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Werkstattketten:Volkswagen greift ATU an

VW gründet eine freie Werkstattkette - und macht sich damit selbst Konkurrenz. Jährlich sollen 20 Filialen in Ballungszentren eröffnen.

Konrad Fischer

Volkswagen plant eine markenunabhängige Werkstattkette. Nach Angaben des Konzerns sei eine Testphase in Berlin erfolgreich abgeschlossen, in den nächsten Wochen werde mit der Eröffnung neuer Filialen begonnen.

Umkämpfter Markt: Auch Volkswagen will einen Teil vom Geschäft mit der Autoreparatur.

(Foto: Foto: dpa)

Damit tritt Volkswagen in Konkurrenz zu den etablierten Werkstattketten Pit Stop und Autoteile Unger (ATU), die in ganz Deutschland rund 1000 frei Autowerkstätten betreiben. Der Markt gilt bereits als weitgehend gesättigt, bei Volkswagen glaubt man dennoch an einen Erfolg des neuen Konzepts namens Stop and Go. "Wir konzentrieren unser Angebot auf ältere Modelle, das hat in Berlin bereits gut funktioniert", so ein Sprecher. Dort betreibt Volkswagen seit einigen Jahren sechs Test-Filialen von Stop and Go.

Einstieg nur auf Kosten anderer

Die Mitbewerber stellen sich auf einen harten Wettbewerb ein. "Die Marktabdeckung ist sehr gut und das Konzept von Volkswagen ist offenbar ähnlich wie unseres", so ein Sprecher von ATU. "In Berlin haben wir die neue Konkurrenz schon deutlich gespürt", sagte er weiter.

Wer hier wachsen oder neu einsteigen will, kann das wohl nur auf Kosten anderer tun. Volkswagen hat angekündigt, jedes Jahr rund 20 neue Filialen eröffnen zu wollen - der Schwerpunkt soll auf Ballungszentren liegen. In den neuen Filialen sollen allein im nächsten Jahr zwischen 300 und 400 neue Arbeitsplätze entstehen, hieß es. Mittelfristig ziehe der Konzern auch eine Expansion ins Ausland in Betracht. Es gebe zwar noch keine konkreten Pläne, "die Schweiz und Österreich sind jedoch interessant". Den VW-Vertragswerkstätten soll die neue Kette nicht ins Gehege kommen, da sich deren Angebot überwiegend an Besitzer jüngerer Fahrzeuge richte.

Altfilialen vor dem Aus

Beim finanziell angeschlagenen Werktstattbetreiber ATU glaubt man, der Konkurrenz gewachsen zu sein. "Wir sehen dem gelassen entgegen und werden uns weiter auf unser Kerngeschäft konzentrieren", so ein Sprecher. Eine Strategieänderung werde nicht nötig sein, glaubt man hier. Im vergangenen Jahr hatten die Gesellschafter dem Unternehmen 140 Millionen Eigenkapital zuschießen müssen, um dessen Überleben zu sichern.

Unklar ist noch, was mit den rund 60 freien Werkstätten passiert, die VW bereits seit 1990 unter dem Namen Stop and Go betreibt. Der Konzern teilte mit, nur die Werkstätten in das neue Konzept aufzunehmen, die ihren Standort in Städten mit über 100.000 Einwohnern haben. Nach Angaben von Stop and Go liegt die Anzahl solcher Fillialen jedoch im einstelligen Bereich. Bei Stop and Go rechnet man dennoch damit, "dass im neuen Konzept alle Altfilialen ihren Platz finden", so Vertriebsleiter Michael Prause.

© sueddeutsche.de/jkf/jkr
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