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Warenhauskette Karstadt:Retter gesucht

Karstadt

Warenhauskette Karstadt: Für einen Retter ist noch Platz

(Foto: dpa)

Die Lage ist schlecht, damit aber nicht genug: Die Karstadt-Partner Nicolas Berggruen und Rene Benko streiten jetzt darüber, wer die Sanierung der angeschlagenen Kaufhauskette bezahlen soll.

Von Caspar Busse, Christoph Gießen und Kirsten Bialdiga, Düsseldorf

Wenn es um Investitionen ging, spielten sich im Karstadt-Aufsichtsrat zuletzt ruppige Szenen ab. Arbeitnehmervertreter, die dringend benötigte finanziellen Mittel einforderten, wurden von Getreuen des Miteigentümers Nicolas Berggruen, brüsk abgefertigt: "Wozu brauchen Sie Geld - davon haben Sie doch genug." Wer wie viel zur Rettung von Karstadt beiträgt, ist jedoch längst nicht mehr nur ein Konflikt zwischen der Gewerkschaft und Berggruen. Spätestens seit dem Abgang der Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt Anfang der Woche zeichnet sich auch zwischen den Inhabern der kriselnden Warenhauskette Streit ab.

Auf der einen Seite steht Berggruen, der Deutschamerikaner will das auch für ihn rufschädigende Kapitel Karstadt abschließen und die ihm verbliebenen 83 Warenhäuser abstoßen - am besten an René Benko, den Mann auf der anderen Seite. Mit seiner Firma Signa hatte der österreichische Immobilieninvestor in den vergangenen Jahren Filiale für Filiale gekauft - inzwischen besitzt Signa mehr als 20 Karstadt-Immobilien. Im Herbst 2013 übernahm Signa zudem die Mehrheit an den Karstadt-Sporthäusern und den drei Luxusstandorten KaDeWe (Berlin), Oberpollinger (München) und Alsterhaus (Hamburg). Damals wurde offenbar ebenfalls vereinbart, dass Benko auch die Mehrheit an den übrigen Kaufhäusern übernehmen kann, für einen symbolischen Euro. Dementiert wurde diese geheime Absprache nie.

Berggruen und Benko würden nun über einen Verkauf von Karstadt verhandeln, berichtet jetzt Bild. Die Option soll also gezogen werden. Zu Spekulationen nehme man keine Stellung, sagt dazu ein Signa-Sprecher. Aus Unternehmenskreisen ist jedoch zu hören, dass es derzeit keine Verkaufsverhandlungen gebe - dafür aber Zwist.

Kosten im zweistelligen Millionenbereich

Berggruen, so die Forderung aus Österreich, müsse zunächst ein Sanierungskonzept für Karstadt vorstellen und Aufräumarbeiten anstoßen. An den Kosten dafür müsse sich der Investor natürlich auch beteiligen. Selbst eine eilige Sanierung mit Filialschließungen und betriebsbedingten Kündigungen dürfte nach Schätzungen einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag kosten - die Streitigkeiten mit den Gewerkschaften und Imageschäden noch nicht eingepreist.

Offenbar ist die Chemie zwischen den Partnern nicht mehr so wie früher. Benko, so ist zu hören, wolle nicht als Sündenbock für die gescheiterte Karstadt-Übernahme herhalten. Benkos Plan sei es, die Karstadt-Immobilien zu einem späteren Zeitpunkt zu hochwertigen Shopping-Welten umzubauen und neue Mieter auf die Verkaufsflächen zu holen. Allein dafür wäre aber wohl ein Milliardenbetrag fällig. Vorläufig sei Benko vor allem an regelmäßigen Zahlungen seines Mieters Karstadt interessiert. "Die Übernahme des operativen Warenhausgeschäfts käme für ihn zum jetzigen Zeitpunkt ein bisschen verfrüht", heißt es. Ist Karstadt also eine ungeliebte Firma?

"Karstadt ist für uns überhaupt kein Thema, nach wie vor", sagte Olaf Koch, Chef von Metro, zu dem auch Konkurrent Kaufhof gehört. Aber die Vorgänge werden dort genau beobachtet. Sollte sich die Lage verschärfen und Karstadt noch einmal in die Insolvenz schlittern, könnte Metro vielleicht doch zum Zuge kommen. Intern sind angeblich schon mal die Folgen durchgerechnet worden. Höchstens 20 Karstadt-Filialen könnten bei Kaufhof reinpassen. 20 von mehr als 80 Häusern.

© SZ vom 12.07.2014/pauk

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