Wechsel an Spitze der Weltbank:Weltbankchef Zoellick kündigt Rückzug an

Fünf Jahre stand Robert Zoellick an der Spitze der Weltbank, Ende Juni will er sein Amt zur Verfügung stellen. "Es ist für mich an der Zeit weiterzuziehen", sagte der 58-Jährige. Ein Nachfolger steht noch nicht fest - erste Spekulationen bringen jedoch prominente Namen ins Spiel.

Nikolaus Piper, New York

Fünf Jahre waren für ihn genug, und außerdem gehört er nicht zum politischen Lager der derzeitigen US-Regierung - Robert Zoellick, Präsident der Weltbank, hat seinen Rückzug angekündigt. Er werde keine zweite Amtszeit anstreben, erklärte er überraschend in Washington; "Es ist für mich an der Zeit weiterzuziehen." Über einen möglichen Nachfolger ist noch nichts bekannt.

48. Münchner Sicherheitskonferenz

Weltbankchef Robert Zoellick will sich Ende Juni aus dem Amt zurückziehen.

(Foto: dpa)

Nach den ungeschriebenen Regeln in Washington wird seit 60 Jahren die Weltbank immer von einem Amerikaner geleitet, während an der Spitze des Internationalen Währungsfonds ein Europäer oder eine Europäerin steht. Zoellick war 2007 von US-Präsident George Bush als Nachfolger des umstrittenen Paul Wolfowitz nominiert worden. Er war immer wieder als Kandidat für das Amt des US-Finanzministers für den Fall genannt worden, dass ein Republikaner die Präsidentenwahl am 6. November gewinnen sollte.

Nach Berichten amerikanischer Medien wollte US-Präsident Barack Obama jetzt die Chance nutzen und einen Kandidaten seiner Wahl an die Spitze der Entwicklungsorganisation schicken. Als mögliche Anwärter werden Außenministerin Hillary Clinton und Ex-Finanzminister Larry Summers genannt. Summers hatte zuvor schon als Chefökonom bei der Weltbank gearbeitet.

Es gilt unter Insidern der Weltbank allerdings als ausgemacht, dass China, Brasilien und andere Schwellenländer das bisherige europäisch-amerikanische Monopol bei den Spitzenposten von IWF und Weltbank in Frage stellen werden. Schon die Französin Christine Lagarde hatte sich als IWF-Chefin gegen einen Gegenkandidaten aus Mexiko durchsetzen müssen. Ähnlich dürfte es Obamas Kandidaten für die Weltbank gehen.

Der Republikaner Zoellick, 58, war zuvor unter anderem Handelsbeauftragter und stellvertretender Außenminister in der Bush-Regierung. Zwischenzeitlich arbeitete er kurz für die Investmentbank Goldman Sachs. Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 hatte Zoellick als Chefunterhändler der USA eine zentrale Rolle beim Zustandekommen der deutschen Einheit.

© SZ vom 16.02.2012/feko
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