Warten, feilschen, tricksen:Das sind die besten Flohmarkt-Tipps

Ganz bewusst auch extrem hässliche Teile anbieten, erst 20 Minuten vor Ende kommen oder mit Geldscheinen wedeln. Klingt komisch - funktioniert aber.

Von SZ-Autoren

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Extrem Grässliches anbieten

Schwabinger Hof-Flohmärkte

Quelle: SZ

Eine einfache, aber wirksame Regel für den Flohmarkt lautet: Grässlich geht gut. Deshalb braucht es für jeden alten Atlas, den man loswerden will und jeden Wintermantel, den man zu Geld machen will, vor allem eines: einen möglichst obskuren, hässlichen Gegenstand von schwer definierbarer Funktion, der danebenstehen kann. Nun mag man sich fragen: Warum sollen ausgerechnet unschöne Dinge schöne Summen bedingen?

Die Antwort ist wenig schmeichelhaft für unsere Gattung: Vieles, was der Mensch tut, ist von Neugier und Voyeurismus getrieben. Mal schauen, was die anderen so an Mist haben, ist das ungeschriebene Motto. Ein in Naturfarben gefärbter Bastbaum zum Beispiel, dessen ursprüngliche Farbe oder Sinn nicht erkennbar sind, ist perfekt - die Stöberer laufen in die Falle. "Was ist denn das?", ist nämlich nur der Anfang eines unterhaltsamen Gesprächs über die Beziehung des Verkäufers zum Objekt der Abscheu.

Wer gut ist, erzählt eine anekdoten- und erfindungsreiche Begründung für den Besitz. Die dauert im Idealfall so lang, dass der Kunde den Blick auf andere Dinge wirft: den alten Globus, die Blumentöpfe, den Kinostuhl. Danach ist es nur eine Frage der Zeit, bis er kauft. Und ganz am Ende findet sich jemand, der eine andere Definition des Begriffes grässlich hat, den Baum schnappt und sagt: So ein schöner Untersetzer!

Lea Hampel

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Antizyklisch kaufen

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Quelle: Stephan Rumpf

Es ist immer dasselbe, zu jeder ausklingenden Saison. Plötzlich wollen viele das verkaufen, was sie eben noch ein letztes Mal benutzt haben, nun aber nicht mehr brauchen. Und so gibt es auf Internetportalen wie Ebay Kleinanzeigen zum ersten kalten Wintertag prompt alles, was der Städter zum Wandern braucht: Funktionsjacken, Stiefel, Rucksäcke - im Überfluss. Dasselbe zum Ende des Winters: Plötzlich sind Massen an Skiausrüstung, Schlitten, Schneekleidung im Angebot. Vieles kaum benutzt und alles sehr billig.

Das Problem ist nur, dass die Sachen just in diesen Momenten kaum einer will. Die anderen misten ja auch aus. Also muss der Preis runter, sonst findet sich überhaupt kein Abnehmer. Wer deshalb für seine nie getragene Funktionsjacke einen ordentlichen Preis haben will, braucht Geduld. Er muss warten können, am besten bis zum Frühjahr. Dann ist die Zahl der Konkurrenzangebote klein, die Nachfrage aber riesig. Es wollen ja nun wieder alle wandern gehen.

Wer dagegen weiß, was er braucht, kann sich schon ein halbes Jahr vor der Saison auf die Suche machen. Dann ist die Auswahl groß und der Zeitdruck gering. So lässt sich ganz entspannt in den Schätzen der anderen stöbern und wahrscheinlich ist ein Schnäppchen dabei.

Stephan Radomsky

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Analog werden

Hofflohmarkt in München, 2013

Quelle: Catherina Hess

Aus dem Spaziergang im Wohnviertel kann ein Besuch auf dem Basar werden. Denn an gefühlt jedem zweiten Laternenpfosten hängt ein Zettel mit Verkaufsangeboten. Da ist die Lederhose in Größe 42, die eine Dame nach der Festsaison wieder loswerden möchte. Oder das "elektronische Partyspiel Wahrheit oder Pflicht", das den pubertären Nachbarn viel Freude bereiten könnte. Für zwölf Euro sind sie dabei, Verhandlungsbasis.

