WeltmarktGar nicht Bohne

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Soja-Pflanze in Brasilien, dem zweitgrößten Sojaexporteur der Welt.
Soja-Pflanze in Brasilien, dem zweitgrößten Sojaexporteur der Welt. JUAN MABROMATA/AFP

Wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China den Markt für Sojabohnen komplett verändert.

Von Victor Gojdka, München

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Eigentlich wollten sich die US-Sojabauern im vergangenen Jahr ihrer selbst versichern, als sie auf die Farm Progress Show gekommen waren, eine der wichtigen Agrarmessen. Über neue Mähdrescher wollten sie diskutieren und über die Zollpolitik von Donald Trump. An jenem Montag jedoch zog ein Sturm über die Ebene, die Farmer strömten schnell zu ihren Autos, die schon zentimetertief im Matsch standen. Man könnte sagen, das Wetter auf der Farmermesse spiegelte die Situation vieler Sojabauern in den Staaten: Sie stecken ziemlich tief im Dreck.

Seitdem US-Präsident Trump den Handelsstreit mit den Chinesen entfacht hat, schauen an den Finanzmärkten Banker und Börsianer gebannt auf einen Rohstoff, der lange ein Außenseiterdasein fristete: die Sojabohne. Seit Peking im vergangenen Juli Sonderzölle von 25 Prozent auf US-Soja erlassen hat, schüttelt es den Markt durch. "Die Zölle haben alles verändert", sagt Sojaexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Am Beispiel der Sojabohne lässt sich im Kleinen sehen, wie der Handelsstreit Lieferketten zerschneidet, Warenströme umlenkt. Doch Experten meinen, selbst im Falle eines Deals könnte der Markt bleibende Schäden erleiden - auf Jahrzehnte.

Wenn seit dem vergangenen Jahr über Sojabohnen gesprochen wird, dann oft in einer Mischung aus Amüsement und Augenzwinkern. Doch nichts könnte unpassender sein, als sich über die Sojabohnen lustig zu machen. Das Agrargut ist das größte landwirtschaftliche Exporterzeugnis der US-Farmer, die Chinesen der weltweit größte Importeur. Die Gegenzölle trafen die US-Landwirte daher an einer empfindlichen Stelle, denn die Chinesen kauften ihr Soja fortan in anderen Ländern, vor allem in Brasilien. Während die Chinesen vor dem Handelsstreit zwischen September und Mitte Dezember 2017 noch 18 Millionen Tonnen bei den US-Amerikanern orderten, waren es Ende 2018 kaum mehr 340 000 Tonnen. Sojabroker an den Hafenterminals stoppten ihre Bestellungen, Güterzüge voll Soja fuhren wieder zurück ins Landesinnere. Farmer in Südlouisiana konnten mehr als die Hälfte ihrer Ernte nicht vermarkten, viel verrottete auf den Feldern.

Die Rettung für viele US-Landwirte brachten - neben Sonderzahlungen der US-Administration - ausgerechnet die Europäer, denn viele europäische Importeure griffen nun zum Soja aus den Staaten. Brasilianisches Soja hatte sich aufgrund der zusätzlichen Nachfrage aus China verteuert, während die Notierungen für US-Sorten in den Keller rauschten. "Im Grunde war das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Sojaexperte Fritsch.

Seitdem ist die Sojabohne nicht nur zum Symbol des Handelsstreits geworden, sondern auch zum Pulsmesser der Gespräche zwischen Washington und Peking: "Investoren sollten diesen Markt genau analysieren, um den Stand der Verhandlungen zwischen USA und China ablesen zu können", schrieben unlängst die Strategen der Citibank.

Erst vor einer Woche hieß es, die chinesischen Staatsunternehmen Cofco und Sinograin könnten zehn Millionen Tonnen US-Soja importieren. Doch wie weit es mit dieser Ankündigung ist, muss sich erst zeigen: Zwar haben chinesische Sojahändler Preisangebote für US-Soja eingeholt, jedoch noch keine Ware gekauft, meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg. "Vor einem endgültigen Handelsdeal dürfte es auch kaum dazu kommen", sagt Commerzbanker Fritsch. Selbst wenn Amerikaner und Chinesen einen Deal aushandeln sollten, bleiben viele Experten skeptisch, ob sich der Sojamarkt jemals wieder erholt. So sind in China die Proteinwerte für Tierfutter gesenkt worden, was die Nachfrage nach Soja dauerhaft belasten dürfte. Außerdem könnten die Chinesen bald schon in Brasilien investieren und den Landwirten helfen, ihre Produktion zu steigern. Die größte Hilfe könnten sich die US-Landwirte am Ende selbst erweisen: Wenn sie statt Soja in der kommenden Saison einfach Mais pflanzen.

© SZ vom 04.03.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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