KonjunkturDeutsche Wirtschaft stagniert – schon wieder

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2024 soll es in Deutschland einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von gerade einmal 0,1 Prozent geben, so die OECD.
2024 soll es in Deutschland einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von gerade einmal 0,1 Prozent geben, so die OECD.
Christian Charisius/dpa

Sinkende Inflationsraten, höhere Reallöhne und mehr Handel stabilisieren die Weltwirtschaft. Nur ein Land hinkt nach Analyse der OECD weiter hinterher: Deutschland.

Von Claus Hulverscheidt, Berlin

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Wäre die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G 20) eine Schulklasse, dann müsste man wohl konstatieren, dass die Versetzung einer Schülerin besonders gefährdet ist: die der Bundesrepublik Deutschland. So jedenfalls liest sich das jüngste Zwischenzeugnis, das die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den G-20-Staaten an diesem Mittwoch ausgestellt hat. Betrachtet man die Prognosen zum Wirtschaftswachstum, dann zeigt sich nämlich: Nur in Japan und Argentinien sieht die Lage in diesem Jahr noch düsterer aus als in Deutschland. 2025 könnte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sogar Klassenletzte werden.

Konkret sagt die OECD der Bundesrepublik für 2024 einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von gerade einmal 0,1 Prozent voraus. Nach dem BIP-Rückgang im Vorjahr stagniert die Wirtschaft also erneut. Und selbst das könnte sich noch als zu optimistisch erweisen. Denn nach allem, was man hört, rechnen die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute für dieses Jahr sogar mit einem erneuten Minus vor der Null. Die Institute werden ihre Gemeinschaftsprognose an diesem Donnerstag vorlegen.

Für 2025 erwartet die OECD eine leichte Erholung und einen Anstieg der Wirtschaftsleistung in Deutschland um ein Prozent. Trotzdem wäre die Republik damit G-20-Schlusslicht, denn andernorts wird der Aufschwung nach Einschätzung der Ökonomen noch kräftiger ausfallen. Ganz vorn liegt Indien mit einem zu erwartenden BIP-Plus von 6,8 Prozent, die klassischen Industrieländer werden angeführt von Spanien und Südkorea mit jeweils 2,2 Prozent.

Stagniert die Wirtschaft, fehlt zusätzlicher Verteilungsspielraum

Nun ist es völlig normal, dass gerade Schwellenländer wie Indien, Indonesien, China oder auch die Türkei wirtschaftlich stärker wachsen als etwa Deutschland und Frankreich. Schließlich wollen und sollen diese Staaten den Abstand gegenüber den Ländern des alten Westens ja weiter verkürzen. Auch werden Kritiker einwenden, dass wirtschaftliches Wachstum allein kein ausreichender, ja manchmal sogar ein irreführender Wohlstandsindikator sei.

Fakt aber ist zugleich: In einer Volkswirtschaft, die nicht wächst, gibt es auch keine zusätzlichen Verteilungsspielräume etwa im Sozialbereich. Oder anders gesagt: Müssen etwa die Verteidigungsausgaben wegen der verschlechterten Sicherheitslage steigen, muss anderswo gespart werden. Das gegenwärtige Hickhack um den Bundeshaushalt 2025 bringt diese Misere nur allzu deutlich auf den Punkt.

In ihrer Analyse verweist die OECD darauf, dass die Zeit hoher Inflationsraten offenbar vorüber sei, die Reallöhne sich in vielen Ländern teils deutlich erhöht hätten und der Welthandel überraschend schnell wieder an Fahrt gewinne. Zudem hätten die großen Notenbanken damit begonnen, die Leitzinsen zu senken, was die Konjunktur zusätzlich stütze. Ausgerechnet die Handelsnation Deutschland jedoch profitiert von all dem vergleichsweise wenig. Grund sei die schlechte Stimmung im Land. Sie halte die Verbraucher von mehr Konsum und die Unternehmen von Investitionen ab, so die Ökonomen des Industrieländerclubs. Stattdessen gingen die Sparquoten in die Höhe. Auch auf dem Arbeitsmarkt sind die Folgen demnach zu spüren: Kamen Mitte 2022 in Deutschland rein rechnerisch noch 1,4 offene Stellen auf einen Arbeitssuchenden, so liegt die Quote jetzt nur noch bei 0,9.

Anerkennend erwähnen die OECD-Experten, dass Länder wie Brasilien, Indonesien, Deutschland und Japan zuletzt Schritte eingeleitet hätten, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Allerdings, so heißt es weiter: „Der jüngste Fortschritt beschränkt sich auf einige Bereiche, und es gibt andere wichtige Wirtschaftssektoren, die erheblich von weiteren Reformen profitieren würden.“

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