VW Schlammschlacht bei Volkswagen

Neue Skandale rund um Volkswagen.

(Foto: dpa)
  • In der Abgas-Affäre hat der frühere VW-Patriarch Piëch 2015 den niedersächsischen Ministerpräsidenten Weil und VW-Miteigentümer Porsche belastet.
  • Ihnen will Piëch im Frühjahr 2015 ebenso wie dem damaligen VW-Chef Winterkorn Hinweise auf eine Manipulation bei Dieselfahrzeugen in den USA gegeben haben.
  • Der VW-Vorstand will nach Angaben des Konzerns nunmehr "mögliche Maßnahmen und Ansprüche gegen Herrn Piëch sorgfältig prüfen".
Von Max Hägler und Klaus Ott

Die Abgas-Affäre bei Volkswagen entwickelt sich zu einer Schlammschlacht innerhalb des Autokonzerns. Der frühere VW-Patriarch Ferdinand Piëch hat bereits im Frühjahr vergangenen Jahres, wie erst jetzt bekannt wurde, bei den internen Ermittlungen des Konzerns zahlreiche Spitzenleute bis hin zum niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil belastet. Das gilt auch für Piëchs Verwandten und VW-Miteigentümer Wolfgang Porsche sowie den früheren IG-Metall-Chef Berthold Huber.

Ihnen will Piëch schon im Frühjahr 2015 ebenso wie dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn und Betriebsratschef Bernd Osterloh Hinweise auf eine Manipulation von Schadstoffmessungen bei Diesel-Fahrzeugen in den USA gegeben haben. Huber war damals Vizechef des Aufsichtsrats von VW, dem Weil, Porsche und Osterloh nach wie vor angehören.

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Piëch hat diese Aussage inzwischen bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig wiederholt, die wegen Betrugsverdachts gegen Winterkorn und zahlreiche andere Beschuldigte aus dem Autokonzern ermittelt. Der Aufsichtsrat von VW erklärte Mittwochabend, er weise Piëchs Behauptungen "mit allem Nachdruck als falsch zurück". In Aufsichtsratskreisen ist von "Jägerlatein" die Rede. Das seien "Rachegelüste" des früheren Patriarchen, die jeglicher Substanz entbehrten: "Piëch verzerrt die Wahrheit."

Piëch wollte Winterkorn zum Rücktritt zwingen

Piëch war als einer der Hauptaktionäre und als Aufsichtsratschef die zentrale Figur bei Volkswagen, bis er im Frühjahr 2015 einen Machtkampf mit dem damaligen Konzernchef Martin Winterkorn anzettelte. Piëch wollte Winterkorn zum Rücktritt zwingen, verlor aber den Machtkampf und musste sich daraufhin selbst aus der Konzernspitze von Volkswagen zurückziehen. Seine Aussagen gegen nahezu alle Top-Leute des Unternehmens werden im Aufsichtsrat als "Nachtreten" bezeichnet.

VW hatte nach der Enthüllung der jahrelangen Abgas-Manipulationen in den USA im Herbst 2015 die international tätige Anwaltskanzlei Jones Day damit beauftragt, diesen Fall zu untersuchen. Jones Day ist seither parallel zu den Behörden in den USA, in Deutschland und anderen Staaten tätig. Nachdem Piëch im Frühjahr 2016 bei Jones Day gegen Winterkorn, Weil, Porsche und andere VW-Spitzenleute ausgesagt hatte, prüfte die Kanzlei, wie plausibel diese Vorwürfe seien. Jones Day kam nach Angaben von Volkswagen zu dem Ergebnis, Piëchs Behauptungen seien "insgesamt als unglaubwürdig" einzustufen. Außerdem hätten sämtliche betroffene Mitglieder des Aufsichtsrats-Präsidiums von VW unabhängig "voneinander alle Behauptungen von Ferdinand Piëch klar und nachdrücklich als falsch zurückgewiesen".

Der Vorstand von Volkswagen will nach Angaben des Konzerns nunmehr "mögliche Maßnahmen und Ansprüche gegen Herrn Piëch sorgfältig prüfen". Das könnte auf Schadenersatzforderungen gegen den einstigen Patriarchen hinauslaufen. Dass die Behauptungen über Weil und andere Aufsichtsräte öffentlich werden, war in den vergangenen Tagen in Kreisen des Kontrollgremiums und des Konzerns bereits erwartet worden.

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