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Mögliche Übernahme von Kaufhof:Karstadt-Eigentümer Benko will Standortgarantie geben

Karstadt Governing Board Meets For First Time Since Benko Takeover

Wird das Bummeln vor den Schaufenstern von Karstadt bald austauschbar mit dem Stöbern bei Kaufhof?

(Foto: Thomas Lohnes/Getty)
  • Der Signa-Holding des österreichischen Immobilienentwicklers René Benko gehört seit 2011 Karstadt. Offenbar will Benko nun auch Kaufhof übernehmen.
  • Offenbar verhandelt Signa seit mehreren Monaten mit Metro, Eigentümer von Kaufhof.
  • Signa scheint zu weitgehenden Zugeständnissen bereit: eine mehrjährige Arbeitsplatz- und Standortgarantie.

Es ist eine Sehnsucht, die in der Handelswelt schon von so manchem Manager beschrieben wurde. Ja, selbst ein eigenes Kürzel haben die Krämer der Republik ihrem Traum gegeben. "K und K". Das steht nicht für die österreichisch-ungarische Monarchie, sondern für eine Fusion von Kaufhof und Karstadt. Zuletzt phantasierte Karstadt-Kurzzeiteigentümer Nicolas Berggruen davon, als er Ende 2011 für Kaufhof bot. Eine Unternehmensberatung schrieb ihm eigens dazu ein Denkpapier: Wenn "Mars" (gemeint war Karstadt) und "Venus" (Kaufhof) zusammengingen, entstünde "Zeus". 317 Millionen Euro könnten eingespart werden, rechneten ihm die Berater vor. Von damals 227 K-und-K-Häusern hätten etwa 50 geschlossen werden können: In etlichen Städten mit einem Kaufhof und einer Karstadt-Filiale wäre nur noch ein Haus übrig geblieben. Zu diesem Deal kam es allerdings nicht. Karstadt wurde stattdessen in der Berggruen-Zeit komplett heruntergewirtschaftet.

Jetzt, dreieinhalb Jahre später, könnte das Projekt Zeus jedoch wieder in anderer Form aufleben. Der Mann, der sich anschickt, Kaufhof zu erwerben, ist der österreichische Immobilienentwickler René Benko. Der von ihm gegründeten Signa-Holding gehört seit knapp einem Jahr Karstadt. Ende 2011 war er es, der sich eine Übernahmeschlacht mit Berggruen um Kaufhof lieferte - bei der letztlich beide unterlagen, weil das Kaufhof-Mutterunternehmen Metro den Verkauf absagte.

Geheime Verhandlungen zwischen Metro und Signa

Nun versucht Signa es erneut. Und wieder gibt es einen Wettbewerber. Dem Vernehmen nach hat neben den Österreichern auch der an der Börse in Toronto gelistete Warenhauskonzern Hudson's Bay Interesse an Kaufhof. Noch im Juni könnten die Nordamerikaner laut Insidern ein Angebot vorlegen. Das hat Signa bereits getan. Knapp drei Milliarden Euro ist der Karstadt-Eigentümer bereit, für den deutlich profitableren Konkurrenten zu zahlen. Ein Preis, der weit über den Geboten von 2011 liegt.

Der Großteil des Geldes dürfte auf die Kaufhof-Immobilien entfallen. Im Unterschied zu Karstadt sind rund die Hälfte der Kaufhof-Häuser tatsächlich noch in eigenem Besitz . Für Benko, der aus dem Immobiliengeschäft stammt, sind wohl gerade diese zumeist sehr zentral gelegenen Häuser interessant.

Seit mehreren Monaten verhandelte Signa geheim mit dem Metro-Management. Um alle Seiten von der österreichischen Offerte zu überzeugen, ist Signa anscheinend zu weitgehenden Zugeständnissen bereit. Eine mehrjährige Arbeitsplatz- und Standortgarantie soll Benko der Politik in Berlin und der zuständigen Gewerkschaft Verdi in Aussicht gestellt haben. Um eine Konkurrenz von Karstadt und Kaufhof zu vermeiden, beabsichtige Signa das Sortiment zu verändern, heißt es.

Karstadt oder Kaufhof, eine der beiden Kette müsste dann völlig neu positioniert werden.

Metro könnte Klumpenrisiko abbauen

Schon lange denken sie bei der Metro darüber nach, Kaufhof abzugeben. Vor allem die Metro-Muttergesellschaft Haniel zieht sich derzeit immer weiter aus ihrem Engagement bei dem Handelskonzern zurück und baut ihre Beteiligung ab. Für sie würde ein Kaufhof-Verkauf dazu beitragen, das Klumpenrisiko abzubauen, das Metro mit ihren über 45 Milliarden Euro Umsatz für den Haniel-Konzern bedeutet. Noch aber ist nichts unterschrieben, noch ist Benko nicht am Ziel. Stattdessen gibt auch einiges, was für die Kanadier spräche. Eine Kaufhof-Übernahme wäre für den Konzern, der mit dem Pelz- und Fellhandel groß geworden ist, ein erster Schritt nach Europa. Schließungen von Häusern wären daher unwahrscheinlich. Konzernchef Richard Baker gilt als einer der erfahrensten der gesamten Branche. Erst kürzlich hat das Unternehmen mit 45 000 Beschäftigten und einem Umsatz von 8,3 Milliarden kanadischen Dollar die Luxuskette Saks Fifth Avenue übernommen. Hudson's Bay müsste allerdings den Beweis antreten, dass es den eigentümlichen deutschen Warenhausmarkt beherrscht. Bei Karstadt in der Berggruen-Zeit führte ein britischer Manager die Geschäfte und orderte am deutschen Geschmack vorbei.

