bedeckt München 26°

Vorwürfe gegen T-Mobile USA:Gestörte Verbindung zur Gewerkschaft

Bei der US-Tochter der Deutschen Telekom werden kaum Mitarbeiter von der Gewerkschaft vertreten. Verdi wirft dem Konzern eine unfaire Kampagne vor, es ist die Rede von anrüchigen Methoden. Die Bonner reagieren kühl auf einen Anstandsappell der Aufsichtsräte.

Björn Finke

Jetzt auch noch Amerika. Die Deutsche Telekom und die Gewerkschaft Verdi steuern bei den laufenden Tarifverhandlungen munter auf Streiks zu. Als böte der Konflikt in Deutschland nicht genug Zunder, werfen Arbeitnehmervertreter dem Management nun zusätzlich "anrüchige Methoden" und unanständiges Verhalten in den Vereinigten Staaten vor. Mehr als 40 Vertreter der Beschäftigten in den Aufsichtsräten des verschachtelten Dax-Mitglieds haben einen sogenannten Anstandsappell an die Führung geschickt: Die Telekom solle bei der Tochter T-Mobile USA nicht länger die Gewerkschaft behindern. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück.

T-Mobile USA schließt Call-Center

Eine Filiale von T-Mobile USA in Evanston/Illinois: Die Telekom hat bei der Tochter Ärger mit der Gewerkschaft.

(Foto: dpa)

Es geht dabei um keine kleine Sparte. Die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Auslandsmarkt, mit 34.500 Mitarbeitern ist dort mehr als jeder siebte Telekom-Beschäftigte tätig. Die Zahl der Stellen sinkt allerdings nun um 1900. Nur 15 Angestellte einer IT-Abteilung - also weniger als ein Promille der Belegschaft - werden von der Branchengewerkschaft Communications Workers of America (CWA) vertreten. Anders als in Deutschland, müssen dort Beschäftigte einer Abteilung abstimmen, ob eine Gewerkschaft für sie Verträge aushandeln soll. Und bei T-Mobile USA, jener ungeliebten Tochter, deren Verkauf an AT&T im Dezember wegen Bedenken der Wettbewerbshüter scheiterte, gibt es anscheinend lediglich 15 Gewerkschafts-Enthusiasten.

Für Verdi ist dies Ergebnis einer gezielten Blockadetaktik. Für die Telekom ist dies Ergebnis der "Start-up-Atmosphäre" bei der Tochter, wie es ein Sprecher formuliert. T-Mobile USA ging aus Voicestream hervor, einem Mobilfunkanbieter, der 2001 übernommen wurde.

Die Aufsichtsräte überzeugt das nicht: "Die Unterzeichner dieses Appells fordern die T-Mobile USA auf, ihre Bemühungen einzustellen, die darauf gerichtet sind, die Repräsentanz von Gewerkschaften im Betrieb zu verhindern", heißt es in dem Schreiben, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Zu den Unterstützern gehört auch Lothar Schröder, der stellvertretende Aufsichtsratschef und Verdi-Verhandlungsführer im Tarifkonflikt mit der Deutschen Telekom.

Im Anhang sind Fälle aus dem vergangenen Jahr aufgelistet, in denen der Konzern die CWA behindert haben soll und bei denen Anzeige erstattet wurde bei der zuständigen Bundesbehörde für Arbeitsbeziehungen. Da geht es etwa darum, dass Manager Mitarbeitern untersagt haben, in ihre dienstlichen E-Mail-Signaturen Ergänzungen aufzunehmen wie "Stolzes Mitglied der CWA". Oder Vorgesetzte sollen Infomaterial der Gewerkschaft aus dem Pausenraum entfernt und Beschäftigte, die Broschüren verteilten, verhört haben. Zugleich soll die US-Geschäftsleitung eine CWA-feindliche Infokampagne gestartet haben, unterstützt von Beratern, die darauf spezialisiert sind, Gewerkschaften aus Betrieben herauszuhalten.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite