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Waffengeschäft:Geballte Feuerkraft

Michael Golden bringt den US-Waffenhersteller Smith & Wesson mit Unterstützung liberaler Gesetze wieder in Schuss.

Von Andreas Oldag

Für die einen ist das Geschäft von Michael Golden unmoralisch und mörderisch. Für andere geht es dagegen um nichts weniger als die Freiheit Amerikas. In den USA leben viele Waffenfans, und Golden bedient gern ihre Wünsche. Er ist Chef der berühmten Waffenschmiede Smith & Wesson. "Smith & Wesson bedeutet viel. Es steht für Amerika", erklärte er kürzlich in einem Interview mit der New York Times. Immerhin wird dem 51-Jährigen Manager nachgesagt, er habe - bevor er die Topposition vor zwei Jahren bei Smith & Wesson annahm - noch nie den Abzughebel einer Feuerwaffe getätigt.

Smith Wesson

Eine .50-Kaliber Magnum

(Foto: Foto: AP)

Golden versteht sich denn auch weniger als fanatischer Waffennarr, sondern als kühl kalkulierender Manager, der den wirtschaftlichen Erfolg einer legendären Marke im Visier hat. Erfahrungen hat Golden bereits reichlich gesammelt: Er war in führenden Positionen beim Bad-Ausstatter Kohler und dann später für den Werkzeughersteller Black & Decker tätig. Es sei allerdings ein bisschen mehr "Action", Waffen zu verkaufen als Toiletten, meint Golden scherzhaft.

Smith & Wesson wurde 1852 von den Geschäftsleuten Horace Smith und Daniel Wesson gegründet. Die aufstrebende Firma rüstete Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg (1861 - 1865) aus. Mit Revolvern von Smith & Wesson ballerten Cowboys im Wilden Westen herum. Film-Cop Clint Eastwood trägt in "Dirty Harry" eine Smith & Wesson .44 Magnum, um in San Francisco einen Serienkiller zu jagen.

Vietnam-Kriegs-Veteranen schwören auf die Produkte, die in der 150-Einwohner-Stadt Springfield im US-Bundesstaat Massachusetts hergestellt werden. Doch in den 80er und 90er Jahren schlitterte das Unternehmen, das hauptsächlich Revolver und Pistolen herstellt, in die Krise. Ausländischen Produzenten, wie zum Beispiel die österreichische Waffenfirma Glock, gelang es, im heiß umkämpften Markt für die Ausrüstung der amerikanischen Polizei einzubrechen und lukrative Aufträge zu ergattern. Hinzu kamen striktere Waffengesetze in der Regierungszeit des demokratischen Präsidenten Bill Clinton. Eine schwierige Zeit für Smith & Wesson. "Wir hatten keine Aufträge von staatlichen Behörden. Null. Wir hatten keinen Repräsentanten in Washington", erklärt Firmenchef Golden.

So war es kein Zufall, dass Marketingexperte Golden als eine seiner ersten Amtshandlungen bei Smith & Wesson die für die ganze Branche wichtige Lobbytätigkeit in Washington belebte. Für diese Zwecke wurde eine PR-Firma angeheuert, deren Aufgabe es war, Politiker im US-Kongress vom Segen der amerikanischen Waffenindustrie im Allgemeinen, aber besonders auch von der Qualität der Smith & Wesson-Produkte zu überzeugen.

Die geballte politische Feuerkraft hatte offenbar Erfolg. In einer ganzen Reihe von Gesetzen lockerte der Kongress - vor allem auch auf Betreiben der konservativen Bush-Regierung - in den vergangenen Jahren die Waffengesetze. Einen politischen Sieg errang die Industrie im Herbst 2005: So verabschiedete der US-Kongress ein Gesetzespaket, um die Branche vor Schadensersatzklagen zu schützen. Danach können Waffenhersteller und Händler nicht mehr für den Missbrauch von Waffen bei Verbrechen verantwortlich gemacht werden. Die größte Waffenlobby in den USA, die "National Rifle Association", sprach von einem "historischen Sieg". Bis dahin hatten Schusswaffenopfer oder deren Angehörige die Möglichkeit, vor Gericht zu ziehen und Schadensersatz zu fordern.

Golden macht keinen Hehl daraus, dass er sich über solchen politischen Rückenwind aus Washington freut. Es belebe das Geschäft, sagt er. Es sei erstaunlich, wie einfach es sei, sich Gehör bei Mitgliedern des US-Kongresses zu verschaffen. Doch als erfahrener Manager weiß er, dass Marketing und PR auch gute Produkte voraussetzen. So hat Smith & Wesson im vergangenen Herbst eine neue, weitgehend aus hochfestem Kunststoff gefertigte Pistole auf den Markt gebracht, die wegen ihres geringen Gewichts von der amerikanischen Polizei verlangt wird. Der Erfolg blieb nicht aus: Kaliforniens Autobahnpolizei orderte ebenso bei Smith & Wesson wie die Gefängnisbehörde von North Carolina.

Hoffnungen macht sich der Unternehmenschef auch auf Aufträge von der amerikanischen Armee, die bislang noch mit Pistolen der italienischen Waffenfirma Beretta ausgerüstet ist. "Das Pendel schwingt zugunsten amerikanischer Hersteller um. Amerikanische Truppen sollen auch amerikanische Waffen tragen", sagt Analyst Eric Wold von der Investmentfirma Merriman Curhan Ford. Analysten erwarten für Smith & Wesson einen Gewinnanstieg um 60 Prozent in diesem Jahr. Der Aktienkurs ist bereits von zwei Dollar im Jahr 2005 auf acht Dollar gestiegen. Die guten Ergebnisse will Golden nutzen, um die Marke Smith & Wesson auszubauen. So sollen verstärkt auch Produkte wie Kleidung für den passionierten Jäger den Umsatz ankurbeln. Unterstützt wird dies alles durch eine Werbekampagne im Fernsehsender "Men's Channel" - Smith & Wesson ist für harte Kerle da.

© SZ vom 2.9.2006
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