Ernährung:Ein Liter Leitungswasser kostet 0,2 Cent, ein Liter Markenwasser das 400-fache

Der Import von Mineralwasser machte zuletzt knapp acht Prozent aus. Große Konzerne sehen hier noch Wachstumspotenzial. Besonders gefragt bei deutschen Konsumenten ist stilles Wasser aus Frankreich, ganz vorne mit dabei: die Danone-Marken Volvic und Evian sowie Vittel von Nestlé.

Für die Branche ist es zuletzt gut gelaufen. Die Hitze des vergangenen Sommers brachte den Herstellern von Mineral- und Heilwasser in Deutschland einen neuen Rekordabsatz von 11,7 Milliarden Litern im Jahr 2018 ein. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Mineralwasserbrunnen (VDM) bedeutet das ein Plus von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders beliebt waren Sorten mit weniger Kohlensäure (Medium). Sie machen mittlerweile fast die Hälfte des Absatzes aus.

Obwohl sich Verbraucher hierzulande auch auf sauberes Trinkwasser aus der Leitung verlassen können, tranken sie 2018 mehr Mineralwasser denn je. Milliarden Plastik- und Glasflaschen schleppten sie nach Hause, an den Arbeitsplatz, in die Schule oder auf den Sportplatz. Und das obwohl bisher kein eindeutiger Beweis vorliegt, dass Mineralwasser tatsächlich gesünder ist als gewöhnliches Leitungswasser, die Vorschriften sind für beide Sorten streng (Lexikon).

In der Werbung der Mineralwasserhersteller klingt das freilich ein wenig anders. "Wasser ist nicht gleich Wasser. Zwischen den vielen Wässern in Deutschland gibt es klare Unterschiede im Mineralstoffgehalt", heißt es etwa bei Gerolsteiner, Nummer eins unter den deutschen Mineralwassermarken. Dies sage jedoch wenig über den Gesundheitsnutzen aus, kritisiert Verbraucherschützer Valet. "90 Prozent unseres Mineralstoffbedarfs nehmen wir übers Essen auf, nur zehn Prozent übers Trinken". Ohnehin gehe der Trend zu mineralärmeren Produkten, wegen des angenehmeren Geschmacks.

Fest steht dagegen, dass Wasser in Flaschen um ein Vielfaches teurer ist als das aus der Leitung. Dem Statistischen Bundesamt zufolge kostet der Liter vom örtlichen Versorger im Durchschnitt 0,2 Cent, einen Liter Gerolsteiner Mineralwasser gibt es im Handel für 89 Cent, er ist also um das 400-fache teurer. "Natürliches Mineralwasser und Leitungswasser sind zwei völlig unterschiedliche Produkte, die entsprechend unterschiedlich gewonnen und hergestellt werden", rechtfertigt VDM-Geschäftsführer Udo Kremer die Preisdifferenz. "Die strengen gesetzlichen Vorschriften zur Gewinnung und Abfüllung von natürlichem Mineralwasser erfordern hohe Investitionen."

Nach Ansicht von Verbraucherschützern ist Wasser in Flaschen vor allem eines: ein Milliardengeschäft, mit einem Gesamtumsatz von 3,4 Milliarden Euro in Deutschland. Doch die Jahre der große Wachstumssprünge sind offenbar vorbei. Seit den 1970er Jahren hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch zwar mehr als verzehnfacht, doch seit ein paar Jahren hat sich die Absatzkurve deutlich abgeflacht (. Auch sind dem Konsum Grenzen gesetzt, ein Mensch braucht pro Tag nur etwa zwei Liter Flüssigkeit.

In einem stagnierenden Markt wird der Wettbewerb härter. International bestimmen die Konzerne Nestlé, Danone, Coca-Cola und Pepsico das Geschäft. Internationale Getränkekonzerne setzen vor allem auf Innovationen, Beispiel Coca-Cola mit seinem jüngsten Produkt Smartwater. Der Konzern lancierte das Wasser nach erfolgreicher Einführung in anderen Ländern auch in Deutschland, mit dem Versprechen "die einzige Art & Weise, wie Wasser gemacht wird, zu revolutionieren". Was wie die Neuerfindung des Wassers klingt, beruht auf der altbekannten Technik des Destillierens. Wasser wird dabei verdampft, aufgefangen und mit einer Mineralien-Mischung angereichert.

Vernichtend fiel da das Urteil der Verbraucherschützer von Foodwatch aus: "Ein schnödes Mineralwasser, aufgemotzt mit einem ernährungsphysiologisch vollkommen unnützen Verfahren - aber dafür bis zu siebenmal teurer als ein herkömmliches Mineralwasser". Smartwater sei die "dreisteste Werbelüge des Jahres", befanden Verbraucher in einer Abstimmung von Foodwatch. Dafür gab es den Negativpreis "Goldener Windbeutel". Coca-Cola wies die Vorwürfe entschieden zurück.

Ärger mit Verbraucherschützern ist für große Wasserkonzerne nicht Neues

Konkurrenz droht dem Konzern nun auch noch von anderer Seite. Das Berliner Start-up Mitte verkauft ein Gerät, mit dem sich jeder mineralisiertes Wasser nach eigenem Gusto selbst mischen kann. Basis sind auch hier das Destillationsverfahren und einfaches Leitungswasser.

Ärger mit Verbraucherschützern ist für große Wasserkonzerne nicht Neues. Evian-Hersteller Danone musste vor einigen Jahren Kritik einstecken, als er den Inhalt der Flasche von 1,5 auf 1,25 Liter senkte, indem er der Plastikflasche ein neues Outfit verpasste. So wurde das Wasser unter dem Strich auf einen Schlag um bis zu 47 Prozent teurer. Für die Verbraucherzentrale Hamburger war dies ein klarer Fall von versteckter Preiserhöhung. Im Juni 2016 erhielt Evian die wenig schmeichelhafte Auszeichnung "Mogelpackung des Monats".

Die überwiegende Mehrheit der deutschen Mineralwasserbrunnen sorgt unterdessen selten für Aufsehen. Die meisten Anbieter sind regional tätig und stecken ihr Geld nicht in aufwendige Marketingaktionen. Davon profitieren letztlich auch deren Kunden, durch niedrige Preise.

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