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Wella:Waschen, legen, kaufen

Hair Of The Dog

Kunden schätzen den besonderen Service - und zahlen dafür. Das Friseurgeschäft ist für die Produktlieferanten sehr lukrativ, aber nicht immer einfach.

(Foto: Paul Fievez/Getty)

Der Henkel-Konzern hat Interesse an einer Übernahme des Haarspezialisten Wella. Henkel könnte damit zu einer neuen Größe im Friseurgeschäft aufsteigen.

Wenn Henkel-Chef Kasper Rorsted über Shampoos spricht, dann klingt das gelegentlich, als ginge es um Hightech. Je nach Weltregion sei die Beschaffenheit von Haaren höchst unterschiedlich, pflegt er auszuführen. Asiatisches Haar etwa benötige ganz andere Pflege als europäisches. Und für Burkaträgerinnen ließ er jüngst ein ganz spezielles Shampoo entwickeln - Hitze und ständige Kopfbedeckung setzen dem Haar besonders zu.

In nächster Zeit könnte Rorsted noch öfter Gelegenheit bekommen, über Haarpflege zu reden. Der Konsumgüterkonzern (Schwarzkopf, Persil und Pritt) zeige Interesse am Haarspezialisten Wella, verlautet aus informierten Kreisen. Zurzeit arbeite Henkel zusammen mit Investmentbanken an einem entsprechenden Angebot für das Unternehmen, das heute dem US-Konzern Procter & Gamble (Ariel, Pampers) gehört.

Die Unternehmen wollten sich dazu am Donnerstag nicht äußern. Dass Henkel sich bedeckt hält, hat gute Gründe. Zum einen stehen die Vorbereitungen noch ganz am Anfang. Nächste Woche läuft nach Informationen von Reuters die Frist für die erste Bieterrunde ab. Bis eine Entscheidung über den Verkauf fällt, können also noch Monate vergehen. Zum anderen erwarten Branchenkenner, dass es viele weitere Interessenten für Wella gibt - Finanzinvestoren, aber auch Konkurrenten. So habe etwa auch ein japanisches Unternehmen Interesse signalisiert.

Doch für Rorsted ist die Verlockung groß. Vor allem Wellas Friseurgeschäft würde zusammen mit der Marke Schwarzkopf in ganz neue Dimensionen wachsen. Auf einen Schlag könnte Henkel im Geschäft mit den Salons in Westeuropa zum Marktführer aufsteigen und damit L'Oréal überholen.

Wer mit den Friseuren gut im Geschäft ist, hat in dem Business viele Vorteile. Denn die Coiffeure wechseln ihre Vertragspartner nicht gern, allzu leicht könnten sie ihre Kunden verprellen. Das wichtigste Produkt für einen Friseur sind Colorationen - und die fallen bei jedem Anbieter ein wenig anders aus. Wer von Wella zu L'Oréal oder Schwarzkopf wechselt, spielt also mit der Zufriedenheit seiner Kunden.

Hinzu kommt, dass die Gewinnspannen für die Hersteller im Friseurgeschäft deutlich höher sind als beim Verkauf von Shampoos im Supermarkt. Während 100 Milliliter im Geschäft schon für 80 Cent zu haben sind, kostet dieselbe Menge im Salon leicht um die sechs Euro. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Vertriebsaufwand im Friseurgeschäft höher ist und die Produkte teurere Inhaltsstoffe haben. So konzentrierte sich auch P&G vor allem auf dieses Geschäft. Im deutschen Einzelhandel hingegen sei Wella kaum noch mit eigenen Produkten vertreten, die P&G-Marken Vidal Sassoon oder Head + Shoulders liefen den Wella-Shampoos den Rang ab.

Attraktiv ist Wella für Henkel aber auch wegen seiner starken Präsenz in Asien. Der wichtigste Markt ist dort Japan, wo die P&G-Tochter stark vertreten ist. In Schwellenländern wie China oder Indien steckt das Friseurgeschäft hingegen noch in den Anfängen. Die Unterschiede sind gewaltig: Friseure in Hongkong machen fast so viel Umsatz wie in ganz China. Branchenschätzungen zufolge wird der Friseurmarkt in Europa jährlich noch um rund ein bis zwei Prozent wachsen, in Asien aber um sechs bis sieben Prozent.

Der Düsseldorfer Konzern hat viel Geld auf der hohen Kante

Schon länger hält Rorsted Ausschau nach Kaufgelegenheiten. Bisher griff er meist bei kleineren Unternehmen zu, obwohl er sich vorgenommen hat, den Konzernumsatz von zurzeit 16,4 Milliarden auf 20 Milliarden Euro im Jahr 2016 zu steigern. Mit der Übernahme von Wella käme er diesem Ziel schnell näher. 4,5 Milliarden Euro könnte der börsennotierte Familienkonzern für die Übernahme ausgeben, ohne seine Top-Bonitätsnote zu gefährden. Diese Summe liegt allerdings deutlich unter den 6,5 Milliarden Euro, die P&G vor gut zehn Jahren für Wella bezahlte, als die deutsche Eigentümerfamilie Ströher sich von dem Unternehmen trennen wollte. Längst haben Analysten errechnet, wie sich Wella auf den Gewinn der Düsseldorfer auswirken könnte. Die Schätzungen reichen bis zu einem Plus von 15 Prozent.

Für P&G ist der Verkauf von Wella indes nur ein kleiner Teil einer groß angelegten Aufräumaktion. Insgesamt 100 Marken sollen verkauft werden, nur die 70 bis 80 stärksten übrig bleiben. Die Amerikaner trennten sich bereits von Duracell und haben auch an ihrem Kosmetik-Geschäft mit Drogeriemarken wie Cover Girl oder Max Factor, aber auch an dem Duftstoffgeschäft kein Interesse mehr. Hier werden Revlon und der Parfümhersteller Coty als Interessenten gehandelt. Das Unternehmen, das für Modemarken wie Calvin Klein oder Marc Jacobs Düfte herstellt, hat seine Wurzeln in Mannheim. Es gehört zum Großteil der Milliardärsfamilie Reimann, eine der verschwiegensten im Land. Zwar gelten auch die Henkels nicht als übermäßig mitteilsam, doch eines ließ Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah jüngst durchblicken: "Im Bereich Haar sind wir beispielsweise mit Pflege, Styling und Colorationen führend. Das ist etwas, das wir weiter ausbauen möchten."