Ein freier Welthandel ist gut für alle, diese Einschätzung prägte die Beziehungen der großen Wirtschaftsmächte für lange Zeit. Doch diese Entwicklung ist spätestens seit den Zöllen, die US-Präsident Donald Trump gegen quasi die ganze Welt verhängt hat, an ihr Ende gekommen. Das spiegelt sich auch im Global Risk Report wider, den das Weltwirtschaftsforum (WEF) alljährlich veröffentlicht – immer kurz vor dem Jahrestreffen im Schweizerischen Davos, das dieses Jahr vom 19. bis 23. Januar abgehalten wird.
1300 Expertinnen und Experten aus Unternehmen, Wissenschaft, Regierung, internationalen Organisationen und der Zivilgesellschaft hat das WEF befragen lassen. Was ist das größte weltweite Risiko, dazu sollten die Teilnehmer Auskunft geben. Mit Abstand an erster Stelle stand die Gefahr einer geoökonomischen Konfrontation. Gemeint ist damit der „Einsatz wirtschaftlicher Hebel durch globale oder regionale Mächte zur Neugestaltung der wirtschaftlichen Interaktionen zwischen Nationen“.Das Weltwirtschaftsforum nennt die US-Politik von Präsident Donald Trump, der diesmal auch in Davos erwartet wird, zwar nicht beim Namen. Aber die Definition, die die Befragten vorgelegt bekamen, klingt sehr nach einer Beschreibung der derzeitigen amerikanischen Politik: „Einschränkung von Waren, Wissen, Dienstleistungen oder Technologien mit dem Ziel, Selbstversorgung aufzubauen, geopolitische Rivalen einzuschränken und/oder Einflussbereiche zu konsolidieren“.
Als zweitgrößte Gefahr nennen die Umfrageteilnehmer, die im August und September vergangenen Jahres befragt wurden, staatliche Konflikte, die globale Auswirkungen haben. Auf dem dritten Platz lagen Extremwetterereignisse.Vor einem Jahr war die Reihenfolge anders: staatliche Konflikte vor Extremwetter und geoökonomischer Konfrontation.Auch mit Blick auf die kommenden zwei Jahre bleibt demnach das Thema das mit dem größten Krisenpotenzial: geoökonomische Konfrontation rückte im Vergleich zur Umfrage ein Jahr zuvor vom neunten auf den ersten Platz. Risiken wie eine Wirtschaftsflaute, Inflation, das Platzen von Vermögensblasen und die Beeinträchtigung kritischer Infrastruktur werden ebenfalls höher eingeschätzt als im Vorjahr. Auf zehn Jahre gesehen gelten Extremwetter und der Verlust der Artenvielfalt als größte Risiken.
