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Gabriel Felbermayr:Ab in die Heimat

Gabriel Felbermayr

Gabriel Felbermayr: "Denken, was man will, ist der tollste Job der Welt"

(Foto: dpa)

Warum der Top-Ökonom Gabriel Felbermayr nach nur zwei Jahren als Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft aufhört und nach Österreich wechselt.

Von Alexander Hagelüken

An Elan mangelt es Gabriel Felbermayr nicht. Auf seiner ersten Professorenstelle an der Uni Hohenheim überforderte er manchen Kollegen. "Ich war 32 und ein Stück übermotiviert", sagte er einmal über diese Zeit. Dann schob er nach, die seien in Hohenheim aber auch verkrustet gewesen - und lachte. Kein Zweifel, das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat sich 2019 jemanden mit Power als Chef geholt. Das zahlte sich aus für die Kieler, die unter den Forschungsstätten zuvor an öffentlichem Rang verloren hatten. Jetzt aber zieht der Kraftspender weiter: Felbermayr übernimmt im Oktober das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in Wien.

Damit geht nach nur zwei Jahren einer, der mit 44 Jahren zu einem der Topökonomen in Deutschland avancierte. Felbermayr ist der Globalisierungsexperte unter den bekannten Volkswirten. Er rechnet vor, wie die Coronakrise den Welthandel bremst. Und wirft Wirtschaftsminister Peter Altmaier "Gerede" von nationaler Souveränität in der Produktion vor, das Exportweltmeister Deutschland schade: "Wir laufen in eine Deindustrialisierung!"

Als Präsident in Kiel erweiterte der langjährige Handelsexperte des Münchner Ifo-Instituts sein Repertoire. Als er die Coronakrise "Mutter aller Rezessionen" nannte, prägte er einen Begriff. Der Politik schlug er ein einfacheres Instrument als ihre teils stümperhaften Hilfen vor, um Firmen in der Pandemie zu stützen. In der wirtschaftspolitischen Debatte argumentiert er eher marktliberal, fordert Steuersenkungen für Firmen - und verteidigt die Schuldenbremse als "Populismusbremse".

Für die Kieler als eines der acht größeren ökonomischen Institute im Land war wichtig, bei diesen öffentlichen Debatten überhaupt wieder in den Vordergrund zu rücken. Felbermayr reduzierte den Rückstand auf Clemens Fuests Ifo-Institut oder Marcel Fratzschers Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), der sich unter seinem Vorgänger vergrößert hatte. Vor seinem Amtsantritt hatte Felbermayr diesen Rückstand nicht geleugnet, sondern 2018 im SZ-Interview gewohnt selbstbewusst erklärt: "Ich will neue Segel setzen". Sein Vorgänger Dennis Snower sei ein hervorragender Ökonom, habe aber weniger Spaß, mit Politikern nach Washington zu reisen oder mit Journalisten zu reden. "Ich werde das mehr tun".

Für das Kieler Institut ist sein Abgang ein Verlust

Warum verlässt einer wie Felbermayr nun die deutsche Bühne, um ins kleinere Österreich zu gehen? Zum einen kommt er daher. Geboren ist er in Steyr. Er arbeitete für McKinsey in Wien, bis er seinen geliebten Dienstwagen vom Typ Audi A4 am Heldenplatz abstellte und in die Forschung ging - "denken, was man will, ist der tollste Job der Welt", sagte er dazu. Sein jetziger Wechsel heim nach Österreich habe auch persönliche und familiäre Gründe.

Was die beruflichen Gründe angeht, ist das Wifo das bekannteste Forschungsinstitut des Landes, sein Leiter quasi Österreichs Ökonom Nummer eins. Der bisherige Chef des zweiten großen Instituts IHS wurde gerade Arbeitsminister in Wien. Felbermayrs Wechsel ermöglicht ihm vielleicht eine politische Karriere, falls er das will.

Für das Kieler Institut ist sein Abgang ein Verlust. Eine Neuberufung kann dauern. Es gibt andere gute Handelsökonomen wie Jens Südekum, aber insgesamt wenige profilierte - "und die sind meist noch Österreicher", sagte Felbermayr mal. Er erklärte das mit dem besonderen Interesse seiner Landsleute am Internationalen. Sie wurden immer wieder von der Welt isoliert, etwa nach dem Ersten Weltkrieg, als Wien keine Kohle mehr bekam. Das habe sich ihnen eingebrannt wie den Deutschen die Inflation.

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