Weltwirtschaft Der Untergang fällt aus

Die Euro-Zone steht vor einer Rezession, warnt die Weltbank. An ähnlich düsteren Prophezeiungen herrscht gerade kein Mangel. Ein paar Dinge stehen den Negativ-Szenarien allerdings entgegen.

Ein Kommentar von Hans-Jürgen Jakobs

Wirtschaft lebt von Wettbewerb, auch von der Konkurrenz der Ideen. Derzeit aber scheint es einen Wettbewerb um die düsterste Prophezeiung zu geben, um den Titel "Mrs. Doom" oder "Mr. Doom". Kurz vor Weihnachten legte Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), mit der Warnung vor, die Weltwirtschaft drohe in eine große Depression wie in den dreißiger Jahren abzurutschen.

Container am Containerterminal Altenwerder im Hafen in Hamburg abgefertigt.

(Foto: dpa)

Jetzt meldete sich der Autor einer Studie der Weltbank mit der Einschätzung zu Wort, die Euro-Zone stecke vermutlich schon in einer Rezession und die Weltkonjunktur habe eine gefährliche Phase erreicht - der Abschwung könne schlimmer ausfallen als in der Krise 2008/2009.

Von Washington aus betrachtet ist Europa in diesen Wochen eine ganz besondere Gefahrenzone, obwohl die wirtschaftlichen Daten dort grosso modo besser sind als in den USA selbst. Aber das aktuelle Dilemma ist auf dem alten Kontinent nun einmal besonders sichtbar: Staaten haben zu viele Schulden, Banken zu wenig Kapital, und die Rückkehr zur ökonomischen Vernunft kostet. Ob diese Zeit der Reinigung allerdings tatsächlich den globalen Abstieg befeuern wird, ist längst nicht ausgemacht. Es sei denn, man ist Untergangs-Fanatiker in der amerikanischen Hauptstadt.

Ein paar Dinge stehen den Negativ-Szenarien entgegen. Da sind, trotz aller Probleme, die weiterhin grandiosen Wachstumsaussichten in China und anderen Schwellenländern. Da ist die Stärke der Unternehmen, vor allem auch in Deutschland, die solche Chancen für den Export nutzen. Und da ist die Kraft, die aus gelungenen Reformen in Europa folgen könnte. Für den ganz großen Katastrophen-Alarm ist es zu früh.