Wefox Kuscheln statt Revolution

Urlaub darf rustikal sein, aufs Internet wollen aber die wenigsten verzichten.

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Versicherungs-Start-ups sind bislang mäßig erfolgreich. Jetzt suchen sie die Nähe der bestehenden Anbieter. So wie Wefox.

Von Herbert Fromme, Köln

Das Start-up-Unternehmen Wefox kann einen ersten Erfolg bei dem Versuch melden, große Versicherer als Partner zu gewinnen. Wefox, bis Ende Februar unter dem Namen Financefox aktiv, gründet in Berlin eine Projektwerkstatt für große deutsche Versicherer.

Als erste Gesellschaft wird sich die Munich-Re-Tochter Ergo an dem "Innovation Lab" beteiligen. Hier wollen die Unternehmen neue Verfahren der Zusammenarbeit mit Maklern und der Betreuung der über sie versicherten Kunden entwickeln.

Die Start-up-Unternehmen im Versicherungsbereich, branchenintern Insurtechs genannt, suchen immer öfter die Nähe etablierter Versicherer. Vor zwei Jahren traten Knip, Clark und andere mit aggressiven Sprüchen an und wollten das gesamte traditionelle System revolutionieren. Inzwischen sind die meisten deutlich zahmer geworden, auch weil der rasche Erfolg ausgeblieben ist. Eine Reihe von ihnen hat traditionelle Versicherer als weitere Geldgeber gewonnen, andere kooperieren eng mit den einstigen Gegnern.

Die meisten Insurtechs sind als Versicherungsmakler auf den Markt gekommen. Sie bieten ihren Kunden an, per App die Verträge bei Versicherern einfacher und billiger zu verwalten. Dabei konkurrieren sie mit traditionellen Maklern und Vertretern. Nur wenige Insurtechs wie Ottonova und Element sind selbst Versicherer und tragen Risiken.

Doch etablierte Anbieter müssen bislang wenig Angst vor den Neulingen haben, glaubt der Experte Claas de Groot von der Beratungsfirma Leaders' Advisory Point. "Sie sind schlicht nicht innovativ genug", sagt er. "Es genügt nicht, das bestehende Geschäftsmodell der Versicherungsmakler in eine App zu gießen, um den Markt nachhaltig aufzumischen."

Das Start-up finanziert sich über Provisionen vom Makler

Deshalb hätten die bestehenden Insurtechs auch vergleichsweise wenige Nutzer. Aber der Markt könne viel von ihnen lernen, vor allem die stärkere Kundenorientierung. De Groot glaubt, dass wirklich gefährliche Angreifer bald aus einer unerwarteten Richtung kommen und den Kunden etwas anbieten werden, das auf den ersten Blick nicht als Versicherung erkennbar ist - zum Beispiel im Bereich "Smart Home".

Wefox-Gründer Julian Teicke wirft anderen Start-ups vor, die Kosten für die Kundengewinnung von Anfang an unterschätzt zu haben. Deshalb hätten sie wenig Erfolg. Sein 2014 gegründetes Unternehmen war immer vorsichtig mit Kritik an den etablierten Anbietern.

Die Geschäftsidee: Wefox ist einerseits selbst Makler und versucht gleichzeitig, bestehende Versicherungsmakler an sich zu binden. Die Firma bietet ihnen an, ihre Endkunden mit Hilfe des Wefox-Systems zu betreuen. Dass große Gesellschaften wie Ergo eine direkte Partnerschaft mit Wefox eingehen, stärkt die Position des Insurtechs bei den Maklern erheblich.

Ergo erhält dadurch mehr Transparenz über seine Beziehungen zu Versicherungsmaklern, glaubt Wefox. Das verursache keine zusätzlichen Kosten. Sein Unternehmen finanziert sich aus Provisionen - für die Anbindung an Wefox muss ein traditioneller Makler zwischen 30 und 50 Prozent der Provisionen, die er vom Versicherer erhält, an Wefox abtreten.

Wefox ist mit mehr als 30 Millionen Dollar Kapital ausgestattet. Zu den Investoren gehören das US-Softwareunternehmen Salesforce, der chinesische Großanleger Li Ka-shing und das russische Unternehmen Target Global. Für Teicke und seinen Vater Helmut Teicke, heute Wefox-Deutschlandchef und einst in der Führung des Vertriebs AWD, stellt sich die Frage, wie sie mit diesem Kapital schnell eine Rendite erzielen können. Eine Möglichkeit ist, rasch zu wachsen. Eine andere könnte darin bestehen, einen großen Kunden- und Maklerstamm aufzubauen und ihn dann zu verkaufen.