Einzelhandel:Weltbild stellt Insolvenzantrag – mal wieder

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Logo von Weltbild am Hauptsitz des Versandhändlers in Augsburg. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Zehn Jahre nach der Pleite des damaligen Großbuchhändlers ist das Augsburger Unternehmen zum Gemischtwarenhändler geworden. Die deutsche Tochter ist nun erneut unter Druck geraten.

Von Dieter Sürig

Es mutet an wie ein Déjà-vu: Rund zehn Jahre nach der ersten Insolvenz sind zumindest Teile des Augsburger Unternehmens Weltbild wieder pleite. Nach Angaben des Unternehmens hat die E-Commerce-Beteiligungsgesellschaft WB D2C Group am Montag beim Amtsgericht Augsburg einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sei der Online- und Kataloghändler Weltbild GmbH & Co. KG. Diese deutsche Tochter mache etwa 20 Prozent der gesamten Gruppe aus. Zunächst hatte die Wirtschaftswoche darüber berichtet.

Ziel des Verfahrens sei eine „grundlegende Sanierung des Unternehmens“. Für Weltbild-Kunden ändere sich nichts, das Geschäft werde fortgesetzt. Nach Weltbild-Angaben hat das Gericht Christian Plail zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Er gehört zur Ulmer Kanzlei Schneider Geiwitz & Partner, die schon 2010 mit der damaligen Weltbild-Insolvenz befasst war.

Damit enden allerdings die auffälligsten Parallelen beider Insolvenzfälle. Weltbild hat sich nach zehn Jahren in ein komplett anderes Unternehmen verwandelt. Bis zur ersten Insolvenz hatte die Gruppe mal bis zu rund 6500 Mitarbeiter beschäftigt und zeitweise mehr als 400 Buchhandlungen betrieben. Der Niedergang hatte im Grunde genommen damit begonnen, als sich die Katholische Kirche 2011 von ihrem Unternehmen trennen wollte. Von einem Verkauf oder einer Stiftung war die Rede, nach der Insolvenz 2014 übernahm schließlich der Düsseldorfer Investor Droege die Gruppe.

Es folgten Filialverkäufe in großem Stil und dann noch die Insolvenz der Logistiksparte von Weltbild. Vielen dürfte die Episode in Erinnerung geblieben sein, als der unbekannte westfälische Kaufmann Rüdiger Wenk 2015 fast 70 Weltbildfilialen retten und unter dem Namen Lesensart weiter betreiben wollte, aber schon ein halbes Jahr später aufgeben musste. Die Zahl der Filialen schrumpfte in Deutschland auf zuletzt 14, rund 20 betreibt Weltbild noch in der Schweiz, die Tochter ist aber von der Insolvenz nicht betroffen. Gut möglich, dass die letzten deutschen Filialen nun ebenfalls schließen. „Eine Fokussierung auf das kundenzentrierte Online-Geschäft“ sei einer der künftigen Eckpfeiler, so lässt sich Stefanie Penck zitieren, neue alleinige Geschäftsführerin der Weltbild GmbH & Co. KG.

Nach Angaben eines Weltbild-Sprechers wird sich der Insolvenzverwalter nicht nur die verbliebenen Läden in Deutschland genau anschauen, neben IT und Kostenstrukturen soll auch das Kataloggeschäft zur Bestandsaufnahme gehören. Erst dann sei eine seriöse Aussage darüber möglich, welche Auswirkungen die Insolvenz haben werde. Dies gilt auch für die Mitarbeiter. Dabei soll es sich um etwa 350 Beschäftigte handeln, diese Zahl wird aber nicht bestätigt. Der Insolvenzverwalter könne aber zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen, dass sich die neuerliche Weltbildpleite auf andere Bereiche der Gruppe ausweiten könnte.

Die Gruppe erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 600 Millionen Euro

Um den Buchhändler Weltbild war es in den vergangenen Jahren eher ruhiger geworden. Er entwickelte sich vor allem im Internet – zu einem Gemischtwarenladen. Nach und nach kaufte die Gruppe bekannte Namen auf, die teils selbst in Schieflage geraten waren: Unter anderem Gärtner Pötschke, den Gesundheitsbedarf Orbisana, die Schmuckfirma Paul Valentine oder zuletzt den Heimwerkerlieferanten Westfalia. Ganz verabschiedete sich Weltbild aber nicht vom Buchhandel und übernahm den Bildbandverlag teNeues. All diese Marken und Beteiligungen sollen nach eigenen Angaben 80 Prozent des Jahresumsatzes von rund 600 Millionen Euro ausmachen und mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigen.

Die WB D2C Group begründet die finanziellen Probleme mit dem Einfluss weltweiter Krisen, insbesondere in der Ukraine und Israel. Dadurch würden Lieferketten gestört und Kosten immens wachsen. Hinzu kämen neue „aggressive“ Anbieter aus Asien, welche die angespannte Wettbewerbssituation weiter verschärften. Die Weltbildchefs Christian Sailer und Bjoern Minnier verlassen die Geschäftsführung der WB D2C Group, es folgen Christoph Honnefelder und Sami Sagur.

Mögliche Folgen der Insolvenz auf die Besitzverhältnisse sind derzeit nicht absehbar. „Für unseren Kurs haben wir auch die wichtige finanzielle Rückendeckung unseres Gesellschafters, der Droege Group, erhalten“, so der neue Finanzchef Sagur.

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