bedeckt München 17°

Wegen technischer Probleme:Toyota ruft mehr als sieben Millionen Autos zurück

Brandgefahr wegen eines Defekts bei elektrischen Fensterhebern: Der japanische Autohersteller muss weltweit 7,4 Millionen Wagen der wichtigsten Modelle zurückrufen. In Deutschland sind 136.000 Fahrzeuge der Typen Yaris, Auris und RAV4 betroffen. Die Rückrufaktion kommt für Toyota zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Der japanische Autobauer Toyota ruft weltweit 7,4 Millionen Autos zurück. Grund dafür seien Probleme mit den elektrischen Fensterhebern, teilte das Unternehmen mit. Betroffen seien Autos der Modelle RAV4, Yaris, Auris und Corolla, da bei ihnen Brandgefahr durch einen elektrischen Fensterheber bestehe.

Von der Rückrufaktion seien in Europa 1,4 Millionen Fahrzeuge, in den USA 2,4 Millionen und in China 1,4 Milionen Fahrzeuge betroffen, teilte Toyota weiter mit.

Laut Toyota Deutschland müssen hierzulande etwa 136.000 Fahrzeuge der Typen Yaris, Auris und RAV4 in die Werkstätten. Betroffen seien Fahrzeuge aus den Baujahren 09/2006 bis 12/2008. Die Halter sollen demnach schriftlich darüber informiert werden, sich mit ihrem Händler in Verbindung zu setzen. "Betroffene Bauteile werden überprüft und, falls notwendig, für den Kunden kostenfrei getauscht. Dieser Vorgang dauert maximal eine Stunde."

Die Herstellung des Toyota Corolla in einer Fabrik in Nordjapan. Von der aktuellen Rückrufaktion ist auch der beliebte Kompaktklasse-Wagen betroffen.

(Foto: AFP)

Bisher seien zwar weder Unfälle oder Verletzungen im Zusammenhang mit dem Fensterheberschalter bekannt, erklärte Toyota USA. Aber es seien mehr als 200 Schäden in den Vereinigten Staaten gemeldet worden.

Toyota Deutschland erklärte, dass es durch eine nicht ordnungsgemäße Dosierung von Schmiermittel zu einem Verschleiß der Fensterheberschalter kommen könnte. Die Schalter funktionierten dann nur noch schwergängig oder in Einzelfällen auch gar nicht mehr. Im schlimmsten Fall könne in der Elektrik Feuer entstehen.

Mehrere Rückrufaktionen in den letzten Jahren

Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren weltweit schon mehrere Millionen Fahrzeuge wegen technischer Probleme und Sicherheitsmängeln zurückrufen müssen. "Toyota ist ein Autobauer, der von Rückrufen gebeutelt ist", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor am Lehrstuhl für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft der Uni Duisburg-Essen.

Gut sei allerdings, dass nun frühzeitig darauf aufmerksam gemacht werde, meint der Autoexperte. "In der Vergangenheit hat man versucht, solche Dinge zu vertuschen."

Erst Anfang August musste Toyota bei weltweit 1,5 Millionen Fahrzeugen die Spurstangen an der Hinterachse überprüfen. In Deutschland waren davon 70.000 Autos der Modelle RAV4, Avensis T27 und Auris D-CAT betroffen.

2010 hatte der Konzern bei seinem bisher schwersten Fall mehr als acht Millionen Autos wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten in die Werkstätten zurückgerufen. Hinzu kamen 1,5 Millionen Wagen, bei denen die Bremsen wegen austretender Bremsflüssigkeiten versagen konnten.

In Zukunft müsse man mit größeren Rückrufzahlen rechnen, da Teile nicht mehr nur in einzelne Modelle verbaut würden, sondern in ganze Generationen von Fahrzeugen, prognostiziert Dudenhöffer. Von einem defekten Teil sind so viel mehr Autos betroffen.

Rückrufaktion und Probleme in China stören Aufschwung

Für Toyota komme die aktuelle Rückrufaktion zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, sagt Dudenhöffer, da sich der Autobauer gerade im Aufwind befinde: "Der japanische Markt erholt sich nach der Katastrophe von Fukushima gerade und auch in den USA ist Toyota gerade stark."

In den vergangenen Jahren lief es für den einstigen Weltmarktführer nicht gut, General Motors und Volkswagen sind inzwischen vorbeigezogen. Nach mehr als acht Millionen verkauften Autos 2010 sank der Absatz im vergangenen Jahr auf etwa sieben Millionen Fahrzeuge.

Viel gefährlicher als die Rückrufaktion sei für Toyota aber aktuell das, was in China passiere, meint Dudenhöffer. Dort ist der Absatz der Japaner im September um die Hälfte eingebrochen. Als Grund dafür gilt der Streit zwischen den Regierungen der beiden Länder um die Senkaku-Inseln (chinesisch: Diaoyou-Inseln). Japan hatte angekündigt, Teile der Inselgruppe im ostchinesischen Meer verstaatlichen zu wollen - in China brachen daraufhin antijapanische Proteste aus.

© Süddeutsche.de/AFP/Reuters/bero/bbr

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite