Es ist gerade einmal gut einen Monat her, als Weltbild gerettet werden sollte. Die Muttergesellschaft WB D2C Group hatte da einen Insolvenzantrag für den Online- und Kataloghändler gestellt. Dieser erste Versuch war vergeblich: „Bereits fortgeschrittene Verhandlungen“ zwischen dem Düsseldorfer Gesellschafter Droege Group und verschiedenen Banken seien in der vergangenen Woche „unerwartet gescheitert“. Das teilt die Gruppe mit.
Droege sollte auch den weiteren Tochtergesellschaften Geld zur Verfügung stellen, um die Geschäfte zu stabilisieren und weiterführen zu können. Wegen der fehlenden Liquidität seien andere Gesellschaften der Gruppe in Zahlungsunfähigkeit geraten und hätten einen Antrag auf Insolvenz gestellt.
Nach Weltbild-Angaben sind die Firma Kinderwelt Tausendkind, der Rucksackhersteller Fitz & Huxley, das moderne Antiquariat Jokers, D2C digital, D2C logistics sowie Buecher.de und die hauseigene E-Commerce-Plattform W24 eTrading von der Zahlungsunfähigkeit betroffen. „Anträge für weitere Tochtergesellschaften in der Gruppe werden aktuell geprüft“, so heißt es in der Pressemitteilung. Darüber hinaus haben Gärtner Pötschke und der Buchhändler Avus Insolvenzantrag gestellt, die ebenfalls zur Gruppe gehören. Über die neuerlichen Insolvenzen hatte zuvor die Wirtschaftswoche berichtet.
Am Tage des Insolvenzantrags hatte sich die Gruppe mit etwa 2000 Mitarbeitern noch Unterstützung von dem Investor Droege erwartet. Dieser hatte den früheren Großbuchhändler Weltbild nach der ersten Insolvenz 2014 übernommen. „Für unseren Kurs haben wir auch die wichtige finanzielle Rückendeckung unseres Gesellschafters, der Droege Group, erhalten“, hatte Finanzchef Sami Sagur am 10. Juni betont. Von Droege selbst ist zu der Kehrtwende keine Stellungnahme zu bekommen. Vom vorläufigen Insolvenzverwalter Christian Plail ist zu hören, dass er nun auch Verkaufsoptionen prüft.
Für Betriebsratschef Timm Boßmann ist aber klar: „Droege hat sich zurückgezogen, nun stellt sich die Frage, ob Weltbild einen neuen Investor von außen bekommt“, sagt er. Und weiter: „Die Leute sind stinksauer, die Gruppe hat auf unsere Kosten ein Imperium aus Pleitebuden aufgebaut. Jetzt lässt uns Droege fallen wie eine heiße Kartoffel.“ Boßmann geht davon aus, dass die Weltbild-Geschäfte noch bis Ende August aufrechterhalten werden können. Bis dahin gebe es für die rund 500 Mitarbeiter Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur.
„Die Beziehungen unter den Töchtern waren hochgradig verwoben.“
Wie die Geschäfte weiterlaufen, hänge dann von der Investorensuche ab. Boßmann erwartet, dass am 1. September das Insolvenzverfahren eröffnet werde. Dann gebe es entweder einen neuen Investor, eine Finanzzusage von Gesellschafter Droege, oder es werde auf eine Betriebsstilllegung hinauslaufen. Die Gruppe befindet sich in einer wichtigen Phase des Jahres, da bald die Ware für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft geordert werden muss.
Der Betriebsrat hatte kritisiert, dass sich die Gruppe mit der Übernahme angeschlagener Unternehmen aus verschiedenen Branchen übernommen habe. Letztlich hätten auch die Weltbild-Mitarbeiter für diese Firmen gearbeitet. „Die Beziehungen unter den Töchtern waren hochgradig verwoben, es sind Rechnungen über einen zweistelligen Millionenbetrag offen“, sagt Boßmann.
Darüber hinaus habe es auch Bankbürgschaften unter den Mitgliedern der Gruppe gegeben und eine besonders schwierige Situation sei dadurch entstanden. Sein Fazit: „Die ganze Gruppe hat eine außerordentliche Geldnot, es ist alles weg. Im Endeffekt bricht jetzt alles nach und nach ein, so ist mein Eindruck.“ Im Moment seien für den Betriebsrat keine Handlungsoptionen da, sie würden nun die Entwicklung abwarten. Für die Weltbildkunden soll sich vorerst nichts ändern: Der „Geschäftsbetrieb läuft normal weiter“, heißt es auf der Internetseite.

