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VW und Porsche:Angst vor Plünderung

Porsche und VW sind seit dem gescheiterten Übernahmeversuch durch Porsche in ein Gestrüpp aus juristischen Probleme verstrickt. Nun spielt Volkswagen Pläne durch, wie Porsche noch in diesem Jahr übernommen werden könnte. Klagende Aktionäre fürchten, dass sie ausgetrickst werden.

Matthias Müller ist Porsche-Chef, und am liebsten spricht er über Autos. Seine Autos. Den Klassiker 911, den Cayenne, den Panamera. Über Absatzstrategien und Produktionsmethoden. Was ihm weniger liegt, sind Fragen zur geplanten Fusion von VW und Porsche. Jener geplanten Verschmelzung zweier Autobauer, die nun wegen der vielen Milliardenklagen aus Deutschland und den USA erst einmal auf Eis liegt. Dann sagt Müller, dass er sich zu solchen Dingen nicht äußern möchte. Dass darüber andere entscheiden. Und dass er sich "ausschließlich aufs Automobil" konzentriere. "Das können wir am besten."

Es ist kein Wunder, dass der Bayer mit den grau-weißen Haaren und den stahlblauen Augen lieber davon berichtet, wie er den Absatz mit Porsche-Modellen von heute 100 000 auf 200 000 ausbauen will. Denn dies dürfte einfacher sein, als das Gestrüpp der juristischen Probleme aufzulösen, in das Porsche und Volkswagen seit dem gescheiterten Übernahmeversuch durch Porsche verstrickt sind.

Auf mindestens fünf Milliarden Euro summieren sich die Schadenersatzklagen gegen Porsche und VW derzeit - die Autobauer stehen vor einer gigantischen internationalen Klage-Lawine.

In New York, in Braunschweig, in Stuttgart. In Stuttgart ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dessen damaligen Finanzvorstand Holger Härter; vor dem Landgericht Braunschweig soll es bereits am 27. Juni einen ersten Showdown zwischen Klägern und Autokonzernen geben.

Müller, seit Herbst 2010 an der Spitze des Sportwagenbauers, steht heute für das reine Autogeschäft von Porsche. Die Porsche AG. Es gibt aber noch ein zweites Porsche. Die Porsche Holding SE. Eine reine Finanz- und Beteiligungsholding, gegründet 2007, um dort die sukzessiv aufgebaute Porsche-Beteiligung an Volkswagen einzugliedern. Die Holding hält heute 50,7 Prozent an VW und 50,1 Prozent an der Porsche AG, also dem Autogeschäft.

Solange die Milliardenklagen noch im Raum stehen, ist die SE aber auch geballter Sprengstoff.

Bereits im vergangenen Jahr musste VW seinen Plan ad acta legen, mit der Porsche SE zu einem Großkonzern zu fusionieren. Zu gefährlich waren die Klagen, die auf der Holding lasteten und die man sich so ins Haus geholt hätte. Jetzt wollen die Kläger auch die Übernahme des reinen Porsche-Autogeschäfts - in VW-Kreisen kursiert diese Option als "Plan B" - vereiteln. Schon heute hält VW 49,9 Prozent der Porsche AG, 3,9 Milliarden Euro hatte der Konzern dafür hingelegt.

Vertraglich haben die Wolfsburger das Recht, auch die restlichen 50,1 Prozent zu erwerben. Der Haken daran: Die Anteile liegen indirekt bei der Porsche SE - die Kläger wollen einen solchen Schritt daher verhindern. "Sollte die Porsche SE leergeplündert werden, würden wir reagieren", sagte der Münchner Anwalt Franz Braun, der 72 internationale Investoren vertritt, der SZ. Man würde versuchen, "dies mit Hilfe eines Arrest-Antrags, einer Art Einstweiliger Verfügung, zu verhindern". Die Befürchtung, so der Anwalt: Ohne die Beteiligungen könnte es für die aus seiner Sicht Geschädigten schwieriger werden, Schadenersatzansprüche durchzusetzen. "Wenn die Holding die Anteile an der Porsche AG an VW oder eine Zwischenholding veräußert, würde ich den Arrest durch Pfändung der Aktien der Porsche AG vollziehen lassen", sagt Braun. Mit anderen Worten: Selbst Plan B wäre nach Meinung des Anwalts als Alternative zur Verschmelzung der Konzerne in Gefahr.