Wahlkampf Trump mag Facebook

Der US-Präsident hat das soziale Netzwerk ausgiebig für den Wahlkampf genutzt - in fast sechs Millionen Varianten.

Von Jannis Brühl

Politisch kann der progressive Mark Zuckerberg vielleicht wenig mit Donald Trump anfangen, aber einem seiner besten Kunden wollte er dann doch gratulieren. Wenige Tage nach der US-Präsidentschaftswahl 2016 rief der Facebook-Chef den siegreichen Kandidaten der Republikaner an. Das berichtet das Medienportal Buzzfeed unter Verweis auf anonyme Quellen. Trump und Facebook wollten keine Stellung dazu nehmen. Der Anruf zeigt, wie zentral Facebook für Trumps Wahlkampf war - und wie wichtig Trump für Zuckerberg war.

Ein Teilnehmer der Comic-Con 2018 in San Diego hat sich als "Darth Trump", einer Mischung aus Darth Vader aus Star Wars und US-Präsident Trump, verkleidet.

(Foto: K.C. Alfred/dpa)

Trumps Team hatte in bis dahin ungekanntem Umfang Wahlwerbung auf Facebook geschaltet. Der Kandidat gab dafür Bloomberg zufolge 44 Millionen Dollar aus, seine Rivalin Hillary Clinton nur 28 Millionen. Der ausgeklügelte Einsatz der Anzeigen gilt als einer der Gründe für Trumps überraschenden Wahlsieg. Die Werbung wurde Nutzern des Netzwerkes gezielt nach deren Interessen und persönlichen Merkmalen ausgespielt. Zuckerberg soll in dem Gespräch auch Trumps erfolgreiche Kampagne gelobt haben.

5,9 Millionen

Varianten von Anzeigen hat Donald Trump in der Facebook-Kampagne für den Wahlkampf geschaltet, während es bei Hillary Clinton nur 66 000 waren, so Bloomberg.

Die republikanischen Wahlkämpfer nutzten Facebooks System intensiv und teils automatisiert. Wieder und wieder testeten sie Varianten bestimmter Anzeigen an kleinen Gruppen von Nutzern. Sobald eine Variante dort verfing, wurde sie skaliert und einem größerem Publikum ausgespielt. Manche Nutzer reagierten zum Beispiel positiv auf Worte wie "Spenden" oder "Beitragen". In internen Präsentationen erklärten Facebook-Mitarbeiter Trumps Team zum "Innovator", schreibt Buzzfeed. Facebooks Fachleute sollen so begeistert von dessen Ansatz namens TLA ("Testen, Lernen, Anpassen") gewesen sein , dass sie sich davon für eigene Kampagnen inspirieren ließen.

Das so genannte Microtargeting steht auch in der Kritik. Das zielgenaue Ausspielen von Werbung ermöglicht es Politikern, einander widersprechende Botschaften an verschiedene Wählergruppen auszuspielen. Facebook reagierte auf die Kritik und zwingt politische Akteure mittlerweile, sich auszuweisen. Zudem können Nutzer alle Anzeigen einer Facebook-Seite in einer Übersicht sehen, inklusive Informationen dazu, wer dahintersteckt und wie viel er dafür ausgegeben hat. Es bleibt aber fraglich, ob Facebook alle politischen Anzeigen als solche erkennen kann.