Währungsfonds Umstrittene Pazifikinsel Nauru wird IWF-Mitglied

Nauru wird IWF-Mitglied (Archivbild).

(Foto: AFP)

Die winzige Insel war einst das zweitreichste Land der Welt. Heute schiebt Australien seine Flüchtlinge dorthin ab.

Von Vivien Timmler

Zwischen Papua-Neuguinea, der Republik Fidschi und den Marshallinseln befindet sich vor allem eins: viel Pazifik. Irgendwo zwischen winzig kleinen Inseln und Atollen, ziemlich genau 2900 Kilometer nordöstlich von Australien, liegt zudem Nauru, die kleinste Republik der Welt. Gerade einmal 21 Quadratkilometer misst sie, hat keine offizielle Hauptstadt, geschweige denn eine eigene Währung (es gilt der australische Dollar), aber ist jetzt Mitglied des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Dieser hat sich bekanntermaßen die Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte, die Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Währungspolitik sowie die Ausweitung des Welthandels zum Ziel gesetzt. Er unterstützt Länder etwa mit Krediten und berät sie wirtschaftlich. Mit Nauru wächst der Verbund nun auf insgesamt 189 Staaten weltweit.

Zuwachs bekommt der IWF in der Regel kaum, seit der Jahrtausendwende sind lediglich sechs Staaten hinzugekommen. Das letzte Mal war das 2011 der Südsudan, zuvor Montenegro im Jahr 2006. Und nun also Nauru, diese winzig kleine Pazifikinsel. Die einst als das zweitreichste Land der Welt nach Saudi-Arabien galt und als Paradies verkannt wurde, in Wirklichkeit aber nie eines war. Im Gegenteil.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Nauru durch zufällig entdeckte, riesige Phosphatvorkommen extrem reich: Es gab fortan keine Steuern mehr, die medizinische Behandlung wurde kostenlos und jeder Haushalt der 10 000-Einwohner-Insel besaß durchschnittlich ein Motorboot und zwei bis drei Autos - bei nur 29 Kilometern asphaltierter Straße.

Die Regierung konnte diesen Wohlstand aber nicht sichern, in den Neunzigerjahren brach alles zusammen. Die Phosphatreserven waren nahezu aufgebraucht, die Inselbank ging pleite und das Land war schnell hoch verschuldet. Finanzielle Hilfe bot schließlich der große Nachbar Australien im Rahmen einer "pazifischen Lösung" an: Alle Bootsflüchtlinge, die vor den Küsten Australiens ankämen, sollten auf die Inseln Manus und Nauru gebracht und dort in Lagern untergebracht werden. Im Gegenzug würde Australien Millionen auf die nauruische Staatskasse überweisen.

Auch heute machen diese Zahlungen noch immer fast das gesamte Staatseinkommen der kleinen Republik aus. Schätzungsweise 500 Flüchtlinge sollen sich ständig auf der Insel befinden, immer wieder erheben Menschenrechtsgruppen schwere Vorwürfe und berichten von schlechten Lebensbedingungen in den Camps.

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