Vorwürfe gegen Geflügelfirma Wiesenhof:Das "Image der Nutztierhaltung" in Gefahr

Peta würde den Fall nur hochziehen, um Spenden zu erhalten, entgegnet ein "Wiesenhof"-Sprecher. Seit Anfang 2010 klagen beide Seiten bereits gegeneinander wegen eines ähnlichen Falls auf einem Geflügelhof in Twistringen. Nach dem Skandal bekamen alle Mitarbeiter des Hähnchen-Konzerns Kittel mit Nummern. Dank der Ziffern konnten die Missetäter im aktuellen Fall identifiziert werden. Die meisten Punkte der einstigen Klage von Peta wurden vom Gericht abgewiesen. Die Klage gegen einen Impftrupp und Verantwortliche der Ausstallung ist noch nicht weit gediehen.

Nun überlegt Wiesenhof, künftig zu jedem Transport von Schlachttieren zusätzlich eigene Mitarbeiter zur Kontrolle zu schicken. "Wir müssen handeln - sonst wird die Firma beschädigt", sagt der Firmensprecher.

Das Kürzel PHW des Großbetriebs steht für Paul-Heinz Wesjohann, 68, den Firmengründer. "Das, was der Verbraucher wünscht, das werden wir ihm auch liefern", sagt der Herr über die Massentierhaltung, die zu niedrigen Preisen führt. Er macht sich Sorgen, da die veröffentlichte Meinung am "Image der Nutztierhaltung" kratze. Erst nach mehreren Anfragen stand er für ein ARD-Interview zur Verfügung.

Der Mann beteuert immer wieder, dass sich die Tiere bei ihm wohl fühlen würden. Es gebe keine Tonnen gefüllt mit toten Tieren. Für Unternehmer, die für "Wiesenhof" arbeiten, sei er nicht verantwortlich. Vor 50 Jahren hatte er mit einem kleinen Stall angefangen, heute ist "Wiesenhof"-Konzern Marktführer. Zuletzt machte er mit 5000 Mitarbeitern mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz; jedes Jahr verlassen 240 Millionen geschlachtete Hühner und Puten die Anlagen. Sein Sohn Peter Wesjohann, 42, übernahm 2009 den Vorstandsvorsitz im Familienbetrieb.

Gesetzgeber, Veterinärbehörden, Justiz und Wissenschaft kennen die im Fernsehen beschriebenen Vorgänge und nehmen vieles als "systembedingt" hin - es gehe eben nicht anders. Wenn da nicht die Öffentlichkeit wäre. Erst jüngst berichtete der Stern über Schimmelbefall im Geflügelreich. Und die Tierschützer von Peta wettern, es sei überfällig, solchen Gewerbebetrieben endlich mit Gewerbe-Untersagungsverfahren zu begegnen. Viele Bilder aus den Ställen von "Wiesenhof" kommen von der Tierrechtsorganisation Peta.

Der Landkreis Cloppenburg werde "seine Kontrollen verstärken", teilten die Beamten nach der TV-Ausstrahlung mit. Die gezeigten Fußtritte und das Herumschleudern der Puten seien "eindeutig Verstöße" gegen das Gesetz. Bei 4000 Untersuchungen von Schlachtgeflügel sowie bei weiteren 350 speziellen Kontrollen sei aber nur fünfmal Verletzungen der Tiere entdeckt worden.

Unternehmer Wesjohann hält mit ganz eigener Öffentlichkeitsarbeit dagegen. Bis zwei Uhr in der Nacht beantworteten seine Leute Fragen; Gegenfilme erscheinen auf der Internetplattform Youtube (hier geht's zum Youtube-Channel des Unternehmens) und auf der eigenen Website (hier geht's zur Darstellung der Firma).

© SZ vom 02.09.2011/kahe
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