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Warenhaus in der Krise:Chef des Kaufhof-Mutterkonzerns gefeuert

Galeria Kaufhof

Das Logo der Kaufhauskette Galeria Kaufhof. Wie lange wird es wohl noch deutsche Innenstädte prägen?

(Foto: dpa)
  • Der kanadische Einzelhandelskonzerns Hudson's Bay Company (HBC) hat vor zwei Jahren Galeria Kaufhof übernommen.
  • Seitdem macht Kaufhof mehr und mehr Verlust. Nun sollen Gehälter gekürzt und die Arbeitszeit verlängert werden. Insidern zufolge könnte die Insolvenz drohen.
  • Der HBC-Verwaltungsrat hat Chef Jerry Storch zum Rücktritt gedrängt. Er habe die Lage in Europa falsch eingeschätzt und die Situation dem Board gegenüber geschönt.

Mitten in der größten Krise seit Bestehen von Galeria Kaufhof ist am Freitagabend der Chef der kanadischen Konzernmutter Hudson's Bay Company (HBC), Jerry Storch, zum Rücktritt gezwungen worden. Er wird das Unternehmen bereits zum 1. November verlassen.

Storch wird vom HBC-Verwaltungsrat dafür verantwortlich gemacht, die Lage in Deutschland und Europa völlig falsch eingeschätzt zu haben. Er sei nicht in der Lage gewesen, die Besonderheiten des deutschen Marktes zu erkennen und habe keinen Blick fürs Detail gehabt.

Seit der Übernahme von Kaufhof durch HBC vor zwei Jahren steigen bei der deutschen Warenhauskette die Verluste. Brancheninsider schließen ein Insolvenzrisiko nicht aus. Vor der Übernahme galt Kaufhof als kerngesundes Unternehmen. Storch selbst hatte nach der Übernahme Ende 2015 angekündigt, Kaufhof zu eines der "weltbesten Warenhäuser" zu formen. Heute steht das Unternehmen vor dem Aus.

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Kaufhof beantragte vor zehn Tagen bei der Gewerkschaft Verdi, die Löhne und Gehälter der etwa 21 000 Mitarbeiter kürzen und die Arbeitszeit verlängern zu dürfen. Verdi will jedoch zuerst Einblick in die Geschäftszahlen von Kaufhof erhalten, ehe die Gewerkschaft darüber entscheidet, Verhandlungen aufzunehmen.

Von den Lieferanten fordert die Kölner Warenhausfirma einen Rabatt von zwei Prozent. Modehäuser wie s.Oliver verlangen angesichts der dramatischen Finanzlage von Kaufhof Vorkasse. Die fünf Spitzen-Manager von HBC verdienen, wie nun bekannt wurde, zusammen mehr als 21 Millionen Dollar, Storch allein davon sechs Millionen Dollar.

Diverse Spitzenpositionen sind vakant, weil sich kein Nachfolger findet

Storch soll als Chef gelten, der die Sorgen und Nöte von Mitarbeitern und Lieferanten einfach ignoriert und seine Meinung immer durchsetzt. Das soll ihn bei Mitarbeitern und Managern unbeliebt gemacht haben. Ihm wird auch vorgeworfen, die Situation im amerikanischen Board geschönt und falsch dargelegt zu haben. Er soll die steigenden Verluste von Kaufhof, das Scheitern der Konzepte und das Chaos im Management verschwiegen haben.

In den zwei Jahren seit der Übernahme durch HBC hat Kaufhof bereits zwei Deutschland-Chefs, einen Aufsichtsratsvorsitzenden und mehrere weitere Top-Manager verschlissen. Diverse Spitzenpositionen sind vakant, weil sich kein Nachfolger findet. Seit sechs Monaten sucht Kaufhof angesichts der verheerenden finanziellen Situation vergeblich einen neuen Deutschland-Chef.

Zudem gilt die Einführung des Markendiscounters Saks off Fifth in mehreren deutschen Städten als misslungen. Die Läden laufen weit unter Plan. Das Konzept wird selbst von Managern großer Modehäuser offen kritisiert.

Die Krise spitzt sich kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft weiter zu

Der HBC-Verwaltungsrat wirft Storch auch vor, den kanadischen Einzelhandelskonzern an den Rand der finanziellen Möglichkeiten gebracht zu haben. Zu HBC gehören große amerikanische Einzelhandelsketten wie Hudson's Bay, Saks Fifth Avenue, Lord & Taylor und die Gilt Group. Auch der amerikanische stationäre Einzelhandel befindet sich in einer Krise. HBC hat hohe Schulden und Verluste angehäuft, Tausende Mitarbeiter entlassen, der Aktienkurs ist stark gefallen. Der HBC-Verwaltungsratsvorsitzende Richard Baker soll Storch kommissarisch ersetzen. Baker ist Selfmade-Milliardär und Eigentümer von HBC.

Für Kaufhof ist die Lage dramatisch. Die Krise spitzt sich kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft weiter zu. Kaufhof bräuchte dringend Hunderte von Millionen Euro frisches Geld. Aber das ist vom selbst angeschlagenen Mutterkonzern nicht zu erwarten. Allein wird Kaufhof sich jedoch kaum aus der Krise befreien können. Derweil zittern die Mitarbeiter um ihre Jobs.

Verdi kündigte an, zu überprüfen, ob HBC beispielsweise über Mieterhöhungen Kapital aus Deutschland abgezogen hat und statt am Warenhausgeschäft rund um Kaufhof viel mehr daran interessiert war, die Immobilienwerte zu optimieren. Von HBCs anfangs gemachten großartigen Versprechen ist bis heute jedenfalls nichts umgesetzt. Kaufhof geht es schlechter denn je. Eine Tragödie für den deutschen Handel.

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