In Gewerkschaftskreisen ist Ähnliches zu hören. Es wird befürchtet, dass zu viele Markenhersteller in die Kaufhäuser einziehen könnten und dort ihre eigenen Shops aufmachten, wenn Hudson's Bay das Rennen macht. In den Warenhäusern müsse das Geschäft aus einer Hand und mit eigenen Beschäftigten betrieben werden, fordern die Arbeitnehmervertreter. Eine Fremdbewirtschaftung von Flächen, wie sie in anderen europäischen und nordamerikanischen Warenhausunternehmen betrieben wird, sei kein tragfähiges Zukunftskonzept, weder für die Beschäftigten noch für die Kunden. Ohne Einsparungen und Jobabbau ergibt jedoch auch ein Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof wirtschaftlich wenig Sinn. Zwar wäre die Kaufhof-Belegschaft aufgrund der in Aussicht gestellten Garantien für vier, vielleicht fünf Jahren sicher, wenn aber die Fristen ausgelaufen sind, ließe sich alleine durch den Wegfall einer der beiden Zentralen ein zweistelliger Millionenbetrag sparen - etwa 1200 Mitarbeiter wären betroffen, so stand es bereits im Papier der Berggruen-Berater. Eine Unwägbarkeit für das Benko-Lager bei der geplanten Übernahme könnte Metro-Chef Olaf Koch selbst sein. Er war es, der Anfang 2012 den Verkauf abblies. Koch und Benko, heißt es, seien zwei grundverschiedene Typen, die miteinander nicht richtig warm werden.

Seit dem Abbruch der Gespräche betonte Koch immer wieder dreierlei: Bei einem Verkauf müsse der Preis stimmen, es müsse ein tragfähiges Konzept vorliegen und der Käufer brauche eine stabile Finanzierung. Vor allem daran haperte es vor dreieinhalb Jahren bei der Benko-Offerte: Etwa 600 Millionen Euro des damaligen Zwei-Milliarden-Angebots sollten durch ein Verkäuferdarlehen zustande kommen. Die Kaufhof-Mutter Metro hätte also Signa Geld leihen sollen, um den Verkauf zu stemmen. Das war Metro zu windig. Diesmal soll es anders laufen: Hinter dem Angebot der Österreicher stehen mit der HVB und der Citibank zwei große Institute, das klingt nach einer stabileren Finanzierung.

"Mit Verbrechern machen wir keine Geschäfte"

Doch es gab noch einen zweiten Grund, warum vor dreieinhalb Jahren der Deal scheiterte: Es war das Veto des ehemaligen Metro-Aufsichtsrates Erich Greipl. Eine Institution im Handel, ein Mann der Tradition, der seit Jahrzehnten mit dem Unternehmen verbandelt war. Energisch stellte er sich gegen einen Verkauf. Von K und K, dem Traum Berggruens, hielt er wenig. Er sagte aber auch immer und immer wieder: "Mit Verbrechern machen wir keine Geschäfte." Gemeint war wohl Benko, gegen den wegen Korruption in Österreich ermittelt wurde und der letztlich auch deswegen verurteilt worden ist. Im Sommer 2013 ist Greipl gestorben und die wortstarke Opposition im Aufsichtsrat seitdem geschwächt.

In den vergangenen Jahren hat Benko viel dazugelernt. Er selbst steht inzwischen nicht mehr an der Signa-Spitze, sondern zieht im Hintergrund die Fäden. Auch seine Taktik hat er verändert. 2011 verhandelte er noch direkt mit einem kleinen Kreis um Eckhard Cordes, Kochs Vorgänger als Metro-Chef. Die Politik und die Gewerkschaften interessierten ihn damals kaum. Diesmal scheint Signa den Deal besser vorbereitet zu haben. Benko hat bei den Großaktionären und in Berlin vorfühlen lassen. Trotz der zahlreichen Gespräche, die in den vergangenen Monaten geführt worden sind, gelang es den Österreichern, dass lange Zeit niemand Verdacht schöpfte. Wann immer nach der Karstadt-Übernahme jemand nach dem Kaufhof fragte, wurde von Signa knallhart dementiert, dass ein Interesse an K und K besteht. Doch genau darum ging es in den vergangenen Monaten. Und darum geht es jetzt auch bei der Zukunft von Karstadt.