Wasserpreise in Deutschland Quelle des Zorns

Die deutschen Kartellbehörden knöpfen sich die Wasserversorger vor. Ihr Vorwurf: überhöhte Preise. Diese werden nach Expertenmeinung bald sinken.

Von Markus Balser

Wasser macht flüssig - im hessischen Wirtschaftsministerium in Wiesbaden kennen die Kartellkontrolleure die segensreiche Kraft des vierten Elements nur zu genau.

Wasser macht flüssig: Die Monopole der Unternehmen sollen in Deutschland zu "missbräuchlich überhöhten Preisen" führen.

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Eine Million Hessen zahlten Versorgern zu viel für ihr Trinkwasser, klagt ein hochrangiger Beamter. Schuld seien die Monopole der Unternehmen. Wegen "missbräuchlich überhöhter Preise" mahnte das Ministerium bereits erste Versorger ab und forderte von Wasserlieferanten wie der Enwag im mittelhessischen Wetzlar Preissenkungen von bis zu 30 Prozent.

Es dürfte der Beginn einer Welle von juristischen Auseinandersetzungen werden, denn in den kommenden Monaten könnten Versorgern in ganz Deutschland ähnliche Eingriffe blühen. Nach Strom und Gas wollen deutsche Kartellbehörden künftig bundesweit den Wassermarkt unter die Lupe nehmen.

Bei einem Treffen der Vertreter von Bundes- und Landeskartellämtern in Bonn habe das Thema ganz oben auf der Agenda gestanden, berichten Teilnehmer. Gemeinsam wollten Bund und Länder die Branche künftig stärker kontrollieren.

Kontrolleure sollen einheitlich vorgehen

Erstmals in Deutschland soll nach Informationen der Süddeutschen Zeitung am 13. und 14. August in Wiesbaden eine Expertengruppe zusammenkommen, um ein einheitliches Vorgehen der Kontrolleure zu entwickeln.

Dabei gehe es um eine Verschärfung der Aufsicht für die Wasserbranche und darum, wie Wassergebühren künftig besser überwacht werden können, sagte eine Sprecherin des hessischen Wirtschaftsministeriums am Mittwoch.

Verbraucherschützer ärgern sich schon lange über die hohen Wasserpreise. In keinem anderen Land der Welt werde Kunden so viel für Trinkwasser aus der Tasche gezogen wie ausgerechnet im wasserreichen Deutschland.

Nach einer Studie der internationalen Beratungsgesellschaft NUS Consulting zahlen die Deutschen durchschnittlich 1,91 Euro pro Kubikmeter. Nachbar Frankreich liegt mit 1,27 Euro im Mittelfeld. Konkurrenzlos billig ist der Kubikmeter mit 0,47 Euro in den USA.

Erstaunlich sind dabei die enormen Unterschiede innerhalb Deutschlands. Während in manchen Gegenden pro Kubikmeter gut 50 Cent fällig werden, sind es in anderen fast vier Euro - also fast das Achtfache.

Ländersache

Die Wasserindustrie ist Ländersache und anders als Energie- oder Telekomkonzerne bislang nur schwacher Kontrolle unterworfen. Behörden dürfen erst bei einem konkreten Missbrauchsverdacht einschreiten.

Das soll sich den Plänen zufolge ändern. Die Missbrauchsprüfung soll erheblich verschärft werden. So könnten Firmen gezwungen werden, zu hohe Preise sofort an Kunden zurückzuzahlen. Außerdem prüfen die Kartellbehörden, wie sie auch Gebühren - bislang unter Kontrolle der Kommunen - stärker überwachen können.

Die Wasserbranche lehnt eine Regulierung ab und verweist auf die Versorgungssicherheit und die hohen Standards der Konzerne in Deutschland. "Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund für eine Regulierung", sagt ein Sprecher des Branchenverbandes VKU.

Für viele der 6700 Wasserversorger der stark zersplitterten Branche in Deutschland könnte es dennoch eng werden. Eine strengere Regulierung sei überfällig, sagt Christian von Hirschhausen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und erwartet: "Die Wasserpreise werden in naher Zukunft mit Sicherheit sinken."