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Votum der Mitarbeiter:Es kann auch ein Fahrrad sein

Radfahrer mit Pedelec

Schneller ins Büro: E-Bikes sind vor allem in Städten beliebt, das lässt auch die Unternehmen umdenken.

(Foto: Flyer/pd-f.de)

Firmen unterstützen zunehmend alternative Verkehrsmittel.

Von Saskia Reis

Nicht alle, die dienstlich Anspruch auf ein Auto haben, wollen auch eines. Denn vor allem in den großen Ballungszentren sind die Parkplätze knapp - und Lademöglichkeiten für E-Autos muss man suchen. Oft ist man in der Stadt mit anderen Verkehrsmitteln schneller und stressfreier unterwegs. Deshalb machen immer mehr Firmen ihren Mitarbeitern zusätzliche Mobilitätsangebote, die nicht auf den klassischen Dienstwagen beschränkt sind.

Bis Ende Juni läuft in der Münchner ADAC-Zentrale ein internes "E-Ride-Projekt", eine Kooperation mit dem schwedischen Zweiradhersteller Vässla. Bei einem Listenpreis von 2500 Euro bekommen die Mitarbeiter des ADAC 25 Prozent Rabatt auf den Elektroroller und das gewünschte Zubehör - von der Zweitbatterie bis zum Beinwärmer. Betriebsrat Thomas Biersack ist leidenschaftlicher E-Auto-Fahrer und hat das E-Roller-Programm initiiert. Dabei kommt das Zweirad dank eines entnehmbaren Ersatzakkus auf eine Reichweite von bis zu 120 Kilometern - mehr als genug für die innerstädtischen Pendler.

Auch beim Softwarekonzern SAP sucht man nach Möglichkeiten, die Mitarbeiter auch jenseits vom klassischen Dienstauto in Sachen Mobilität zu unterstützen. Durch jährliche Umfragen weiß das Unternehmen, welche Mobilitätsbedürfnisse die Mitarbeiter haben. Dort wünschten sich zuletzt 94 Prozent der Angestellten, dass der Arbeitgeber aktiv etwas für die Umwelt tut, konkret: für die Klimaneutralität. 87 Prozent der Mitarbeiter leisten bereits selbst einen Beitrag. Besonders in den Ballungszentren Berlin, Hamburg oder München verlangte die Belegschaft nach Alternativen zum Dienstwagen.

Aus diesem Grund hat sich SAP-Flottenchef Steffen Krautwasser zusammen mit dem firmeninternen Nachhaltigkeitsteam ein neuartiges Mobilitätskonzept ausgedacht. Das Pilotprojekt "Flexible Mobilität" kommt vor allem dem Wunsch der Mitarbeiter nach, spezielle Lösungen für Städter anzubieten: Seit 1. April stattet der Softwarekonzern hundert Mitarbeiter in Berlin und Potsdam mit einem virtuellen Mobilitäts-Jahresbudget aus. Die Höhe des Betrags orientiert sich an der Firmenwagenregelung und hängt vom Karrierelevel und dem Beschäftigungsgrad ab. Der SAP-Mitarbeiter darf sein Mobilitätsbudget frei investieren: in Bahn- oder ÖPNV-Fahrten, Fernbus-Fahrkarten, Bikesharing, E-Scooter, E-Roller, Carsharing, Mietwagen, Mitfahrdienste - bis hin zum altbewährten Taxi. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit sind mit eingeschlossen.

"Das Firmenwagen-Programm lassen wir zwar weiterhin bestehen, aber wir wollen Alternativen schaffen und mit dem neuen Testpilot Erfahrung sammeln", sagt Krautwasser. Die Kosten legt der Mitarbeiter zunächst aus und lässt sich die Beträge entsprechend rückerstatten. Alle im Rahmen des geldwerten Vorteils anfallenden Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge trägt der Mitarbeiter, wobei ÖPNV steuerfrei erstattet werden kann.

© SZ vom 28.04.2020
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