Weltbank:Viele Probleme

Umstrittene Umsiedlungsprojekte: Ehemalige Mitarbeiter glauben nicht, dass die Weltbank die systematischen Fehler ausmerzen wird.

Von Sasha Chavkin und Katrin Langhans, Washington

Es gab Zwangsumsiedlungen, es gab Vergewaltigungen, es gab Morde. Vor allem aber gibt es: wenig Hoffnung, dass sich etwas ändert für die ärmsten Menschen der Welt, die in der Folge von Weltbankprojekten ihr Land und teilweise ihre Lebensgrundlage verloren haben. Das Internationale Konsortium für Journalisten (ICIJ), zu dem in Deutschland NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung gehören, hat ehemalige Weltbankmitarbeiter befragt. Sie glauben nicht, dass die Bank ihre systematischen Fehler ausmerzen wird.

Im März hatte das ICIJ die Weltbank, die zu den größten Entwicklungsbanken weltweit zählt, damit konfrontiert, dass etwa 3,4 Millionen Menschen in den vergangenen zehn Jahren in Folge der Projekte ihr Land oder teilweise ihre Lebensgrundlage verloren haben. Tausende Menschen wurden gewaltsam vertrieben, damit Staudämme oder Straßen gebaut werden konnten. Auch mit Geld aus Deutschland, das als viertgrößtes Geberland die Bank zuletzt 2014 mit 1,6 Milliarden Euro unterstützt hat. Fünf Tage später gestand Weltbankpräsident Jim Yong Kim "schwere Fehler" bei der Überwachung der Umsiedlungsprozesse ein. Man wolle es "besser machen". Dazu sollen die Projekte künftig strenger überwacht werden. Diesen Plan sieht Paul Cadario, ein ehemaliger Manager, der fast vier Jahrzehnte lang für die Weltbank gearbeitet hat, sehr kritisch: Er führe keine konkreten Ursachen auf. Cadario bezweifelt, dass das Management ihn umsetzen werde. Anis Dani, der 2010 die Schutzmaßnahmen untersuchte, sagt, oft habe "das Büro des Präsidenten sehr wenig Einfluss" darauf, welche Agenda verfolgt werde. Michael Cernea, ein ehemaliger Manager, der die Umsiedlungspolitik der Bank jahrelang überwacht hat, sagte der BBC, der Plan sei "unzureichend, um die systematischen Fehler zu beheben". Was drin stand? Die Weltbank kündigte an, sie wolle das Budget für Schutzmaßnahmen um 15 Prozent aufstocken. Bis heute verschweigt sie aber, wie hoch die Ausgangssumme ist. Die Bank verwies auch auf die Schutzmaßnahmen, die sie überarbeitet. Sie greifen im derzeitigen Entwurf aber nur bei der Hälfte der Projekte. Bei der Projektgenehmigung ist nicht einmal ein Umsiedlungsplan verpflichtend. Ohne Plan "sind diese Leute dazu verurteilt, ohne ein Budget umgesiedelt zu werden", sagt Cernea. Wie soll das funktionieren?

Auf die Frage, ob man vorhabe alle Betroffenen zu entschädigen, verweist die Bank auf ein früheres Statement. Darin steht nichts von einer Wiedergutmachung.

© SZ vom 29.05.2015
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