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VW:Nokia gilt Volkswagen als Warnung

Volkswagen-Chef Herbert Diess mahnt und will den Konzern umbauen. Die Zeit klassischer Automobil­hersteller sei vorbei. VW müsse nun eine "Zeitenwende" bewerkstelligen.

Der Anfang seiner Rede war noch sanft, aber dann legte Herbert Diess los. Für diesen Donnerstag hatte der Volkswagen-Vorstandschef seine Top-Manager nach Berlin geladen, und was er mitzuteilen hat, dürfte für Unruhe sorgen in dem größten Fahrzeugkonzern der Welt. Zwar habe sich das Unternehmen mit seinen zwölf Marken "nicht schlecht geschlagen" im vergangenen Jahr, sagte er dem Redemanuskript zufolge; man sei etwa in Amerika auf einem guten Weg, sei in China gewachsen. "Aber zur Ehrlichkeit gehört auch: Der Sturm geht jetzt erst los."

Er befürchte, sagte Diess dem Papier zufolge, dass VW nicht schnell genug sei, um die "Zeitenwende" zu bewältigen, die sich in der Industrie mit der Elektromobilität und der Digitalisierung vollziehe: "Wenn wir in unserem jetzigen Tempo weitermachen, wird es sogar sehr eng." Er erinnere sich an eine Situation, in der ihm Nokia-Mitarbeiter erklärten, wie sie im Kampf gegen Apple untergegangen seien: "Wir haben 43 verschiedene Mobiltelefone, für jeden das richtige, kein Mensch will Touch, man muss das iPhone mindestens einmal täglich laden, während unser Akku eine Woche hält", habe man gesagt. Wenige Jahre später sei Nokia Geschichte gewesen. "Das ist exakt die Situation, die sich in der Automobilindustrie wiederholt", sagte Diess. Das Auto sei nicht länger nur Transportmittel. Und das bedeute auch: Die Zeit klassischer Automobilhersteller ist vorbei. Er wolle VW deshalb zu einem Tech-Konzern umbauen, der an der Börse gefragter sei als bislang. Diess unterlegte seine Umbau-Ideen bereits mit konkreten Entscheidungen.

So wolle er "weg von der Volumenorientierung". Nicht mehr die Zahl der verkauften Autos sei primär entscheidend, sondern die Rendite am Ende des Jahres. Er freue sich etwa, sagte Diess, dass die Marke Bentley 10 000 Fahrzeuge verkauft habe. Aber, fügte er unter dem Eindruck eines sehr geringen Gewinns an: "Lieber wären mir 5000 Auslieferungen und eine Rendite über 20 Prozent." Zugleich müsse der Konzern weglassen, was nur wenig einbringe: Bei Brennstoffzellen und synthetischen Kraftstoffen werde man das Engagement weit zurückfahren, und stattdessen ganz auf Batterie-Autos setzen. Auch das Engagement bei dem erst vor Kurzem eingeführten Mobilitätsdienstleister Moia werde man "deutlich" reduzieren. Beim klassischen Autobau droht den Mitarbeitern ebenfalls Ungemach. Die Produktivität in den Fabriken müsse sich verbessern: "Insbesondere in den deutschen Standorten liegt hier Potenzial."