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Werbung:Londons Bürgermeister verbannt sexualisierte Werbung aus Nahverkehr

Mind the gap

'Mind the gap' - Fahrgäste betreten die U-Bahn in der Station Westminster in London

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Der neue Bürgermeister der Stadt London hat Werbung, die ein "ungesundes oder unrealistisches Körperbild" vermittelt, aus Bussen und Bahnen verbannt.
  • Zuvor hatte es Proteste, Petitionen und zahlreiche Beschwerden wegen sexualisierter Werbung in Untergrundbahnen gegeben.

Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen. Erst recht nicht, wenn man Bürgermeister einer der größten Metropolen Europas ist und das Versprechen Teil der eigenen Wahlkampagne war.

Also hat Sadiq Khan, der neue Bürgermeister der Stadt London, knapp einen Monat nach Amtsantritt das erste seiner Wahlversprechen eingelöst: Er hat dafür gesorgt, dass Werbung, die ein "ungesundes oder unrealistisches Körperbild" vermittelt, verbannt wird. Und zwar aus den meisten öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt. Das Verbot gilt ab dem nächsten Monat.

"Niemand soll in der Bahn oder im Bus mit unrealistischen Erwartungen rund um den eigenen Körper unter Druck gesetzt werden", sagte Khan, der selbst Vater zweier Töchter im Teenager-Alter ist. Diese Art von Werbung könne Menschen - insbesondere Frauen - verletzen und sie dazu bringen, sich führ ihre eigenen Körper zu schämen. Allein im Jahr 2015 waren 378 Beschwerden wegen unten stehender Werbung eingegangen, die ein Model in Bikini zeigt, daneben eine Frage an den Betrachter: "Ist Dein Strandkörper schon bereit?"

Nicht alle Plakate werden verbannt

Die Werbeposter der Marke "The Protein World" wurden in zahlreichen Fällen verunstaltet, es wurde sogar eine Petition mit über 70 000 Unterschriften eingereicht, die sich für die Entfernung der Werbung stark machte - aber die Londoner Behörde für Werbestandards (ASA) hielt die Werbung weder für anstößig, noch für unverantwortlich.

Um solche Grenzfälle künftig zu vermeiden, hat Sadiq Khan das Londoner Transportnetzwerk TfL nun dazu angehalten, einen eigenen Werbe-Lenkungsausschuss einzusetzen, der dafür sorgt, dass derartige Werbung nicht mehr in oder an öffentlichen Verkehrsmitteln auftaucht. Der Werbe-Chef des Unternehmens, Graeme Craig, zeigte Verständnis für die Pläne des Bürgermeisters. "Unsere Kunden können nicht einfach umschalten oder eine Seite weiterblättern, wenn ihnen eine Werbung nicht gefällt. Wir haben deshalb die Pflicht, sicherzustellen, dass unsere Werbung auch die Realität wiederspiegelt", sagt er.

Durch die neuen Werbe-Richtlinien des Netzwerks werden nicht alle Plakate verbannt, die Menschen in Unterwäsche oder Badekleidung zeigen. Die Richtlinie bezieht sich nur auf Werbung, die in Verbindung mit der Umgebung oder einem Werbepruch negative Gefühle hervorrufen kann.

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