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VW:Mit aller Macht

FILE PHOTO: VW re-starts Europe's largest car factory after coronavirus shutdown

30 Prozent mehr Produktivität: Hier am Band in Wolfsburg soll effizienter gearbeitet werden, damit mehr Geld für Investitionen da ist.

(Foto: Reuters)

Der Konzern will 73 Milliarden Euro in E-Mobilität und Computer investieren.

Von Max Hägler

Und wieder gibt es mehr Geld fürs Volkswagen-Management, um nicht unterzugehen bei dem schwierigen Rennen um eine gute Zukunft in der Autoindustrie: Der Aufsichtsrat rund um Hans Dieter Pötsch hat für die kommenden fünf Jahre Investitionen in Höhe von 150 Milliarden Euro genehmigt, davon ist nun die Hälfte vorgesehen für die E-Mobilität und die Digitalisierung, eine Rekordsumme.

Der VW-Konzern kommt jedes Jahr im November zu seiner sogenannten Planungsrunde zusammen, in der jeweils über die kommenden fünf Jahre gesprochen wird. Im Jahr 2018 waren 44 Milliarden Euro für die beiden Themen Elektromobilität und Computer vorgesehen, im vergangenen Jahr 60 Milliarden und nun 73 Milliarden Euro. Der Vorstandsvorsitzende Herbert Diess will das Geld etwa in ein Betriebssystem investieren, mit dem künftig alle Konzernfahrzeuge ausgestattet werden sollen. Der Eigenanteil bei Software soll auch so von derzeit zehn auf 60 Prozent steigen.

Der Planungsrunde zu Grunde liegt die Erwartung, dass die Weltwirtschaft über die nächsten fünf Jahre moderat wächst - und VW daran seinen Anteil hat. Zugleich soll in der Verwaltung weiter gespart werden und die Produktivität um enorme 30 Prozent gesteigert werden, um finanziellen Spielraum zu schaffen. Die Arbeitnehmervertreter zeigten sich dennoch zufrieden, wohl auch weil viel von dem Geld in Deutschland ausgegeben werden soll: "Zusammen mit dem Wissen, dem Fleiß, der Kreativität von 670 000 Beschäftigten weltweit sind wir damit gut vorbereitet auf die Herausforderungen, die kommen", erklärte Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Was beinahe untergeht bei diesen Summen: Beim Geldeinnehmen, also dem Autoverkauf, ist die Lage im Moment eher durchwachsen. Vor allem die Pandemie mit den Schließungen dürfte dafür verantwortlich sein: Der August war schwach, im September gab es ein Wachstum von drei Prozent und im Oktober dann wieder ein Minus von fünf Prozent bei den Auslieferungszahlen des derzeit größten Fahrzeugkonzerns der Welt.

Analysten wie Frank Schwope von der Nord LB rechnen aufs Jahr gesehen mit gut neun Millionen ausgelieferten Autos, Bussen, Lastwagen und Motorrädern, das wären zwei Millionen weniger als im Rekordjahr 2019. Für das Gesamtjahr geht er von einem Gewinn vor Steuern im mittleren einstelligen Milliardenbereich aus - und rät zum Halten der Vorzugsaktien bei einem Kurs von 150 Euro, nicht zuletzt weil die Schwerpunkte bei den Investitionen richtig gesetzt seien. Das spiegelt die Stimmung an der Börse am Freitag wider, die schon einmal weit trüber war in diesem Jahr: Mitte März, zur ersten Corona-Welle, lag der VW-Kurs bei 87 Euro.

© SZ vom 14.11.2020
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