien übernehmen. In Deutschland gab es vergleichbar bereits etablierte Dienste und damit Kundenstämme nicht. Die heute größere Zahl an Nutzern in den Nachbarländern ist aber auch das Ergebnis eines im Vergleich zu Deutschland schnelleren Wachstums. So konnte Wero seit dem Start in Frankreich bereits 8,5 Millionen Kunden gewinnen, in Belgien sind 2,6 Millionen neue Kunden dazugekommen. Das hängt mit dem Netzwerkeffekt zusammen: Umso mehr Menschen einen Dienst nutzen, desto reizvoller ist es für neue Kunden, sich dort auch zu registrieren.

Die EPI verspricht sich einen weiteren Kundenschub vom Start in den Niederlanden. Dort hat Wero das beliebte Bezahlsystem iDeal geschluckt, das zuletzt etwa 15 Millionen Kunden verzeichnen konnte. Diese sollen im kommenden Jahr zu Wero wechseln und würden so den Kundenstamm auf fast 60 Millionen Kunden vergrößern. Das ist für Wero nicht nur aus Prestigegründen wichtig. Wenn, wie es die Betreiber planen, im laufenden Jahr Onlinehändler die Bezahlfunktion von Wero integrieren sollen, werden diese danach fragen, was es denn bringt, neben Kreditkarten, Paypal oder Klarna noch einen weiteren Bezahldienst anzubieten. Eine große Anzahl an Kunden wäre dabei ein gutes Argument für die europäische Alternative.

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