Ganz einfach sind die Zeichen gerade nicht zu deuten. Einerseits will die Bundesregierung die Regeln für neue Heizungen ändern und den Einbau konventioneller Gasheizungen wieder pauschal erlauben. Andererseits wirkt sich der Iran-Krieg bereits spürbar in Deutschland aus: Energieversorger haben die Gas- und Strompreise für Neukunden-Verträge in den vergangenen Wochen deutlich erhöht. Zwar können sich die meisten Bestandskunden auf Preisgarantien verlassen, mittelfristig wären aber auch ihre Verträge betroffen. Derzeit ist die Versorgung mit Erdgas weltweit gestört, weil Iran den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus blockiert und Gasanlagen in Katar zerstört hat, deren Reparatur Jahre dauert.
Wer sich also für so etwas vermeintlich Banales wie eine neue Heizung entscheidet, denkt derzeit vermutlich die Weltpolitik mit – zu Recht, denn Erdgas ist als Importgut für Kriege und Krisen anfällig. Energieberater weisen darauf immer wieder hin, sagt Florian Bublies von der Verbraucherzentrale NRW. Er berät Hauseigentümer dabei, welches Heizsystem zu ihrem Gebäude passt. Umweltschutz sei dabei meist nicht das überzeugendste Argument für die Menschen: „Am Ende zählt für Hauseigentümer die Wirtschaftlichkeit der Heizung.“ Und auch wenn jeder Fall anders ist, gibt es in häufigsten Fällen eine klare Richtung.
Das kosten Gasheizung und Wärmepumpe im Betrieb
Daher rechnet Bublies beispielhaft vor, zunächst für die Gasheizung: Ein typischer 4-Personen-Haushalt hat einen jährlichen Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden (kWh). Vor dem Iran-Krieg kostete Erdgas um die acht Cent pro Kilowattstunde, also ungefähr 1600 Euro im Jahr. Der Energieberater geht aber davon aus, dass der Energieträger allein wegen des steigenden CO₂-Preises künftig eher zwischen zwölf bis 14 Cent kostet. Dann sind es bereits 2800 Euro im Jahr. Die Bundesregierung plant allerdings eine sogenannte Grüngasquote, die Versorger sollen also künftig zum konventionellen Erdgas andere, emissionsarme Gase beimischen. Und weil diese tendenziell teurer sind, müssten Haushalte mit Gasheizung perspektivisch eher mit 3200 Euro pro Jahr rechnen.
Diese Rechnung lässt sich auch für die gängige Luft-Wasser-Wärmepumpe aufstellen: Energieberater wie Bublies schauen zunächst, ob das Haus für das Gerät geeignet ist. Dafür müssten die meisten Eigentümer nur wenige Änderungen, etwa den Tausch einzelner Heizkörper, einplanen, meint er. Ist diese Voraussetzung geschaffen, kommt ein Vorteil der Wärmepumpe ins Spiel: Während die Gasheizung aus einer Kilowattstunde Gas eine Kilowattstunde Wärme erzeugt, wandelt die Wärmepumpe eine Kilowattstunde Strom im Durchschnitt in drei bis vier Kilowattstunden Wärme um, sie hat also eine Jahresarbeitszahl von drei bis vier. Um den Strombedarf zu berechnen, muss man daher die 20 000 Kilowattstunden Verbrauch durch die Jahresarbeitszahl teilen. Bublies legt sie beispielhaft bei 3,5 an – und erhält 5800 Kilowattstunden, die die Wärmepumpe benötigt. Wer 25 Cent/kWh für Strom zahlt, hat also jährliche Kosten von 1450 Euro. Selbst wenn das Gerät nur eine Jahresarbeitszahl von zwei hat, sind es 2500 Euro und damit weniger, als der Betrieb einer Gasheizung künftig kosten würde. Es kann zwar sein, dass auch die Strompreise steigen – allerdings ist Erdgas dann ebenfalls teurer.

Hin und her beim Heizungsgesetz:„Das können wir den Leuten nicht mehr erklären“
Anfangs hat Heizungsinstallateur Paul Kirchberger das Gesetz von Robert Habeck bekämpft. Jetzt sagt er: „Lasst es so, wie es ist.“ Ein Gespräch über getriebene Politiker und seine Kundschaft, die es besser weiß als Jens Spahn.
Und was ist mit der teuren Anschaffung?
Nun gehört in eine solche Rechnung selbstverständlich auch der Anschaffungspreis: Wärmepumpen werden weiterhin vom Staat zu maximal 70 Prozent gefördert, die meisten Haushalte erhalten eher um die 55 Prozent Förderung. In Deutschland sind Installation und Geräte recht teuer, daher legt Bublies den realistischen Fall von 40 000 Euro an. Die geförderte Höchstgrenze liegt bei 30 000 Euro, man erhält also 16 500 Euro. Als Eigenanteil bleiben dann 23 500 Euro übrig - 10 000 Euro mehr, als eine Gasheizung in etwa kostet. Wer aber im Jahr grob gerechnet 1500 Euro statt 3000 Euro Betriebskosten hat, spart sich mit der Wärmepumpe in den 15 Jahren Lebensdauer der Geräte 12 500 Euro.
Klar, gibt Bublies zu: „Das ist zwar erst einmal nur eine Bierdeckelrechnung, sie zeigt aber, wie die realistischen Verhältnisse aussehen. Ich kann kein Szenario sehen, in dem die Gasheizung die Wärmepumpe schlägt.“
Handwerksbetriebe und Energieberatungen berichten immer wieder, dass viele Eigentümer befürchten, sie müssten ihr Haus erst einmal sanieren, bevor die Wärmepumpe effizient funktioniert. Aber gerade Gebäude aus den Neunziger- und Nullerjahren, deren Heizsysteme jetzt ausgetauscht werden müssen, benötigen häufig nur wenige Änderungen. Auch für sie kann man eine Förderung erhalten, genauso wie für eine komplette energetische Sanierung, die für ältere Häuser notwendig wäre. Selbst dieser umfassende Aufwand rechnet sich samt Wärmepumpe im Durchschnitt, wenn man die Gesamtkosten auf 20 Jahre betrachtet, wie die gemeinnützige Beratungsgesellschaft CO₂-Online ausgewertet hat. Sie berücksichtigt dafür noch einen weiteren Trend: Wärmepumpen steigern auch den Wert einer Immobilie.
Nicht alle Eigentümerinnen und Eigentümer überzeuge das, meint Energieberater Bublies, „aber mit dem Iran-Krieg ist die Argumentation leichter geworden“. Allerdings sei die Erinnerung an solche Krisen häufig sehr kurz, die Bereitschaft, sich von fossilen Energieträgern zu trennen, nehme nach Konflikten wieder ab. „Dabei wäre es wirklich im eigenen, finanziellen Interesse.“

