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Wege aus der Euro-Krise:Was Staaten und Steuerzahler wirklich brauchen

Dennoch werden immer neue Kredite in die Krisenregionen der Währungsunion gepumpt. Banker und Politiker haben einen absurden Geldkreislauf angestoßen, um den Kollaps des Euro zu verhindern: Die Staaten gewähren kriselnden Regierungen frische Darlehen, die vor allem einem Zweck dienen - sie werden als Zinszahlungen für die alten Schulden direkt zurücküberwiesen an die Gläubiger.

Nach bald fünf Jahren schwelender Schuldenkrise steht fest: Einige Schuldner stecken nicht nur in kurzfristigen Zahlungsschwierigkeiten, sie sind auf Dauer zahlungsunfähig. Dagegen helfen auch die Tricks der Retter nichts, die darauf hinauslaufen, Staats- und Bankschulden zu vergemeinschaften. Statt die Abschreibungsverluste auf toxische Staatsanleihen und wertlose Immobilienkredite der Südländer auf andere abzuwälzen, sollten die internationalen Gläubiger der Banken und Staaten einen Teil der Verluste übernehmen.

Statt immer neuer Kredite brauchen insolvente Staaten einen Schuldenerlass, der zulasten der Gläubiger geht und die Steuerzahler schont. Je eher die Verluste realisiert werden, desto schneller können die kranken Staaten ihre Krise überwinden.

Für die Finanzhäuser wird das bitter. Zwar ist nicht zu übersehen, dass sich viele Institute - wenn auch widerwillig - drauf einstellen, dass sie ohne einen teilweisen Schuldenerlass nicht davonkommen werden. Aber längst nicht alle haben genügend Eigenkapital, um einen Schuldenschnitt zu verkraften.

Angesichts des schieren Volumens der Bankbilanzen ist klar, dass Politiker Angst haben, Banken pleitegehen zu lassen. Letztlich ist eine Konsolidierung und Bilanzschrumpfung des Bankensystems aber unabdingbar, damit sie die Gesellschaft nicht länger erpressen können. Deshalb müssen die Banken ihre Bilanzen bereinigen und mit dem nötigen Kapital versorgt werden. Das sollten in erster Linie die Aktionäre und Gläubiger machen. Nur in systemrelevanten Fällen sollte der Staat eingreifen und die Banken verstaatlichen, so lange bis sie wieder eine vernünftige Größe erreicht haben.

© SZ vom 31.07.2012/dmo
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