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Welthandel:Volle Fahrt voraus

Containerschiff 'Guayaquil Express' in Hamburg

Ein Hapag-Lloyd-Containerschiff im Hamburger Hafen: Das Unternehmen hofft auf eine rasche Erholung des Welthandels.

(Foto: Christina Sabrowsky/dpa)

Der Schifffahrtskonzern Hapag-Lloyd geht weiterhin von einem hohen Gewinn aus - Anlegern gefällt das.

Deutschlands größte Containerlinie, Hapag-Lloyd, stellt die Gewinnprognose wegen der Auswirkungen der Corona-Krise auf den Welthandel unter Vorbehalt. Der Konzern wiederholte zwar die für den Betriebsgewinn unlängst in Aussicht gestellte Spanne von einer halben und einer Milliarde Euro. Vergangenes Jahr belief sich der Betriebsgewinn auf 811 Millionen Euro. Rolf Habben Jansen, der seit Juli 2014 Vorstandsvorsitzender von Hapag-Lloyd ist, wies bei der Präsentation der Quartalszahlen am Freitag aber auf Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Corona-Krise hin. Dem Aktienkurs des Unternehmens hat das jedenfalls nicht geschadet, der Kurs stieg am Freitag zeitweise um bis zu acht Prozent und knüpft damit an den positiven Trend seit Mitte April an. Seitdem ist der Kurs ausgehend von 75 Euro um 140 Prozent gestiegen.

Voraussetzung für das Erreichen des angepeilten Betriebsgewinns sei, dass die Pandemie im zweiten Quartal ihren Höhepunkt durchschreite und sich die Weltwirtschaft danach wieder erhole. Sollte sich die Nachfrage nach Transportleistungen nicht früher und stärker als in Marktstudien erwartet erholen, sei ein Ergebnis am oberen Ende der Spanne kaum zu erreichen.

Derzeit geht die weltweit fünftgrößte Containerreederei davon aus, dass sich das Transportvolumen nach einem Tiefpunkt im laufenden Quartal schrittweise erholt. Der Konzern verfüge über ausreichend Liquidität, um die Krise zu überstehen, sagte Habben Jansen der Nachrichtenagentur Reuters. Die sonst übliche Größenordnung von 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro habe die Reederei um einige hundert Millionen aufgestockt. "Damit sind wir gut aufgestellt für die nächsten zwölf bis 18 Monate." In seine Prognose bezog das Management auch die bereits angekündigten Einsparungen ein. Hapag-Lloyd will die Kosten um einen Betrag im mittleren dreistelligen Millionenbereich senken.

Der Schifffahrtskonzern hatte bereits erklärt, er verfüge über eine gesunde Kapitalbasis und könne schnell reagieren, wenn sich die Nachfrage erholt. Im ersten Quartal konnte das Unternehmen den Umsatz im Jahresvergleich um sechs Prozent steigern und damit einen Umsatz von gut 3,3 Milliarden Euro erreichen.

"Trotz der Coronavirus-Pandemie sind wir gut in das Jahr gestartet", sagte Habben Jansen. "Durch höhere Transportmengen und bessere Frachtraten haben wir unsere Umsätze gesteigert." Doch das operative Ergebnis fiel im Auftaktquartal um ein Viertel auf 160 Millionen Euro. Der Gewinn sei gesunken, weil höhere Treibstoffpreise durch die schärferen Umweltvorgaben die Bilanz belasteten. Außerdem hätten negative Bewertungseffekte für Bunkerbestände durch den Preisverfall beim Rohöl zu Buche geschlagen. Der Reingewinn brach um 74 Prozent auf 25 Millionen Euro ein.

© SZ vom 16.05.2020 / dpa, reuters

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