bedeckt München 19°

VW-Abgasaffäre:VW-Spitze soll Abgasskandal aktiv vertuscht haben

  • Das US-Justizministerium hat neue Dokumente veröffentlicht, in denen der damaligen Volkswagen-Spitze vorgeworfen wird, die Vertuschung der Abgasmanipulationen autorisiert zu haben.
  • Der VW-Mitarbeiter, der am Wochenende in Florida verhaftet wurde, soll bei der Aktion eine zentrale Rolle gespielt haben.
  • Manager des Konzerns vermeiden derzeit Reisen in die USA, unter anderem sagte Konzernchef Müller seine Teilnahme an der Automesse in Detroit ab.

Von Valentin Dornis

Die Ermittler in den USA erhöhen den Druck auf Volkswagen. Nach der Verhaftung eines Mitarbeiters am Wochenende veröffentlichte das US-Justizministerium nun weitere Dokumente im Zusammenhang mit der Affäre um manipulierte Abgaswerte. Demnach soll die Konzernleitung von Volkswagen in Deutschland die Vertuschung des Abgasskandals gebilligt haben.

Das werfen die Ermittler den Verantwortlichen zwar schon länger vor - doch in den nun öffentlich einsehbaren Dokumenten (hier als PDF) finden sich detaillierte Vorwürfe. Die Ermittler berufen sich dabei auf Kronzeugen, interne Dokumente und E-Mail-Verläufe. Sie zitieren unter anderem aus einer Mail vom April 2014, in der der nun verhaftete VW-Mitarbeiter S. schrieb: "Es sollte erst entschieden werden, ob wir ehrlich sind. Wenn wir nicht ehrlich sind, bleibt alles, wie es ist." Im Mai soll er dann das Top-Management einer US-Tochter von Volkswagen über die Studie zu den manipulierten Abgaswerten und über mögliche Folgen informiert haben.

Im Juli 2015 habe es dann Beratungen mit nicht näher genannten Personen der damaligen Konzernführung in Wolfsburg gegeben, in denen es um die Manipulation der Abgastests gegangen sei. "Statt dazu zu raten, die Manipulation den US-Behörden offenzulegen, autorisierte die VW-Spitze deren weitere Verheimlichung", heißt es in den Dokumenten der US-Ermittler. S. habe dann gemeinsam mit anderen Mitarbeitern Pläne gemacht, wie die auffälligen Abgaswerte erklärt werden könnten. Obwohl er gewusst habe, dass die Abgastests mit Hilfe einer Software gezielt manipuliert worden seien, habe er in Gesprächen "die US-Aufsichtsbehörden getäuscht und irregeführt", indem er alternative Erklärungen für die falschen Abgaswerte angab.

Ob S. wirklich eine führende Rolle in der Vertuschung gespielt hat, ist unklar. Bei Volkswagen ordnet man ihn eher dem unteren Management zu, in den deutschen Ermittlungsunterlagen zu dem Abgasskandal taucht sein Name überhaupt nicht auf. Das spricht eher dagegen, dass S. einer der Hauptverantwortlichen ist - er könnte auch einfach die Person sein, deren Rolle in dem Skandal auf Basis der aktuell vorliegenden Beweismittel und Zeugenaussagen in den USA am konkretesten beschrieben werden kann.

Volkswagen will einen Vergleich - am besten schnell

Dass er nun während einer privaten Reise in die USA verhaftet wurde, deutet mindestens auf Fahrlässigkeit hin - sein Name taucht nämlich auch schon mehrfach in der Anklageschrift des New Yorker Generalstaatsanwalts Eric Schneiderman auf. S. war also schon im Visier der Ermittler, fuhr aber trotzdem in die USA und wurde schließlich vor seiner Ausreise verhaftet.

Andere Volkswagen-Manager vermeiden dagegen Reisen in die USA. So sagte Konzernchef Matthias Müller seine Teilnahme an einer Automesse in Detroit ab, die derzeit stattfindet. Vor dem Hintergrund der Vorwürfe und der Verhaftung des VW-Mitarbeiters erscheinen solche Absagen in einem neuen Licht: In den offiziellen Begründungen hatte es geheißen, weder der Volkswagen-Konzern noch die Marken VW und Audi seien mit größeren Veranstaltungen in Detroit vertreten und die Teilnahme Müllers daher nicht notwendig.

So oder so: Volkswagen steht in den USA enorm unter Druck. Der Konzern will die Ermittlungen in der Abgasaffäre möglichst schnell abschließen, am liebsten noch bevor Donald Trump am 20. Januar als Präsident vereidigt wird. Erklärtes Ziel ist ein Vergleich mit den Ermittlungsbehörden - der könnte Volkswagen allerdings teuer zu stehen kommen. Mit Privatklägern und den zuständigen Behörden hat sich der Konzern bereits auf Zahlungen von umgerechnet etwa 15 Milliarden Euro geeinigt. Insgesamt hat Volkswagen Rücklagen von etwa 18 Milliarden Euro gebildet, um die Kosten bezahlen zu können.

© SZ.de/sry/mane

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite