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Europäische Union:Wasserstoff für den Klimaschutz

Kraftwerk auf Wasserstoffbasis

Wasserstoffspeicher in einem Kraftwerk: Auf dem Energieträger ruhen große Hoffnungen.

(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Die EU will die Produktion des Energieträgers massiv ausbauen, Deutschland ist ein wichtiger Standort. Das Europaparlament diskutiert über die richtige Strategie - und die Frage, wie grün die Farbe Blau ist.

Von Björn Finke, Brüssel

Wasserstoff ist ein durchsichtiges Gas, doch in Politik und Unternehmen ist oft die Rede von grünem, grauem, blauem, gelbem, rotem oder türkisem Wasserstoff. Diese Farben stehen für unterschiedliche Methoden, das Gas zu gewinnen - und eine ganz unterschiedliche Klimabilanz. Die EU will die Produktion von grünem, also klimafreundlich hergestelltem Wasserstoff massiv ausbauen und den Einsatz des Gases fördern. Denn nicht alle Fahrzeuge und Industrieanlagen werden sich auf einen Betrieb mit Öko-Strom umstellen lassen. Grüner Wasserstoff soll dann die Alternative zu Erdgas oder Ölprodukten sein, um trotzdem die ehrgeizigen Klimaziele der EU zu erreichen.

Die EU-Kommission veröffentlichte schon im vorigen Sommer eine Wasserstoffstrategie, an diesem Montag diskutierte das Europaparlament über seine Position. Am Mittwoch soll das Plenum einen Bericht mit Forderungen verabschieden. Die Federführung für das Thema hat der SPD-Abgeordnete Jens Geier. Wasserstoff sei "ein wichtiger Baustein für den Weg hin zu einem klimafreundlichen Kontinent", sagte er. Allerdings sei "ausreichende Stromerzeugung aus Wind, Sonne und Wasser die Voraussetzung dafür".

Schließlich wird grüner Wasserstoff mit Hilfe von Strom aus Wasser gewonnen, in sogenannten Elektrolyseuren. Dieser Strom muss aus erneuerbaren Quellen stammen, damit die Klimabilanz stimmt. Dieses Verfahren ist allerdings deutlich teurer als die gängige Methode, Wasserstoff aus Erdgas zu gewinnen. Dabei entsteht aber viel Kohlendioxid, weswegen dieser sogenannte graue Wasserstoff nicht für den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft taugt.

Die Abgeordneten waren sich jedoch uneins, welche Rolle blauer Wasserstoff übernehmen soll. Das ist grauer Wasserstoff, bei dem das CO2 abgeschieden und gespeichert wird, so dass es nicht in die Atmosphäre gelangt. Die größte Fraktion im Parlament, die Christdemokraten von der EVP, setzten sich vehement dafür ein, dass solch Wasserstoff als Übergangslösung Teil des EU-Energiemixes sein müsse: "Nur wenn wir die Produktion von grünem Wasserstoff mit dem sogenannten blauen Wasserstoff ergänzen, werden wir schnell genug einen funktionierenden Markt schaffen", sagte die CSU-Abgeordnete Angelika Niebler, die das Thema in der EVP betreut.

Deutschland liegt weltweit vorne

Der "pragmatische Kompromiss", wie es Niebler nennt, sieht nun so aus, dass das Parlament in seinem Beschluss festhält, "dass es auf dem Markt verschiedene Arten von Wasserstoff geben wird" und dass blauer "Wasserstoff kurz- und mittelfristig als Brückentechnologie anerkannt werden muss".

Daneben fordern die Abgeordneten, dass es in der EU eine einheitliche Klassifizierung und Benennung der unterschiedlichen Wasserstoffsorten geben müsse - und die Politiker regen an, von den üblichen Farbbezeichnungen abzurücken. Die Parlamentarier loben die Kommission für deren ehrgeizige Ziele beim Bau neuer Elektrolyseure.

Die Behörde gab in ihrer Wasserstoffstrategie als Maßgabe aus, bis 2024 Anlagen mit einer Elektrolyseleistung von mindestens sechs Gigawatt anzuschließen; im Moment sind es ein Gigawatt. Bis 2030 sollen es sogar 40 Gigawatt sein. Zudem soll das Gas bis dahin in neuen Bereichen zum Einsatz kommen, etwa in Stahlwerken, bei Lastwagen und Zügen.

Deutschland ist im Moment der attraktivste Standort für Investitionen in grünen Wasserstoff: Die Marktforscher von Aurora Energy Research rechneten kürzlich vor, dass bis 2040 weltweit Elektrolyseure mit einer Leistung von 214 Gigawatt geplant sind. 85 Prozent der Projekte sollen in Europa umgesetzt werden, allein 23 Prozent in Deutschland, heißt es in der Untersuchung.

Vor zu viel Euphorie warnt aber das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Die Fachleute untersuchten die Einsatzmöglichkeiten von grünem Wasserstoff - und kamen zum Schluss, dass in vielen Bereichen Ökostrom die bessere Alternative ist.

© SZ
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