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Wann der Ex-Partner erbt:Amy Winehouses juristisches Vermächtnis

Der Ex-Mann von Amy Winehouse erhebt Anspruch auf einen Teil ihres Nachlasses. Nach deutschem Recht wäre das kaum denkbar. Doch es gibt auch hierzulande Ausnahmen, bei denen ein geschiedener Partner erbt.

Wenn ein nahestehender Mensch stirbt, dann ist da erst die Trauer. Und dann irgendwann die Frage: Was bedeutete ich diesem Menschen? Es ist der ultimative Schlussstrich, die Bilanz einer Beziehung, eines Lebens. Wer sich unsicher ist oder mit der Bilanz unzufrieden, der kämpft nicht zuletzt oft ums Erbe. Schließlich soll wenigstens da die Abschlussrechnung stimmen. Beim Geld. Wenn sie schon im Leben nicht stimmte.

FILE - Amy Winehouse

Amy Winehouse und ihr damaliger Mann Blake Fielder-Civil im Jahre 2007.

(Foto: Getty Images)

Niemand weiß wohl wirklich, welche Rechnung der ehemalige Mann von Sängerin Amy Winehouse noch offen hat, mit dem Leben, mit ihr. Blake Fielder-Civil will - glaubt man den Berichten britischer Magazine - nun etwas von dem Elf-Millionen-Pfund-Erbe der Sängerin haben, die am 23. Juli tot in ihrer Londoner Wohnung gefunden worden war.

Ein kurzes, wildes, heftiges Leben, 27 Jahre nur, zwei davon verheiratet mit Fielder-Civil, vereint in ihrer Liebe zu Drogen und Alkohol. Und in wahnsinniger Verzweiflung, wie es häufig nach außen schien. Auch noch über die Scheidung 2009 hinaus. Sagt er zumindest.

Nichtsdestotrotz wird er in Amys Testament nicht genannt und wird deshalb leer ausgehen. Das Geld wird an die Familie gehen. Vater Mitch gab bereits bekannt, eine Stiftung gründen zu wollen, die Problemkindern und Suchtkranken helfen soll. Fielder-Civil dagegen findet wohl, Amy habe das anders gewollt. Er sitzt übrigens gerade wieder im Gefängnis. Diesmal wegen Raubes und Waffenbesitzes. Für 32 Monate. Mag sein, also, dass er Geld braucht. Auch wenn er bei der Scheidung vor zwei Jahren 2,4 Millionen Pfund bekommen haben soll.

Nach deutschem Recht haben geschiedene Ehegatten keinen Anspruch auf einen Teil vom Erbe, auch nicht auf einen Pflichtteil. Dennoch kann es sein, dass sie indirekt erben - über ein gemeinsames Kind: "Wenn zum Beispiel die Mutter stirbt, erbt das gemeinsame Kind ihr Vermögen. Stirbt das Kind später ebenfalls und hat keinen eigenen Nachwuchs, geht das Erbe an den Vater und damit an den ehemaligen Ehegatten", erklärt der Münchner Erbrechtsexperte Bernhard F. Klinger.

Um das zu verhindern, gibt es extra Geschiedenentestamente, in denen ein Ex-Gatte einen Nacherben festlegen kann, an den das Geld statt des Ex-Partners geht, falls das Kind erbt und dann stirbt. Wie auch immer. Ein Kind hatten Winehouse und Fielder-Civil nicht.

Und noch einen Fall gibt es, in dem der Ex-Partner einen Teil vom Erbe bekommt. Denn derjenige, der das Geld erbt, haftet für Unterhaltsansprüche des Verstorbenen. "Es kann dann dazu kommen, dass die zweite Frau des Mannes an die erste Unterhalt zahlen muss", erklärt Rechtsanwalt Klinger, "eine schwierige Situation, zumal die neue Frau nicht selten der Scheidungsgrund war." Dies ist aber tatsächlich nur der Fall, wenn der Ex-Gattin auch bei Lebzeiten Unterhalt zugesprochen bekam. Und: Der Betrag ist nach oben gedeckelt.

Ein weiterer Grund, weshalb ab und an doch geschiedene Partner erben: "Manch einer vergisst das Testament oder den Begünstigten einer Lebensversicherung zu ändern", so Klinger. Nach einer Scheidung würden sich viele um so etwas nicht kümmern. Frauen gingen da eher zum Friseur und Männer ein Bier trinken.

Dass er Letzteres nach der Scheidung getan hat, immerhin darauf dürfte bei Fielder-Civil wohl Verlass sein.

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