VW-Manager vor US-Prozess:"Ich fühle mich von meiner eigenen Firma missbraucht"

Volkswagen in USA

VW musste in den USA Milliarden Dollar für den Dieselsbetrug zahlen

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Dem deutschen VW-Manager S. drohen in den USA bis zu sieben Jahre Haft wegen des Dieselskandals. Nun erhebt er schwere Vorwürfe gegen seinen Konzern.

Das FBI erwischte ihn, als er für den Weihnachtsurlaub nach Miami flog: Seit Januar sitzt der deutsche VW-Manager Oliver S. in den USA wegen des Dieselskandals in Untersuchungshaft. Bevor kommende Woche das Urteil verkündet werden könnte, hat S. nun einen Brief an den Richter geschrieben, den die Bild veröffentlicht hat.

Darin macht der Manager dem VW-Konzern schwere Vorwürfe. "Ich fühle mich von meiner eigenen Firma missbraucht", schreibt er. Bei einem Treffen mit der Umweltbehörde habe er vom Unternehmen Gesprächspunkte vorgegeben bekommen. "Bedauerlicherweise habe ich mich an sie gehalten." Er hätte stattdessen zugeben sollen, dass VW seit fast einer Dekade betrüge.

S. geht auch auf seine Festnahme und die Zeit in Untersuchungshaft ein, die er dem Brief zufolge als sehr hart empfindet. "Auf der Toilette am Airport in Miami festgenommen und dann in Handschellen zu meiner Frau gebracht zu werden, war bis dahin die erniedrigendste Erfahrung meines Lebens", schreibt er. S. drohen bis zu sieben Jahre Haft. Hinzukommen könnte eine Geldstrafe von bis zu 400 000 Dollar.

Der ehemalige Leiter der VW-Umweltzertifizierungsstelle in Michigan hatte sich zunächst als unschuldig bezeichnet. Interne Unterlagen und E-Mails zeigten jedoch: Er wusste von der Manipulation der Diesel-Abgasanlagen in Millionen Autos und hatte versucht, die US-Behörden in die Irre zu führen.

Anderer Deutsche muss 40 Monate ins Gefängnis

Der Manager ist der zweite Deutsche, den das US-Justizsystem für den Dieselskandal zur Verantwortung ziehen will. Im August wurde der deutsche VW-Ingenieur James L. zu 40 Monaten Gefängnis und 200 000 Dollar Geldstrafe verurteilt.

© SZ.de/bbr/ees
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