Egal, ob es nun der Zettel an der Laterne, im Schaukasten oder an der Pinnwand im Supermarkt ist: Es ergibt durchaus Sinn, Kleinanzeigen nicht nur online zu schalten, sondern sie ganz analog an die nächste Straßenecke zu hängen. So können die potenziellen Käufer die Angebote wortwörtlich im Vorbeigehen prüfen. Und zwar ohne aktiv auf einer Website nach der Ware zu suchen. Da kann es schon mal sein, dass das Partyspiel einen spontan anspricht - obwohl man von selbst nie danach gesucht hätte.

Wer so lokal wie möglich verkauft oder kauft, spart es sich zudem, für die neue Errungenschaft durchs halbe Land zu fahren. Sperrige Gegenstände muss man im Idealfall nur ein paar Straßen nach Hause tragen. Ganz ohne Nachteile ist die Verkaufsstrategie Nachbarschaft aber auch nicht. Zettel zerfleddern, werden abgerissen oder Opfer von Schnee und Regen.

Felicitas Wilke

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Spät kommen und betont cool wirken

Fashion Session, Modeflohmarkt, Flohmarkt

Quelle: Florian Peljak

Seriös wirken, aber keinesfalls gut betucht. Also lieber ältere Klamotten anziehen und bloß nicht so aussehen, als spiele Geld keine Rolle. Denn Geld spielt eine Rolle auf Sammlermärkten. Für den, der möglichst viel einnehmen will - und für den, der möglichst wenig ausgeben möchte.

Läuft der Markt von neun bis 14 Uhr, taucht der coole Schnäppchenjäger nicht vor 13 Uhr auf. Bei der ersten Runde keinesfalls echtes Interesse an einem bestimmten Gegenstand erkennen lassen. Lieber den Verkäufer leicht mit einem lockeren Preisgespräch über etwas vorwärmen, das man ohnehin nicht kaufen will. Dabei ruhig ein paar Zehn-Euro-Scheine aus der Tasche ziehen und zählen, ob man genug Geld dabei hat. Unbedingt weiter gehen, ohne sich zu entscheiden. Dann, 20 Minuten vor Ende des Marktes, folgt Phase zwei: Wenn die ersten schon ihren Krempel einpacken, zügig den Preis runterhandeln. Funktioniert alles prima, jedenfalls auf den Märkten für Modelleisenbahnen.

Stöbern, tricksen, handeln und günstig kaufen, was für ein Spaß. Jedenfalls für den Käufer, der cool bleibt: Du gibst mir den Bananen-Waggon nicht zum Superpreis? Pack ihn doch wieder ein und lagere ihn bis zum nächsten Markt. Irgendwann ist dann fast jeder Verkäufer reif für ein Schnäppchen.

Michael Kuntz

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Oder einfach: Gutes tun

Haushaltsentrümpelung in München, 2016

Quelle: Stephan Rumpf

Der Röhrenfernseher ist zwar sperrig und altmodisch, aber das Bild funktioniert noch einwandfrei. Vom einstigen Lieblingssessel löst sich der Stoff ab, aber mit einem neuen Überzug würde er noch immer für gemütliche Filmabende taugen. Wer alte Elektrogeräte, Möbel oder Bücher loswerden will, kann sie Sozialkaufhäusern spenden.

Fast jede größere Stadt hat eine solche Einrichtung, die oft von Kirchen oder Wohlfahrtsverbänden getragen wird. Das Prinzip: Die gespendeten Waren werden im Kaufhaus zu günstigen Preisen weiterverkauft. Zu den Kunden gehören oft Menschen, die sich neue Möbel nicht leisten können. "Bei uns gehen alle Waren gut, die zum täglichen Wohnbedarf dazugehören", sagt Christel Wetzel vom Münchner Gebrauchtwarenhaus "Weißer Rabe". Dazu gehörten Schlafsofas, Kommoden, aber auch Accessoires und Geschirr.

Von den Erträgen wird der Betrieb des Kaufhauses sichergestellt und werden die Mitarbeiter bezahlt. In den Sozialkaufhäusern arbeiten oft Langzeitarbeitslose oder auch Flüchtlinge, die so ihren Weg zurück ins Berufsleben einschlagen können. Einige Sozialkaufhäuser holen sperrige Gegenstände nach Absprache kostenlos ab, andere erheben dafür eine geringe Gebühr. Der vermeintliche Krempel ist dann jedenfalls weg - und erhält obendrein eine neue Chance, seinen Besitzern treue Dienste zu leisten.

Felicitas Wilke

© SZ.de/vit
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