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Waschnüsse:Sauberes Gewissen

Auf den Wochenmärkten der Region gibt's bei ihm das Kilo Waschnuss für 12,50 Euro. Wer im Internet bestellt, kommt bei Otto günstiger davon: 9,90 Euro kosten aktuell 1000 Gramm Waschnüsse, deren Schalen nach dem Knacken in einem Baumwollsäckchen oder in einer ausrangierten Socke einfach mit in die Waschtrommel gegeben werden. Dass die Waschnuss nicht nur für eingefleischte Ökos in Birkenstocks taugt, beweist das hochpreisige Warenhaus Manufactum. "Waschen mit der Urseife", wirbt es - und verlangt für ein Kilogramm geknackte Waschnussschalen 25 Euro.

Je nach Waschtemperatur reichen fünf bis sieben halbe Waschnussschalen (oder wahlweise zwei gehäufte Teelöffel Waschnusspuder) sogar für zwei Wäschen, allerdings gilt das nur für Temperaturen bis 60 Grad - bei höheren Temperaturen sind die Schalen jedoch nach einmaliger Wäsche verbraucht. Wer's mag, gibt noch pflanzenneutrales Bleichmittel gegen Flecken oder Düfte wie Lavendel hinzu.

Sud gegen Schädlinge

Nach dem Waschen werden die Schalen - natürlich - auf dem Kompost entsorgt, und selbst aus dem Sud lässt sich noch was machen. "Seine antibakterielle und fettlösende Wirkung eignet sich für vielerlei Anwendungen rund um die Körper- und Haushaltsreinigung", heißt es auf www.billiger-waschen.de. Lästige Schmarotzer wie Pilze und Blattläuse von Zimmer-, Balkon- und Gartenpflanzen lassen sich mit der abgekühlten Brühe vertreiben.

Obwohl das unabhängige Verbraucherportal "Öko-Test" schon vor Jahren nachgewiesen hat, dass die Leistung der Waschnuss "alles andere als überzeugend" war, verbreiten echte Anhänger wahre Lobeshymnen im Netz. Gelobt wird die Ergiebigkeit der Frucht, aber auch deren Vielseitigkeit.

"Wolle und Seide lassen sich hervorragend damit waschen", lobt eine Verbraucherin im "Öko-Test-Forum" - um nur wenig später nachzuschieben, dass selbst das Reinigungsgerät von der natürlichen Waschmittelwahl profitiert. "Die Waschmaschine ist seit der Nutzung der Waschnüsse viel sauberer und ohne Schmutzschmierfilm, den ich bei normalem Waschmittel immer hatte", wird dort fabuliert.

Der Hype um das indische Waschmittel, mit dem öko-bewusste Deutsche neben ihrer Wäsche zugleich das Gewissen beruhigen wollen, bringt Dirk Matter von der Deutsch-Indischen Handelskammer in Düsseldorf hingegen mächtig in Rage. Von der indischen Waschnuss gelange nur eine kleine Menge nach Deutschland, um dort im Luxus-Markt an den Mann und an die Frau gebracht zu werden. Entgegen der allgemein verbreiteten Annahme "nimmt in Indien keiner die Waschnuss", sagt er. Das Gegenteil sei seiner Meinung nach der Fall: "Die meisten Inder waschen wie wir mit Waschpulver - teilweise mit ultra-aggressiven Bleichmitteln." Denn wirklich sauber werde mit Waschnuss gewaschene Wäsche nicht.

© sueddeutsche.de/hgn
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