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Werbung:Starke Frauen

Große Marken setzen auf Kundinnen als Zielgruppe. Weibliche Stars aus Show und Sport dienen Sportartiklern als Tippgeber für deren Kollektionen.

Von Uwe Ritzer

Nürnberg - Bei Puma ist es Rihanna, bei Reebok Victoria Beckham, bei Adidas neuerdings US-TV-Star Kylie Jenner und bei Nike seit vielen Jahren Tennis-Star Serena Williams. Viele bekannte, weibliche Stars aus Show und Sport verdienen sich bei den großen Sportartikelherstellern den ein oder anderen Dollar oder Euro hinzu. Immer öfter beschränken sie sich nicht darauf, nur die Ware des Ausrüsters weithin sichtbar mit dessen Logo zu tragen, sondern ihm Tipps für seine Kollektionen zu geben oder selbst Designvorschläge zu machen. Dass dies häufiger vorkommt ist kein Wunder, werden Frauen als Zielgruppe für die Branche doch immer wichtiger.

Nicht ohne Grund hat der Adidas-Konzern seine US-amerikanische Tochterfirma Reebok in den vergangenen Jahren ziemlich stringent auf fitnessaffine Frauen als Zielgruppe ausgerichtet und lange Zeit traditionell männliche Sparten, wie etwa das Geschäft mit Fußball, zurückgefahren oder aufgegeben. Auch Puma, nach Nike und Adidas die Nummer drei der Branche, verdankt sein eindrucksvolles Comeback nach schwierigen Jahren wesentlich dem Umstand, dass die Schuh- und Textilkollektionen mit dem Raubkatzenlogo vor allem bei Frauen gut ankommen.

Marktforscher der npd-Gruppe haben ausgerechnet, dass knapp die Hälfte der Sportartikelumsätze in Deutschland mit Frauen als Kundinnen erzielt werden. Im Performancebereich, wenn es also um Ausrüstung für Training und Wettkampf geht, dominieren nach wie vor Männer das Geschäft. Doch der Vorsprung schrumpft. So nimmt der Anteil etwa von vor allem jungen Frauen bei Laufwettbewerben Experten zufolge stetig zu. Und je mehr Themen wie Fitness, Gesundheit oder Mode ins Spiel kommen, ist der Anteil der weiblichen Kundschaft nicht selten heute schon größer. Unterm Strich seien Frauen als Kundinnen bereits für drei Viertel des Wachstums im Sporthandel verantwortlich, schrieb unlängst das Fachmagazin SAZ Sport.

Das Blatt sieht darin einen Trend. Es verwies auf das Modehaus Breuninger in Stuttgart, das bereits vor einem Jahr auf immerhin 230 Quadratmeter den ersten "Woman-Shop-im-Shop" mit Puma-Produkten einrichtete. Statt wie bisher die Abteilungen in den Geschäften nach sportlichen Disziplinen zu unterteilen, würden immer mehr Händler nach Geschlechtern trennen.

Dass Sport geschlechtsunabhängig zu den Megatrends gehört, von dem auch Hersteller und Händler global profitieren, ist allgemein bekannt. In Ländern mit steigendem Wohlstand und längerer Lebensdauer steigt auch der Wunsch nach Gesundheit und damit die Nachfrage nach Fitnessangeboten. Einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesverbands der Sportartikelindustrie vom Frühjahr zufolge geben private Haushalte hierzulande etwa 65 Milliarden Euro im Jahr für Sport aus. Das entspricht 2,2 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Leistung. Davon entfallen 56 Milliarden Euro auf Sport, den die Menschen selbst betreiben. Jeder vierte Euro fließt dabei in die Kategorie Outdoor, also Ausrüstung und andere Ausgaben für Bewegung im Freien. Radsport und Wandern sind hierin wiederum die umsatzstärksten Kategorien. Neun Milliarden Euro geben die Deutschen jährlich dazu noch aus, um als Fans bei Sportereignissen dabei zu sein.

© SZ vom 31.10.2018
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