MeinungAktienWarren Buffett, der letzte Investor alter Schule, zieht sich zurück

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Von Ann-Kathrin Nezik

Lesezeit: 2 Min.

Warren Buffett bei einem Interview im Mai 2018, natürlich gegeben an seinem Wohnort Omaha.
Warren Buffett bei einem Interview im Mai 2018, natürlich gegeben an seinem Wohnort Omaha. Nati Harnik/AP

Der ehemals reichste Mann der Welt will Ende Dezember, mit 95 Jahren, Platz für die nächste Generation machen. Jetzt darf ein 65-Jähriger ran.

Er werde verstummen, schreibt Warren Buffett in seinem kurz vor Thanksgiving veröffentlichten Brief an seine Aktionäre. Und: Es habe eine Weile gedauert, aber inzwischen spüre auch er die Last des Alters. „Ich bewege mich langsam und lese mit zunehmenden Schwierigkeiten.“ Schon im Mai hatte der 95-jährige Investor deshalb seinen Rückzug angekündigt. Er wolle zum Jahresende als CEO von Berkshire Hathaway aufhören und Platz für die nächste Generation machen, hatte er auf dem jährlichen Aktionärstreffen seines Konzerns erklärt.

Mit Buffetts Abtritt Ende Dezember übernehmen die Tech-Oligarchen endgültig im Klub der amerikanischen Multimilliardäre. Elon Musk, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und andere Gründer aus dem Silicon Valley haben aufgrund der fast exponentiell gewachsenen Börsenbewertungen ihrer Konzerne in den vergangenen Monaten unvorstellbaren Reichtum angehäuft. Dank ihrer Freundschaft zu US-Präsident Donald Trump haben sie auch politisch so viel Macht wie nie.

Buffett, noch 2008 der reichste Mann der Welt, rutschte auf der Milliardärsliste des Forbes-Magazins etwas ab, obwohl auch sein Vermögen in den vergangenen Jahren wuchs und aktuell auf 150 Milliarden Dollar geschätzt wird. Heute liegt er nur noch in den Top Ten.

Technologien wie künstliche Intelligenz sind Buffett fremd. Zwar investierte er mit Berkshire Hathaway zuletzt verstärkt in Google. Aber Aktien des umschwärmten Chipkonzerns Nvidia sucht man bis heute vergeblich in seinem Portfolio. KI-Hype? Kommt in Buffetts Welt nicht vor. Stattdessen hält er Beteiligungen an einer Turnschuhmarke und einem Hersteller von Western-Bedarf. Sie werfen zwar überdurchschnittliche Renditen ab, aber schießen nicht so in die Höhe wie die Geschäftsmodelle der Tech-Konzerne.

Sein Leben spielt sich weit weg von den US-Metropolen ab

Auch sonst ist Buffett das Gegenteil der Tech-Oligarchen. Während Tesla-Chef Elon Musk vom Mars träumt und Amazon-Gründer Jeff Bezos eine mehrtägige Hochzeitssause in Venedig feiert, gibt sich Buffett schon fast übertrieben bodenständig. Beinahe sein gesamtes Leben hat er in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska verbracht, weit weg von den Metropolen der Ost- und Westküste. Seit 1958 wohne er dort im selben Haus, schreibt er in seinem Thanksgiving-Brief, „sechs bis sieben Autominuten vom Büro entfernt, in dem ich die vergangenen 64 Jahre gearbeitet habe“.

Unterschätzen sollte man Buffett nie. Welcher andere CEO kann von sich behaupten, zuverlässig eine Arena zu füllen? Buffett schaffte das in jedem Frühjahr, wenn seine Aktionäre aus der ganzen Welt nach Omaha pilgerten, um zu hören, wie er auf einer kleinen Bühne über das Investieren philosophierte, Filmtipps gab oder Donald Trumps Zollpolitik abkanzelte. Beim vergangenen Mal saß Hillary Clinton im Publikum, die von Buffett im Präsidentschaftswahlkampf 2016 unterstützt worden war. Über seine politische Haltung sagte der Investor einmal: Er sei Demokrat, der auch schon Republikaner gewählt habe.

Buffetts Nachfolger soll Greg Abel werden, seit vielen Jahren schon seine rechte Hand im Unternehmen. Mit 65 Jahren ist Abel zwar selbst schon im Rentenalter, aber er soll Berkshire Hathaway nach Buffetts Willen die nächsten Jahrzehnte führen. Auch Buffetts drei Kinder sind schon um die 70. Sie sollen die Firmenanteile ihres Vaters nun mit erhöhter Geschwindigkeit übertragen bekommen, schreibt Buffett in seinem Aktionärsbrief. Alle drei haben wohltätige Stiftungen und verfügen nach Ansicht ihres Vaters über „die Reife, die Intelligenz, die Energie und das Gespür, um ein großes Vermögen zu verwalten“.

Buffetts älterer Sohn Howard soll einmal an die Spitze des Aufsichtsrats von Berkshire Hathaway rücken. Noch sitzt dort Warren Buffett, voraussichtlich bis zu seinem Tod. Auch seinen jährlichen Thanksgiving-Brief will er weiter schreiben. Nach Verstummen klingt das nicht.

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MeinungAnlagestrategie
:Buffetts Botschaft lautet: Man muss auf dem Aktienmarkt gar nicht zocken

SZ PlusKommentar von Harald Freiberger

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