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Wachstum und Verschuldung:Deutschland berappelt sich

Allen Horrorszenarien zum Trotz legt die deutsche Wirtschaft so stark wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr zu. Doch in die große Euphorie mischen sich auch zwei schlechte Zahlen.

Was für ein Wachstum: Anfang 2010 hatten noch alle gejammert und die Weltwirtschaft in Tiefschwarz gemalt. Auch Deutschland käme nicht so schnell aus der Krise heraus. Und nun das: Im vergangenen Jahr hat die Wirtschaft so stark zugelegt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kletterte um 3,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. 2009 noch war das BIP in Folge der weltweiten Wirtschaftskrise um 4,7 Prozent eingebrochen.

Deutsche Wirtschaft im vierten Quartal schwächer

Die deutsche Wirtschaft hat sich schnell von der Krise erholt - und wächst 2010 um 3,6 Prozent.

(Foto: dpa)

Darüber, wie hoch das Wachstum für 2010 denn nun ausfallen würde, war in den vergangenen Wochen viel spekuliert worden. Anfang Dezember schon machten die 3,6 Prozent die Runde - doch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wollte die Zahl damals nicht bestätigen. Offiziell hatte die Bundesregierung mit einem Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent gerechnet. Die fünf Wirtschaftsweisen hatten ein Plus von 3,7 Prozent erwartet.

Brüderle also darf sich nun auch ganz offiziell freuen. "Wir sind doppelt so schnell gewachsen wie der Durchschnitt der Europäischen Union." Brüderle sagte weiter, angestoßen von außenwirtschaftlichen Impulsen werde der Aufschwung nun zunehmend von der Binnenwirtschaft getragen. Gleichzeitig forderte der Minister Steuersenkungen. Der Aufschwung sei insbesondere ein "Beschäftigungsaufschwung", fügte der Minister hinzu.

Die Beschäftigung habe im vergangenen Jahr ein Rekordniveau erreicht und liege nun auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der Erwerbstätigen sei um 212.000 auf 40,5 Millionen gestiegen. Die realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte hätten 2010 so stark zugenommen wie seit 2001 nicht mehr. Dies stütze die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte. Gleichzeitig forderte Brüderle "die Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen, bei denen aufgrund der Aufwärtsdynamik nun auch die kalte Progression wieder verstärkt greifen wird". Am 19. Januar will Brüderle den Jahreswirtschaftsbericht 2011 vorlegen. Er enthält eine Prognose für das Wachstum 2011.

Im vierten Quartal schwächte das Wachstum allerdings etwas ab. Im Vergleich zum Vorjahresquartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) preis- und saisonbereinigt um rund 0,5 Prozent zu. Ein Grund sei der frühe Wintereinbruch gewesen. Im dritten Quartal war die Wirtschaftskraft nach früheren Angaben noch um 0,7 Prozent gestiegen.

Trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung konnte Deutschland 2010 die Verschuldungskriterien der Europäischen Union nicht einhalten: Die Defizitquote der öffentlichen Haushalte betrug nach Angaben des Statistischen Bundesamts im vergangenen Jahr 3,5 Prozent des BIP. Erlaubt sind maximal 3,0 Prozent.