Wahl in Frankreich:Banker wollen nicht an einen Sieg Le Pens glauben

Nicht beeindrucken lassen sich zumindest französische Banker. Sie glauben nicht, dass Le Pen Gelegenheit bekommt, ihr Programm nur ansatzweise in die Tat umzusetzen. "Das politische Risiko existiert, das lässt sich nicht abstreiten", sagt Isabelle Mateos y Lago, eine hochrangige französische Investmentstrategin beim weltweit größten Vermögensverwalter Blackrock. Aber viele internationale Investoren seien auf Le Pen fixiert, sie neigten "zu einer alarmistischen und vereinfachenden Wahrnehmung" der Wahl, deren zweistufiges System "vielleicht nicht richtig verstanden" werde. Konkurrent Amundi hält die Nervosität, die manche Anleger mit sogenannten Leerverkäufen in die Märkte für französische Anleihen und Aktien tragen, ausdrücklich für eine Chance, mit Gegenwetten Gewinn zu erzielen.

Bei der Pariser Privatbank Oddo, Eignerin des deutschen Geldhauses BHF, klärt Chefökonom Bruno Cavalier die Kunden in einem ausführlichen Papier darüber auf, warum das Le-Pen-Risiko gering sei. Nur in zwei unwahrscheinlichen Fällen hält er den Sieg der Rechtsextremen für möglich: Wenn es nicht ein gemäßigter, sondern ein linksradikaler Kandidat gegen Le Pen in die Stichwahl schafft; dann wäre der Ausgang ungewiss.

Oder wenn die Beteiligung am zweiten Wahlgang bei nur 50 Prozent liegt, die treuen FN-Wähler also überproportionales Gewicht bekommen. Im zweiten Wahlgang ist jedoch eine Beteiligung von etwa 80 Prozent üblich.

Selbst bei einem Wahlsieg wäre eine Verfassungsänderung schwierig

Aber selbst als Präsidentin bräuchte Le Pen noch eine FN-Mehrheit bei der Parlamentswahl im Juni, die auch auf Grundlage der gegenwärtigen Umfragerfolge außer Reichweite scheint. Der Weg zu einer Verfassungsänderung per Referendum, die für den EU- und Euro-Austritt nötig wäre, ist noch schwieriger, erläutert Cavalier unter Verweis auf das geltende Recht. Am Ende ermittelt er in einer Wahrscheinlichkeitsrechnung Le Pens Siegchancen: Sie betragen demnach elf Prozent - obwohl die FN-Frontfrau in allen Umfragen vorn liegt, also fast sicher in den zweiten Wahlgang einziehen wird.

Reden sich Frankreichs Banker, redet sich das Establishment nur Mut zu? Immerhin hält es die Pariser Finanzbranche für nötig, in den Streit einzusteigen. Und die Spekulation gegen Frankreich könnte in den kommenden Wochen noch viel stärker weitergehen.

Der US-Bank JP Morgan reicht selbst ein geringes Le-Pen-Risiko, um Kunden den Ausstieg aus Frankreich zu empfehlen, ehe Frankreich aus der EU aussteigt. Das Institut gibt zu, Le Pen im Elysée-Palast sei ein "sehr unwahrscheinliches Szenario. Aber selbst wenn es eintritt, könnten die Auswirkungen gewichtig sein". Allein der Wahlsieg der Rechten würde schlimmere Verwerfungen an den Märkten anrichten als die Griechenland-Krise. Als "Schutz gegen eine populistische Wahl in Frankreich" rät JP Morgan übrigens zu deutschen Aktien.

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