bedeckt München 21°
vgwortpixel

US-Konjunkturprognose drastisch gesenkt:Arbeitsmarktdaten entsetzen die Anleger

Die Erwartungen waren schon tief gesteckt, doch selbst die wurden noch unterboten: Zum ersten Mal seit rund einem Jahr wurden im August in den Vereinigten Staaten keine neuen Stellen geschaffen. Zugleich senkt die US-Regierung auch noch die Wachstumsprognose deutlich ab. An den Börsen geht es steil abwärts.

Es läuft denkbar schlecht für US-Präsident Barack Obama. So schlecht, dass sich jetzt die Regierung in Washington gezwungen sah, die Wachstumsprognosen sowohl für dieses als auch für das kommende Jahr drastisch zu senken. Schlimmer noch: Erstmals seit rund einem Jahr haben die Unternehmen in den Vereinigten Staaten keine neuen Stellen mehr geschaffen. Besserung ist also nicht in Sicht.

Börse in New York

Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten gefährden das Wirtschaftswachstum in den USA. Die Regierung senkte ihre Prognosen drastisch.

(Foto: dpa)

Die Anleger reagieren fast panisch: Die Börsenkurse stürzten nach Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten ab. Der Dax brach gleich um 3,7 Prozent ein und auch die Wall Street eröffnete tief im Minus. Der Dow Jones gab im frühen Geschäft gut zwei Prozent nach.

"Der August war ein ziemlich harter Monat für die Wirtschaft", sagte Ryan Sweet von Moody's Analytics.

Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen waren weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Eigentlich hatten Ökonomen mit 70.000 neuen Jobs in den Vereinigten Staaten gerechnet. Davon ist nun nichts zu sehen - es ist ein herber Rückschlag für die bisherige Arbeitsmarktpolitik von Obama.

Derzeit sind etwa 14 Millionen Amerikaner auf Jobsuche. In der Produktion - gewöhnlich ein Wachstumsmotor - gingen allein im August 3000 Arbeitsplätze verloren. In der Baubranche waren es 5000, im Einzelhandel 8000 und im öffentlichen Sektor verloren gar 17.000 Beschäftigte ihren Job.

Die hohe Arbeitslosigkeit dämpft auch die Kauflaune der Amerikaner, deren Ausgaben mehr als zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmachen. Das Bruttoinlandsprodukt werde daher in diesem Jahr nur um 1,7 und im kommenden um 2,7 Prozent wachsen, schätzt das Präsidialamt. Bislang wurde mit 2,6 und 3,6 Prozent kalkuliert.

Die für amerikanische Verhältnisse enorm hohe Arbeitslosigkeit gefährdet Barack Obamas Wiederwahl im kommenden Jahr. Der Präsident will am 8. September seine Pläne für mehr Wachstum und Beschäftigung vorlegen. "Die Projektionen machen deutlich, dass die Wirtschaft rasch angekurbelt werden muss", sagte der Chefhaushälter im Präsidialamt, Jack Lew. Trotz der schlappen Konjunktur will die Regierung die Neuverschuldung kräftig zurückfahren. 2012 soll das Staatsdefizit von 8,8 auf 6,1 Prozent sinken.