Was kommt Wirtschafts-Ausblick

Wie denken Deutschlands Ökonomen? Antworten gibt es kommende Woche in Münster - und in der SZ.

Von Ulrich Schäfer

Wie denken Deutschlands Ökonomen? Darum geht es kommende Woche in Münster: Von Sonntag bis Mittwoch finden dort zwei große Ökonomen-Kongresse statt. Der eine hat Tradition, der Verein für Socialpolitik, der zur Jahrestagung lädt, wurde 1873 gegründet; ihm gehören 3800 Ökonomen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Der zweite Kongress ist noch jung: Das Netzwerk Plurale Ökonomik, das für mehr Vielfalt in der Volkswirtschaftslehre eintritt, lädt zur "2. Pluralistischen Ergänzungsveranstaltung zur Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik".

Der Verein für Socialpolitik hat ein Schwerpunktthema gewählt, das angesichts der Flüchtlingsströme aktueller denn je ist: die Entwicklungspolitik. Es geht um die große Frage: Was kann man gegen die Armut tun? Wie kann man Menschen in ihrer Heimat helfen? Daneben geht es um alle Felder der Wirtschaftspolitik - von Geld bis Klima. Das Netzwerk Plurale Ökonomik beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen von Ökonomie und Gesellschaft oder mit der Geldordnung in der Krise. Manche Themen sind auch identisch: Hüben wie drüben geht es um Ungleichheit, und auch der Verein für Socialpolitik bietet Sessions zur Vielfalt der Ökonomie an.

In Münster wird nächste Woche gleich zwei Mal über Wirtschaft diskutiert.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Münster ist für die beiden Tagungen ein passender Ort. An der Westfälischen Wilhelms-Universität haben viele namhafte Ökonomen gelehrt oder studiert. Zu den Absolventen zählt Herbert Giersch; der langjährige Leiter des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel gründete 1964 den Sachverständigenrat mit. Auch der spätere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer, Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn und der Wirtschaftsweise Horst Siebert studierten in Münster.

Kein Student in Münster (sondern in München) und kein Volkswirt war Heinrich Brüning. Aber der spätere Reichskanzler wurde in Münster geboren und beerdigt; seine brutale Sparpolitik zu Beginn der 1930er Jahre gilt bis heute als Beispiel einer verfehlten Wirtschaftspolitik. Ganz anders hingegen Alfred Müller-Armack: Er ist einer der Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft, seine Ideen dafür entstanden an der Universität Münster, wo er von 1941 bis 1950 die Forschungsstelle für Textile und Allgemeine Marktwirtschaft leitete.

Wie denken Deutschlands Ökonomen? Damit haben wir uns in den vergangenen Wochen auch im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung beschäftigt; deshalb erscheint zu den beiden Tagungen ein kostenloser Sonderdruck mit den Ergebnissen der großen Ökonomen-Umfrage, die wir im Sommer veröffentlicht haben; dazu Porträts aus unsere Serie "24 Ökonomen, auf die es ankommt"; und die Essays von Hans-Werner Sinn und Jeffrey Sachs aus unserer Euro-Debatte. Der Sonderdruck wird in Münster verteilt, außerdem finden Sie ihn am Montag in der Digitalausgabe der SZ.

Was noch? Ein Satz von Müller-Armack für alle, die vergessen haben, worum es bei der Sozialen Marktwirtschaft geht: "Bloße Freiheit verkommt zum leeren Begriff, wenn sie sich nicht mit der sozialen Gerechtigkeit als verpflichtender Aufgabe verbände. So muss die soziale Gerechtigkeit mit und neben der Freiheit zum integrierenden Bestandteil unserer künftigen Wirtschaftsordnung erhoben werden."