bedeckt München 28°

Was machen eigentlich ... Marcus und Frank Wirthwein?:"Wenn wir etwas kaufen, wollen wir es behalten"

Viele große Namen gehören zu ihren Kunden - doch das Unternehmen der Brüder Marcus und Frank Wirthwein mit einem wirklich üppigen Produktportfolio kennt kaum jemand.

Wirthwein

Eine Mitarbeiterín von Wirthwein kontrolliert die Fensterrahmenverkleidung für ein Auto.

(Foto: oh)

Wirthwein ist eines dieser Familienunternehmen, dessen Produkte in ganz vielen Dingen stecken - in Waschmaschinen, Zügen und Autos.

Was machen Sie eigentlich?

Marcus Wirthwein: Kunststoffteile, Parkett und Galleys für Züge.

Ein ziemliches Sammelsurium!

Marcus Wirthwein: Wir fahren gut damit. Jedes Geschäftsfeld hat seine eigene Konjunktur und folgt eigenen Zyklen. So streuen wir das Risiko.

Was machen Sie aus Kunststoff?

Marcus Wirthwein: Laugenbehälter für Waschmaschinen, Besteckkörbe, Lüfterräder für Ventilatoren, Türmodule, Schiebedachkomponenten, Kunststoffteile für den Gleisbau und vieles mehr.

Dürfen Sie Kunden nennen?

Marcus Wirthwein: BMW, Audi, Mercedes, Porsche, General Motors, Bosch Hausgeräte, den Schiebedachhersteller Webasto, den Ventilatorenproduzenten EBM Papst, Fresenius, Vossloh, es sind viele.

Wer ist Ihr größter Abnehmer?

Marcus Wirthwein: Die Autoindustrie, dicht gefolgt von den Hausgeräteherstellern.

Wer macht den stärksten Druck?

Frank Wirthwein: Der Preisdruck ist im Geschäftsfeld Automotive am größten. Das ist ja kein Geheimnis. Er hat auch in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen.

Vielleicht wird er jetzt noch größer, weil VW und Tochterfirmen wie Audi infolge der Abgasaffäre sparen müssen. Machen Sie sich Sorgen?

Frank Wirthwein: Wir machen uns Gedanken. Wir merken noch nichts. Der Umsatzanteil von VW und Audi ist auch nicht so groß.

Ihre Existenz ist nicht gefährdet, wenn Audi morgen nichts mehr bestellt?

Marcus Wirthwein: Das werden sie nicht, und es würde uns auch nicht umbringen. Das ist der Vorteil des Sammelsuriums. Wir sind breit aufgestellt.

Die Firma

Wirthwein Gruppe

  • Sitz: Creglingen
  • Umsatz Gruppe: rund 450 Millionen Euro (Planzahl 2015)
  • Beschäftigte: 3300
  • Gründung: 1949 durch Walter Wirthwein
  • Gesellschafter: Familie Wirthwein
  • Geschäftsführende Gesellschafter: Marcus Wirthwein, 41, und Frank Wirthwein, 39

Aber welche Synergien bringen die Produktion von Parkett und Kunststoffteilen?

Marcus Wirthwein: Gar keine. Die Firma Bembé Parkett arbeitet recht autark. Sie gehört ja auch nicht zur Wirthwein AG, sondern ist wie diese Teil der Wirthwein-Gruppe.

Weshalb haben Sie denn Bembé Parkett übernommen - aus Mitleid, weil der Familienunternehmer Jucker keinen Nachfolger hatte?

Frank Wirthwein: Das würde ich so nicht sagen. Das lief über die Sparkasse. Bembé sitzt in Bad Mergentheim, das sind keine 20 Kilometer von hier. Die Bank hat damals meinen Vater angesprochen. Und das war eine weitere Möglichkeit zu diversifizieren. Ganz abwegig ist das mit dem Holz auch nicht. Mein Großvater Walter, der 1949 die Firma gegründet hat, fing mit Holzpflöcken für die Bahn an. 1967 ist er dann auf Kunststoff umgestiegen. Zur Firma Winkler kamen wir auf ähnliche Weise wie zu Bembé, da hat auch der Sparkassendirektor meinen Vater angesprochen, weil wir ja schon für die Bahn arbeiteten. Winkler hat früher die ICEs mit Bistros ausgestattet. Wir bauen gerade Galleys für internationale Kunden. Unter anderem auch einen Tourismuszug in den USA. Die Musterwagen stehen in Röttingen, das ist auch nicht weit weg von Creglingen.

Heißt: Immer wenn ein Sparkassen-Direktor hier in der Gegend ein Unternehmen nicht los wird, ruft er bei den Wirthweins an!

Marcus Wirthwein: Ich nenne das Netzwerk. Wir haben uns in diesem Jahr auch mit 70 Prozent an einer Firma für Kunststoffteile in der Türkei beteiligt, das war eine ganz normale Transaktion und lief über einen Berater. Wir bekommen jede Woche Firmen angeboten. Das gucken wir uns dann an.

Was fehlt Ihnen denn noch?

Marcus Wirthwein: Wir würden gerne die Sparte Medizintechnik ausbauen, weil die am lukrativsten ist, allerdings auch am anspruchsvollsten. Die Teile müssen im Reinraum hergestellt werden, also Räumen, die frei von Partikeln in der Luft sind.

Haben Sie schon mal eine Tochterfirma verkauft oder aufgegeben?

Frank Wirthwein: Nein. Wir sind ja kein klassisches M&A-Unternehmen. Wenn wir etwas kaufen, wollen wir es behalten und ausbauen, auch durch Zukäufe.

Und die Sparkasse leiht Ihnen das Geld für die Übernahme!

Frank Wirthwein: Wenn sie uns ein gutes Angebot macht. Wenn nicht, dann eben eine andere Bank.

Haben Sie sich denn eine Grenze gesetzt. Wie groß, gemessen am Umsatz, darf ein Unternehmen höchstens sein, damit Sie die Übernahme verkraften können?

Frank Wirthwein: Die Grenze haben wir, die wollen wir aber nicht sagen. Das hängt von zu vielen Faktoren ab. Wie groß ist es? Eine Firma von 100 Millionen Euro würden wir nicht kaufen. Wie teuer ist der Zukauf? Wenn sie zwei Euro kostet, vielleicht schon.