VW-Korruptionsaffäre Indien fordert Schusters Auslieferung

Dem früheren Skoda-Manager Helmuth Schuster wird vorgeworfen, zwei Millionen Euro von einem indischen Bundesstaat kassiert zu haben. Jetzt will ihn Indien vor Gericht bringen. Schuster drohen bis zu sieben Jahre Haft.

In der VW-Korruptionsaffäre haben die indischen Behörden die Auslieferung des in Italien festgesetzten Ex-Skoda-Managers Helmuth Schuster beantragt. Nach jahrelangen Ermittlungen kommt das Verfahren gegen Schuster in Indien damit jetzt voran. In Deutschland war der Manager im September wegen seiner Verstrickung in den Skandal zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und einer Zahlung von 15.000 Euro verurteilt worden.

In Deutschland wurde Helmuth Schuster wegen Korruption zu 15.000 Euro Strafe verurteilt. Jetzt will Indien seine Ausliefung, um ihn auch dort vor Gericht zu stellen.

(Foto: AP)

Schuster wird vorgeworfen, vom indischen Bundesstaat Andhra Pradesh als Gegenleistung für die geplante Ansiedlung eines VW-Werks umgerechnet zwei Millionen Euro kassiert und sich damit persönlich bereichert zu haben. Da es kein Auslieferungsabkommen zwischen beiden Staaten gebe, sei der Antrag auf Grundlage gegenseitigen Einvernehmens gestellt worden. Indische Medien schrieben, das Auslieferungsverfahren könne bis zu einem Jahr dauern.

Bei einer Verurteilung in Indien drohen Schuster bis zu sieben Jahre Haft. In diesem Fall würden sich auch die deutschen Ermittlungsbehörden die dort ans Licht gekommenen Beweise genau ansehen. Grundsätzlich gebe es die Option, dass Straftaten, die Schuster bisher nicht nachgewiesen werden konnten, trotz Einstellung des Verfahrens erneut verfolgt werden könnten, wenn neue Tatbestände ans Licht kämen. Bisher sei in Indien aber noch nicht einmal Anklage erhoben worden.

Der Volkswagen-Konzern hatte das Ansiedlungsprojekt gestoppt, nachdem Schusters Verstrickung in die Korruptionsaffäre bekanntgeworden war. Der Wolfsburger Autobauer hat inzwischen in Indien eine Fabrik im benachbarten Bundesstaat Maharashtra eröffnet.

Schuster galt zunächst als eine Schlüsselfigur in der VW-Affäre, die durch ihn im Juni 2005 aufgeflogen war. Einem Bankangestellten waren Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Der damalige Personalchef der tschechischen VW-Tochter Skoda, Schuster, musste seinen Posten räumen. Er und sein enger Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer waren die ersten beiden Beschuldigten in der Affäre, die immer weitere Kreise zog und den VW-Konzern bis ins Innerste erschütterte. Es ging um Schmiergeld und Blankoschecks, um Vergnügungsreisen, Sexpartys und teure Geschenke auf Firmenkosten. Auch der prominente VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz musste im Zuge des Skandals seinen Hut nehmen.