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Wein: Bordeaux:"Phantastisch", "wunderbar", "perfekt"

Die vergangenen Jahre liefen schlecht für Frankreichs Winzer. Der Bordeaux geriet in Verruf. Nun setzen alle auf den neuen Jahrgang - auch die Betrüger.

Ein Bordeaux kann eine echte Geldanlage sein. Je länger ein Grand Cru, ein Wein der gehobenen Klasse, lagert, desto besser kann er werden und umso höher steigt sein Preis. Und weil nach Expertenmeinung das Wetter im vergangenen Jahr den Jahrgang 2009 besonders gut hat ausfallen lassen, strömten in der vergangenen Woche Händler und Kommissionäre so zahlreich wie nie ins Bordelais.

Wein, Bordeaux, Foto: Reuters

Immer im Frühjahr wird es spannend: Wie sind sie geworden, die Produkte aus den Weinbergen rund um Bordeaux? Fachleute reisen an und verkosten die jungen Weine. In diesem Jahr sind sich alle einig: Der 2009er wird ein "Jahrhundertwein".

(Foto: Foto: Reuters)

Es war die Woche der Verköstigung der "primeurs", junger Weine, deren Gärung noch nicht abgeschlossen ist. Das Spektakel gibt es nur in Bordeaux, denn nur hier haben sich die Grands Crus zu einer Geldanlage entwickelt. Es ist ein riskantes Geschäft für die Käufer. Denn sie erwerben in diesen Wochen eine Ware, die sie erst Ende 2011 erhalten und deren Qualität sie im Moment nur antizipieren können.

Es ist ein Spekulationsgeschäft, eine Wette wie mit Futures. Sie basiert im Wesentlichen darauf, den Geschmacksknospen der eigenen Zunge zu vertrauen. Gut insofern, dass es Robert Parker gibt. Es ist ausgerechnet jener Amerikaner, der zur Institution und zum einflussreichsten Weinkritiker der Welt geworden ist.

"Einer der besten Jahrgänge"

Anfangs mokierten sich viele Franzosen, dass ein "Yankee" sich zum Richter über ihr Nationalgetränk aufwerfe. Aber das liegt mehr als 30 Jahre zurück. Inzwischen ist Parker Mitglied der Ehrenlegion und sein Urteil gefürchteter denn je. Er legt zwar keine Preise fest, entscheidet aber über deren Steigen oder Fallen.

Auch diesmal reiste der 62-Jährige wieder zwei Wochen von Château zu Domaine und nippte an etlichen Gläsern. Und Ende vergangener Woche sprach er dann bedeutungsvoll: "Es ist einer der besten Jahrgänge, die ich in meiner Karriere gekostet habe."

Italien löste Frankreich ab

Seitdem ist die Weinwelt in Frankreich wieder in Ordnung. Händler und Kommissionäre atmeten auf. Die Winzer vergaßen für einen Augenblick all die Jahre der Rückschläge und des Wehklagens.

Seit die Spekulationsblase um die Grands Crus aus dem Jahr 2005 platzte, purzelten die Preise. Schon damals wurde ein Jahrhundertjahrgang ausgerufen. 2007 löste dann Italien die stolze Weintrinker- und -exportnation Frankreich als Spitzenreiter ab. Und 2009 wurde zum wahren annus horribili.

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