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Weltwirtschaft:IWF fordert "aggressive Geldpolitik" in Europa

Die Europäische Zentralbank muss ein größeres Risiko eingehen, mahnt der Internationale Währungsfonds. Denn der Ausblick für die Euro-Zone ist düster: Italien, Spanien und sogar Frankreich werden dem IWF zufolge in der Rezession steckenbleiben.

Europa könnte vom Rest der Weltwirtschaft abgehängt werden, befürchtet der Internationale Währungsfonds (IWF). Die Kombination aus Haushaltskürzungen, schlechten Exporten und geringer Zuversicht ließe den Kontinent sichtlich hinter den Rest zurückfallen. "Die größte Herausforderung bleibt Europa", zitiert die Agentur Bloomberg IWF-Ökonom Oliver Blanchard. "Europa sollte alles tun, um die Nachfrage zu stärken. Es braucht eine aggressive Geldpolitik und ein starkes Finanzsystem".

Insgesamt habe sich die Weltwirtschaft trotz langfristiger Krisen und neuer Turbulenzen aber deutlich stabilisiert, heißt es in dem Papier, das der IWF an diesem Dienstag veröffentlicht hat. Der Zusammenbruch der Eurozone sei zuletzt ebenso verhindert worden wie ein Fiasko in der US-Schuldenpolitik, urteilt die Finanzorganisation in ihrem neuen Weltwirtschaftsausblick.

Weltweit werde das Wachstum in diesem Jahr 3,3 Prozent zunehmen. Das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als der Fonds zuletzt errechnet hatte. Weil sich 2013 neben Italien und Spanien auch Frankreich in der Rezession befände, korrigierte der Fonds die Zahlen für die Eurozone leicht auf minus 0,3 Prozent. Deutschland könne hingegen könne weiter mit einem um 0,6 Prozent wachsenden Bruttoinlandsprodukt (BIP) rechnen.

Für das kommende Jahr hat der IWF bessere Aussichten. Die Weltwirtschaft wird der Prognose zufolge 2014 um 4,0 Prozent wachsen und damit so schnell wie seit 2011 nicht mehr. Besonders stark seien die Entwicklungsländer mit einem Wachstum von 5,7 Prozent sowie die USA mit 3,0 Prozent. Die Eurozone hingegen stehe mit einem Plus von 1,1 Prozent vergleichsweise schlecht da.

Zwar wachse die deutsche Konjunktur 2014 um etwa 1,5 Prozent und die französische um 0,9 Prozent, die externe Nachfrage sei aber nicht stark genug, um die schwache Binnennachfrage zu kompensieren, heißt es im Bericht.

Etwas zufriedener als noch zuletzt äußert sich der Währungsfonds über die USA. Das Risiko "selbstzerstörerischer Untätigkeit" im Kampf gegen einen Staatsbankrott erscheine mittlerweile gering.

Allerdings müssten die Amerikaner endlich beginnen, die Staatsverschuldung mit langfristigen Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Es sei "besorgniserregend", dass die US-Politiker auch nach drei Jahren langer Debatte keinen glaubwürdigen Plan für Sozial- und Steuerreformen aufgestellt hätten. Ein ähnliches Problem gebe es in Japan, wo die jüngste Lockerung der Geldpolitik die Wirtschaftslage nur kurzfristig verbessern werde, die Schuldenprobleme aber gewaltig sein.

© Süddeutsche.de/dpa/sana/mahu
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